Politik | Ausland
16.08.2017

Trump zu Charlottesville: Die Skurrilität des Bösen

Kommando zurück: Der US-Präsident beschuldigt bei einer Pressekonferenz im Trump Tower wieder beide Seiten, an der Gewalt in Charlottesville schuld zu sein.

Es ist gefährlich, in Zeiten von Trump mit Superlative zu hantieren. Aber Trumps gestrige Pressekonferenz war zumindest eine weitere Steigerung im Schlagabtausch zwischen dem US-Präsidenten und dem White House Press Corps; jenen Reportern, die ihn begleiten. Zum ersten Mal seit Monaten war Trump zurück in seinem Tower in der New Yorker 5th Avenue, hatte den Urlaub in seinem Golfklub in New Jersey unterbrochen.

Bannon sei "sicher kein Rassist"

Seit Tagen stand Trump unter Kritik, weil er nach den gewaltsamen Auseinandersetzungen in Charlottesville (Virginia) zunächst nur von Gewalt auf beiden Seiten sprach. Obwohl dort rechtsextreme Gruppen bis hin zum Ku-Klux-Klan und Neo-Nazis gegen die Entfernung eines Denkmals des Bürgerkriegs-Generals Robert Lee demonstrierten und eine Frau ums Leben kam, als ein junger Mann absichtlich mit einem Auto in eine Gegendemonstration fuhr.

Knapp zwei Tage später schärfte er nach, erklärte, dass diese Gruppen keinen Platz in den USA hätten. Nur um bei der Pressekonferenz im Trump Tower wieder zurück zu rudern, während er die Reporter wie gewohnt beschimpfte – „Setz dich nieder, Fake News“. Warum immer mehr seiner wirtschaftlichen Berater ihren Job zurücklegen? „Weil sie ihren Job nicht ernst nehmen.“ Sein erstes Statement, erklärt er, „war exzellent“. Steve Bannon, der den White Supremasists zumindest sehr nahestehende Trump-Berater, seit „ein guter Mann“ und „sicher kein Rassist“, der von der Presse „sehr unfair“ behandelt wird.

"Was ist mit der Alt-Left?"

Als Trump auf die Alt-Right-Bewegung angesprochen wird, die als Sammelbecken rechtsextremer Ideologien gilt, fordert er eine Reporterin auf, den Begriff für ihn zu definieren und fragt: „Was ist mit der Alt-Left?“ – ein Begriff, den er gerade erfunden hat. Er verteidigt auch die Proteste gegen die Entfernung des Bürgerkriegsdenkmals. Robert Lee war ein General für die im Bürgerkrieg unterlegenen Konföderierten, die die Sklaverei befürworteten, weshalb das Denkmal nun entfernt werden sollte. „Ich frage mich, kommt nächste Woche George Washington dran? Und dann Thomas Jefferson? Wir müssen uns wirklich fragen, wann das aufhört.“

Und er wiederholt, was er bereits in seinem ersten Statement sagte: Es sind beide Seiten schuld, es gebe „sehr böse“ und „sehr feine“ Menschen in beiden Gruppen. Während die rechtsextreme Demo zugelassen war, sei es die Gegendemo nicht gewesen, erklärte der Präsident. Gegen Ende dreht sich der angespannte Wortwechsel zwischen Reportern und dem Präsidenten ins Skurrile, als Trump gefragt wird, ob er nach Charlottesville reisen wird.

  • „Ich besitze ein Haus in Charlottesville. Wusste jemand, dass ich ein Haus in Charlottesville besitze?“
  • „Ist es ein Weingut?“
  • „Es ist ein Weingut. Ich weiß sehr viel über Charlottesville. Es ist ein großartiger Ort, der in den letzten Tagen viel mitgemacht hat. Ich besitze eines der größten Weingute in den Vereinigten Staaten, es ist in Charlottesville.“

Trumps Rückzieher von der expliziten Verurteilung rechtsextremer Gruppen verfehlte ihre Wirkung dort nicht. Sein Statement sei fair gewesen, schreibt Richard Spencer, einer der führenden Köpfe der Alt-Right-Bewegung auf Twitter, der ehemalige „Grand Wizard“ des Ku-Klux-Klan, David Duke, geht noch weiter und bedankt sich bei Trump für seine „Ehrlichkeit und den Mut, die Wahrheit zu sagen“.