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Startschuss für Endspurt im Rennen ums Weiße Haus
09/26/2016

Trump vs. Clinton: Das Duell der Titanen

Beim TV-Match Trump gegen Clinton wird ein Zuschauerrekord erwartet - die Routinierte gegen den Rüpel.

von Ingrid Steiner-Gashi, Ulrike Botzenhart

Die erste direkte Fernseh-Konfrontation zwischen Hillary Clinton und Donald Trump Montagabend wird wohl in die Geschichte eingehen: Wenn die Prognosen stimmen, werden nie zuvor so viele Amerikaner ein TV-Duell der Anwärter um das Weiße Haus verfolgt haben. "Die Einschaltquoten sind bei Trump immer hoch. Er ist einfach eine Unterhaltungskanone", sagt der Politologe Reinhard Heinisch. "Für die meisten der mehr als 100 Millionen Zuseher wird es überhaupt der Einstieg in diesen Wahlkampf sein. Sie beginnen erst jetzt, sich richtig damit auseinanderzusetzen." Nur in den besonders umkämpften "Swingstates", wo die Kandidaten eine Wahlkampfveranstaltung nach der anderen absolvierten, sei das anders.

Faktum ist, dass Hillary Clinton seit Sommer die Felle davonschwimmen. Drastisch zeigen das die Prognosen des US-Statistik-Gurus Nate Silver, der aufgrund seiner Wertungs-methode von Umfragen seit 2008 jede Wahl in den USA richtig prognostiziert hat: Mitte August hatte Silver Clintons Siegeschancen mit knapp 90 Prozent angegeben, vergangenen Freitag waren es nur noch 56 Prozent. Tendenz sinkend. Clintons Schwächeanfall am 11. September und vor allem ihr Versuch, eine Lungenentzündung zu vertuschen, haben der Demokratin massiv geschadet.

Was wollen Hillary Clinton und Donald Trump? Ihre Positionen

Clintons Welt:

Hillary for America“ lautet der Slogan der demokratischen Präsidentschaftskandidatin – und er zündete bisher ebenso wenig wie die ganze Wahlkampagne der langgedienten Politikerin. Erfahrung und eine ruhige politische Hand verspricht die 69-jährige Ex-Außenministerin, während viele Amerikaner doch nur Eines wünschen: nicht noch „more of the same“, sondern einen Kurswechsel. Wofür die Demokratin wirklich steht, konnte sie auch vielen ihrer eigenen Wähler noch nicht wirklich vermitteln.
– Wirtschaft oder Jobs, Jobs, Jobs Zehn Millionen neue Arbeitsplätze will sie schaffen und dafür mit einem geplanten Investitionsprogramm in Höhe von 275 Milliarden Dollar binnen fünf Jahren die Voraussetzungen schaffen. Reiche sollen stärker besteuert, Geringverdiener entlastet und Mindestlöhne auf 15 Dollar angehoben werden. Nach dem Erfolg ihres linkspopulistischen Herausforderers Bernie Sanders zog Clinton nach: Handelsabkommen sieht sie heute viel kritischer als früher. Was Clinton abgeht: Ein Generalthema ihrer Wirtschaftspolitik.
– Immigration oder Reform gesucht Wie Präsident Obama drängt Hillary Clinton auf eine Einwanderungsreform, um die elf Millionen illegalen Zuwanderer einzubürgern. Künftig will aber auch sie die Immigration in überschaubaren Grenzen halten.
– Außenpolitik einer engagierten USA Die frühere Außenministerin steht für eine Fortsetzung des Obama-Kurses, also das Beharren auf dem Supermachtstatus der USA, ohne große interventionistische Ambitionen.
– Umwelt oder die künftige Energie-Supermacht Die Demokratin setzt voll auf erneuerbare Energien. Die Erschaffung neuer Quellen dafür soll die USA zur „Supermacht der sauberen Energie“ machen und künftig die große Mehrheit der Haushalte damit versorgen. Zudem will sie der Energieverschwendung den Kampf ansagen.
– Gesundheit oder noch mehr Obamacare Die von US-Präsident Barack Obama eingeführte Gesundheitsreform samt Pflichtkrankenversicherung – ein Graus für alle republikanischen Wähler – will Hillary Clinton noch ausbauen. Zudem tritt die Demokratin für die Möglichkeit einer straffreien Abtreibung ein.

Trumps Welt

„Make America great again“ – der Slogan wurde das Markenzeichen der Wahlkampagne des republikanischen Präsidentschaftskandidaten. Wie der 70-jährige Immobilientycoon die USA „wieder groß machen“ will, darüber ließ Donald Trump bisher wenig Konkretes wissen. Präzise Fakten sind seine Sache nicht, in groben Zügen aber hat Trump ein Bild gezeichnet, wie er die USA sehen will.
– Die Wirtschaft oder der Schutz der eigenen LeuteVorrang haben für Trump die eigene Wirtschaft und die eigenen Arbeitnehmer („America first“) – was so viel bedeutet wie: Die US-Wirtschaft soll abgeschottet und dadurch geschützt, also Mauern hochgezogen, Schutzzölle eingeführt und so Billigwaren aus Fernost draußengehalten werden. Bestehende Handelsabkommen will er neu verhandeln, neue wie etwa TTIP erst gar nicht anpacken. Amerikanische Unternehmen, die ihre Produktion ins Ausland verlagern, will Trump mit einer Strafsteuer von 20 Prozent belegen. Mit seinem protektionistischen Kurs widerspricht der Kandidat der Republikaner radikal dem bisherigen wirtschaftspolitischen Leitlinien seiner Partei.
– Immigration oder der Bau der großen MauerDie elf Millionen illegalen Immigranten in den USA will Donald Trump ohne Wenn und Aber ausweisen lassen. Eine Einwanderungsreform im Einwanderungsland USA lehnt der Enkel deutscher Immigranten ab. Und neu ankommende Zuwanderer möchte der Republikaner mit dem Bau einer insgesamt 2000 Kilometer langen Mauer zu Mexiko abhalten.
– Außenpolitik oder die anderen sollen zahlenEr will den „Islamischen Staat vernichten“, lehnt den Atom-Deal mit dem Iran ab, umschmeichelt Russlands Präsidenten Putin und verlangt: Alliierte der USA, wie etwa Japan, Südkorea oder die NATO-Partner, müssten in Zukunft mehr zahlen, wenn sie von den USA verteidigt werden wollen. Forderungen, die NATO aufzulösen, zog Trump später wieder zurück.
– Umweltschutz oder noch mehr ÖlKlimaschutz ist für Donald Trump kein Thema, an die Erderwärmung glaubt er nicht. Er will die heimische Ölförderung ausbauen.
– Gesundheit oder Aus für ObamacareDie von US-Präsident Obama eingeführte Krankenversicherung für alle Amerikaner will Trump sofort wieder abschaffen.

Über den Ausgang des TV-Duells berichten wir am Dienstag bereits ab 05:00 Uhr Früh auf kurier.at

Early Voting

„Early Voting“. Die Stimmabgabe für die Präsidentenwahl ist schon im Gange. Ab kommenden Freitag sind es dann acht der 50 US-Bundesstaaten, in denen es möglich ist – und viele Amerikaner machen davon Gebrauch: 2012 hatten bereits ein Drittel der Wähler ihre Stimme vorzeitig abgegeben. Die Wahlbeteiligung soll damit erhöht werden, zuletzt lag sie bei 54,9 Prozent. Experten sehen beim „Early Voting“ die Demokratische Kandidatin Hillary Clinton leicht im Vorteil.
Die vorgezogene Stimmabgabe im Wahllokal oder durch Briefwahl ist in 38 Bundesstaaten zwischen vier und 45 Tagen vor dem Wahltermin möglich. Einige Staaten verlangen dafür eine Begründung. Oregon, Colorado und Washington setzen gänzlich auf die Briefwahl, um Kosten und Wartezeiten zu verringern. Kritiker bemängeln aber, dass die Briefwahl eher manipuliert werden könne und stark von der Post abhängig sei. Die früh getroffene Wahlentscheidung könnte auch angesichts neuer Informationen bereut werden.
Sonderrecht im WeltallDie vorab eingelangten Stimmen werden im Bezirk aufbewahrt und am Wahltag ausgezählt. Via Internet abzustimmen, ist bisher bei Präsidentschaftswahlen nicht möglich. Einzige Ausnahme: Astronauten aus Texas, wenn sie im Weltall weilen.


Christoph Mödlhamer

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