Politik | Ausland
08.11.2018

Trump und die Medien: Hassliebe mit doppeltem Nutzen

Der US-Präsident und die Journalisten arbeiten sich aneinander ab – und profitieren davon.

Eine „unverschämte, fürchterliche Person“ sei Jim Acosta, ein „Feind des Volkes“.

Am Tag nach den Midterm-Elections wühlte Donald Trump gestern tief in seinem Schimpfwort-Vorrat, nachdem ihn der CNN-Reporter, der ihn bereits öfter öffentlich herausgefordert hatte, wieder einmal in ein Wortgefecht verwickelte.

Dass Acosta am Ende die Akkreditierung für das Weiße Haus entzogen wurde, begründete Trumps Sprecherin Sarah Sanders so: Der Journalist habe „seine Hände“ auf eine Mitarbeiterin des Weißen Hauses „gelegt“, als die ihm das Mikrofon wegnehmen wollte.

Belegt wurde das durch ein Video, auf dem man sieht, wie Acosta der Frau die Hand wegschlägt und über dessen Echtheit im Internet diskutiert wurde.

Trumps Vorliebe für Medienschelte, deutlichstes Zeichen für das schwierige Verhältnis des Präsidenten zur „vierten Macht“ im Staat, ist seit dem Wahlkampf 2016 hinlänglich bekannt. Doch nach wie vor sorgen die Attacken des Republikaners für Empörung.

Themen setzen

Was Trump mit seinen Schimpftiraden bezweckt, und warum die Medien sein Spiel mitspielen, weiß der Politologe und USA-Experte Reinhard Heinisch. „Der Angriff auf Medien ist zentrales Element populistischer Politik“, sagt Heinisch zum KURIER.

Mit Behauptungen, etablierte Medien wie CNN würden als „Feinde des Volkes“ „Fake News“ verbreiten und wollten die Regierung schwächen sowie die Gesellschaft spalten, lasse sich die Durchschlagskraft kritischer Berichte schwächen.

Trump ermögliche die ständige mediale Präsenz, Themen zu setzen. Das war im Finale des Wahlkampfes vor den Midterm-Elections zu sehen, als Trump täglich gegen die „Karawane“ von Migranten wetterte, die sich auf die US-Grenze zubewegt, und dabei von einer „Invasion“ sprach.

Durch derartiges „Framing“ gelingt es Trump laut Heinisch, dass die Medien seine Sicht der Dinge übernähmen: „Er bestimmt den Ausschnitt, der gezeigt wird. Darin ist er extrem gut“.

Hohe Leser- und Zuseherzahlen

Doch warum berichten CNN & Co. dennoch weiter über jede von Trumps Wortmeldungen? Vor allem aus einem Grund: Der polarisierende Präsident bringt verlässlich hohe Leser- und Zuseherzahlen – wie der große Zuwachs an Abos bei New York Times und Washington Post zeigt, und was übrigens einst in Österreich auch für Magazintitel mit Jörg Haider galt.

Darüber hinaus erinnert Heinisch daran, dass die Medien „Trump ja auch gemacht“ hätten. Schon in den 70er-Jahren füllten Berichte über den Bauunternehmer die Klatsch-, aber auch Wirtschaftsspalten, dieser trieb das zur Selbstvermarktung fleißig voran.

„Noch bevor er die ersten zwei Ziegelsteine aneinandergesetzt hatte, galt er in der New York Times als Bautycoon“, sagte Trump-Biograf Michael D’Antonio einmal gegenüber CNN.

Bei unzähligen TV-Auftritten, seiner Reality-Show „The Apprentice“ und nicht zuletzt im Präsidentschaftswahlkamp sammelte Trump massig Erfahrung im Umgang mit Medien. Das zeigt sich laut Heinisch heute u. a. darin, dass er wie viele TV-Serien auf ein offenes Ende (Cliffhanger) setze, um Spannung zu erzeugen.

Verschwörungstheorien

Auch wenn Trump nach Erkenntnissen der Washington Post seit seinem Amtsantritt 2017 mehr als 6400 unwahre, falsche oder irreführende Behauptungen in die Welt gesetzt hat, zweifeln seine Anhänger nicht an den Aussagen ihres Idols – selbst wenn die durch Bildbeweise widerlegt sind.

Sie stünden ihm als Nicht-Politiker, als einem der Ihren zu, spontan und aus dem Bauch heraus zu handeln, sagt Heinisch. Zu anderen Wählern dringen kritische Berichte auch gar nicht durch, weil sie nur Trump-freundliche Medien konsumieren.

Fox News

Eine wichtige Rolle in diesem Zusammenhang spielt Fox News, die Speerspitze der konservativen Medien, die Trump bedingungslos verteidigen und dabei selbst vor Verschwörungstheorien nicht zurückschrecken.

Mehr als eine Million Menschen schauen den 1996 von Rupert Murdoch gegründeten Sender täglich. 94 Prozent gelten als konservative Republikaner, Durchschnittsalter: 68 Jahre.