Politik | Ausland
11.10.2017

"Trump sollte man ernst nehmen – nicht wörtlich"

Präsidentenberater. Über Trumps falsches Image.

Die Welt, davon ist James Carafano überzeugt, hat ein falsches Bild von Donald Trump. Also ist der Vizepräsident des ebenso renommierten wie erzkonservativen Think Tank Heritage Foundation ständig unterwegs, um diese Welt eines Besseren zu belehren –derzeit in Wien, wo er mit dem KURIER und anderen Medien sprach. Auf Regierungsebene würde man die Politik des US-Präsidenten allmählich besser verstehen, freut sich der Sicherheitsexperte, der Trump schon im Wahlkampf in außenpolitischen Fragen beraten hat: "Man muss den Unterschied erkennen zwischen dem, was Trump sagt – und dem, was seine Regierung tatsächlich macht." Der Präsident versuche ständig, "mit den Menschen in Verbindung zu bleiben, die ihn gewählt haben. Was er also sagt oder twittert, soll sein Publikum zuhause ansprechen."

Regierung geschlossen

Die Medien würden mit ihren Berichten ständig danebenliegen, "weil Trump keine Vergangenheit als Politiker hat und sie daher die Hintergründe seines Vorgehens nicht kennen." So gebe es den seit Tagen weltweit groß berichteten Streit zwischen Trump und dessen Außenminister Tillerson eigentlich nicht.

Nach einem baldigen Rücktritt, so Carafano über seinen persönlichen Eindruck, sehe Tillersons Auftreten nicht aus: Er arbeite mit vollem Einsatz, kümmere sich aber zuwenig um die Presse – "die müssten daher ständig Geschichten frei erfinden." Überhaupt habe das Bild von dem alleine und aus dem Bauch entscheidenden Irrläufer im Weißen Haus wenig mit der Realität zu tun: "Trump hat viel intensiveren Kontakt mit seinen Ministern als andere Präsidenten. Und er ist einer, der den Leuten, denen er vertraut, sehr genau zuhört. "

Bei innenpolitischen Fragen, das gesteht Carafano ein, würde die Regierung oft am "vergifteten politischen Klima" scheitern. Außenpolitisch aber verweist der Sicherheitsexperte nicht nur auf große Erfolge, sondern auch auf "eine Außenpolitik, die eigentlich viel traditioneller ist als unter George W. Bush oder Barack Obama".

Europafreund

Gerade in Europa herrsche viel zu oft unbegründete Aufregung über Trumps angebliche Kurswechsel, "was hat dieser Präsident tatsächlich getan, das sich gegen Europa richtet." Auch gegenüber der NATO sei die derzeitige US-Regierung ein treuer Verbündeter, und gegenüber Moskau fahre man – ganz entgegen allen Erwartungen – eine harte Linie.

Der Präsident habe inzwischen bewiesen, dass er in Krisensituationen schnell handeln könne, wie etwa beim US-Luftschlag gegen Syrien. Langfristige strategische Entscheidungen würde er dagegen "überlegt und nach langen Auseinandersetzungen mit politischen Beratern" treffen, etwa die neue Strategie für Afghanistan, wo in Zukunft wieder verstärkt US-Truppen operieren sollen. Wer in der Nordkorea-Krise dagegen mit dem großen Knall rechnen würde, liege falsch. In Wahrheit würde Trump nur die bewährten Grundlinien der US-Politik endlich wieder konsequent umsetzen: "Abschreckung, verstärkte Raketenabwehr und härtere Sanktionen." Der Konflikt mit dem n Kim-Regime sei daher eigentlich "unter Dach und Fach". Trumps ständige Drohungen mit einer militärischen Lösung dagegen "nichts als Rhetorik."