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Politik Ausland
03/30/2020

Trump rechnet mit Tausenden Toten, New York sieht Silberstreif

Während das offizielle New York Mitbürger auf eine weitere Eskalation einstellt und sich mit Trump anlegt, kommt Unterstützung per Schiff.

von Konrad Kramar

Krieg, Terror oder Krisen: Die Comfort hat schon alles gesehen. Das Lazarettschiff der US-Marine lag 2003 im Persischen Golf, während die US-Streitkräfte in Bagdad einrollten, und es lag vor New York, als der Terroranschlag auf das World Trade Center die Stadt in ihrem Innersten traf. Seit Montag Abend sollte die Comfort wieder vor New York ankern. Mit ihren 12 Operationssälen, Hunderten Betten und mehr als 1000 medizinischen Fachkräften ist sie ein schwimmendes Krankenhaus. Und genau ein solches Krankenhaus braucht die Stadt so dringend wie schon lange nicht mehr.

Auf der Comfort sollen all jene Patienten versorgt werden, für die die anderen medizinischen Einrichtungen der Stadt keine Kapazitäten mehr haben, weil sie ausschließlich Corona-Opfer versorgen. 60.000 Infizierte und 1.000 Tote verzeichnet New York inzwischen. Die Stadt ist das Epizentrum der Corona-Krise in den USA – und das Schlimmste steht ihr noch bevor, wie Gouverneur Andrew Cuomo am Montag deutlich machte. Wer sich die bisherige Entwicklung anschaue, könne keinen Zweifel haben, „dass wir mit Zigtausenden Toten rechnen müssen“.

Masken gehortet?

Der Demokrat Cuomo hat sich mit seinen offenen Worten und seiner zupackenden Art inzwischen als neues politisches Schwergewicht und als Gegenspieler von Donald Trump etabliert. Der warf dem Gouverneur am Montag tatsächlich vor, dass in den Krankenhäusern seiner Stadt Schutzmasken und andere medizinische Geräte gehortet würden. Cuomo reagiert mit offener Empörung. Er habe keine Ahnung, was der Präsident da meine: „Ich weiß auch nicht, wo er die Information her hat. Ich weiß nur, dass die Bemerkungen beleidigend und unfassbar sind.“

Lokalaugenschein in New York

Cuomo stellte sich vor allem vor das medizinische Personal der Stadt. Diese Menschen würden Unglaubliches leisten, „und das während sie den Tod vieler ihrer Kollegen miterleben müssen“. Schon in der Vorwoche hatte sich der Gouverneur frontal gegen das Weiße Haus gestellt.

Um die Epidemie einzudämmen hatte der ohnehin chronisch auf Schlingerkurs befindliche Präsident geplant, ganz New York - wie auch einige andere US-Metropolen - unter eine totale Quarantäne zu stellen. Cuomo aber wehrte sich so entschlossen gegen, die geplanten Maßnahmen, dass Trump schließlich zurückruderte und die Idee fallen ließ.

Krach mit Washington

Der Gouverneur, aber auch Bürgermeister Bill de Blasio, ebenfalls Demokrat, gaben sich trotz des offenen Konflikts mit Washington und dem Präsidenten erleichtert und dankbar über die Unterstützung durch die US-Armee. Das sei genau die Hilfe, die die Stadt jetzt brauche, meinte de Blasio.

Den akuten Mangel an Schutzmasken, vor allem aber an Intensivbetten in den Spitälern samt Beatmungsgeräten kann auch der Einsatz der Comfort nicht wettmachen. Auch hier machen die Verantwortlichen der Stadt den Präsidenten und die Bundesbehörden verantwortlich, die viel zu lange mit Gegenmaßnahmen gewartet hätten.

Einsatzbereit aber ist jetzt zumindest das improvisierte Zeltspital im New Yorker Central Park. Dort ist man auf die Behandlung Dutzender Corona-Intensivpatienten samt Beatmung eingerichtet. Die Jogger im Central Park - schließlich sind Laufrunden in New York weiterhin erlaubt - müssen von jetzt auf Rettungswagen achtgeben.

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