Politik | Ausland
16.07.2018

Trump-Putin: Auf Twitter tobt Kampf um die Deutungshoheit

US-Experten und Medien ringen vor dem Auftritt der beiden Präsidenten um Interpretationen. Manche werfen Trump Landesverrat vor.

Am schärfsten formuliert die Kritik wohl Scott Dworkin. „Dein dummer Putin-Gipfel ist Landesverrat, du Verräter. Jeder, der das teilt, stimmt zu“, schreibt der prominente Politik-Experte und ehemalige Wahlkampfhelfer von Barack Obama auf Twitter an den US-Präsidenten.

 

Grund für die diesmal besonders scharfe Kritik von vielen Demokraten und Liberalen in den USA: Das US-Justizministerium wird Anklage gegen zwölf russische Geheimdienst-Mitarbeiter erheben, wie am Freitag bekannt wurde. Es geht um Hackerangriffe auf Computer der US-Demokraten während des Wahlkampfes im Jahr 2016. Mit der Anklage haben die Vorwürfe eine neue Qualität bekommen. Aus Trumps Umfeld hatte es dennoch sofort geheißen: Das Treffen von Donald Trump und Russlands Präsidenten Wladimir Putin in Helsinki findet statt.

 

Die Nachrichtenseite Vox.com verwies in einem Artikel darauf, wie bemerkenswert niedrig das Weiße Haus die Erwartungen in das Treffen geschraubt hat. Der US-Botschafter in Moskau, Jon Huntsman, sagte etwa im Vorfeld, der Präsident sei am Zug, aber es sei „sehr unwahrscheinlich“, dass die annektierte Halbinsel Krim, die gewaltigen Zündstoff für die Ukraine und auch die EU birgt, ein Thema zwischen Trump und Putin sein werde.

 

Trumps Nationaler Sicherheitsberater John Bolton dementierte wiederum entschieden, dass der US-Präsident Putin auffordern könnte, die zwölf Geheimdienst-Mitarbeiter, welche die US-Justizbehörden anklagen, auszuliefern.

Trump-Kritiker Dworkin freute sich unterdessen am Montag, dass der Twitter-Hashtag #TreasonSummit („Verräter-Gipfel“) bereits mehr als 100.000 Mal geteilt worden sei. Interessantes Kommunikations-Detail: US-Botschafter Huntsman will nicht einmal von einem „Gipfel“ sprechen, er würde „detailliertes Gespräch“ vorziehen, so tief wird von Trumps Leuten inzwischen gestapelt.

Auch der auf Twitter umtriebige US-Präsident meldete sich zu Wort. Die Demokraten und die Medien würden ihm, wenn er von Putin für „alle Sünden und Bösartigkeiten, die Russland begangen hat“, die Stadt Moskau als Wiedergutmachung geschenkt bekäme, dann vorwerfen, warum er nicht auch St. Petersburg bekommen habe.

Seine Widersacherin im erbittert geführten US-Wahlkampf von 2016, Hillary Clinton, meldete sich ebenfalls zu Wort. Ob er wisse, für welches Team er spiele, fragte sie Trump spitz. Anlass war die eben zu Ende gegangene Fußball-Weltmeisterschaft in Russland.

Auch unter Republikanern gibt es aber teilweise große Skepsis über das Treffen. John McCain, prominenter Trump-Kritiker und schwerkranker US-Senator John McCain forderte den Präsidenten zu einer härteren Linie auf. "Während sich alle Augen in Richtung Helsinki wenden, muss der Präsident der Vereinigten Staaten seine beunruhigende Tendenz ändern, den Gegnern Amerikas die Ehrerbietung und Hochachtung zuteil werden zu lassen, die eigentlich für unsere Verbündeten bereitgehalten werden sollte", schrieb McCain am Donnerstag auf Twitter. Trump müsse gegenüber Putin stark auftreten und seinen Willen deutlich machen, die USA und ihre Verbündeten gegen diejenigen zu verteidigen, die Drohungen ausstoßen.