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Iran-Israel: Wie es zur neuen Gewalteskalation kam und was sie bedeutet

Gegen Trumps Willen holte Israels Premier Netanyahu nach iranischen Angriffen zum Gegenschlag aus. Wie geht es nun weiter?
Iranian ballistic missile lands near a Jewish settlement in the Jordan Valley

Am Wochenende eskalierte die Situation im Nahen Osten erneut. Israel und der Iran beschossen einander mit Raketen. Auch Akteure in anderen Ländern mischten wieder mit und machen die gesamte Region zum Pulverfass mit potenziell globalen Auswirkungen. In der Folge ein Leitfaden durch die Wirrnisse dieser konfliktreichen Weltgegend:

Warum beschießen einander der Iran und Israel wieder?

Eigentlich gilt ja seit 8. April eine (allerdings sehr brüchige) Waffenruhe zwischen Israel und den USA einerseits und dem Iran andererseits. Doch nachdem Israel zahlreiche Angriffe gegen die mit Teheran verbündete Hisbollah-Miliz im Libanon geflogen und am Wochenende auch wieder Vororte von Beirut ins Visier genommen hatte, sah der Iran vor allem bei Letzterem eine „rote Linie“ überschritten und schickte Raketensalven Richtung Israel. Diese konnten entweder abgefangen werden oder gingen in unbewohntem Gebiet nieder. Danach griff die israelische Luftwaffe wieder Ziele im West- und Zentraliran, aber auch in der Hauptstadt Teheran an. Dort ordneten die Machthaber neuerliche Gegenschläge an. Die Spirale kam in Gang. Wie wohl der Iran und auch Israel am Montag wissen ließen, dass die Luftschläge beendet seien.

Welche Rolle spielt Donald Trump?

US President Donald Trump addresses the media after capture of Venezuelan President Maduro

US-Präsident Donald Trump erhält in der Region immer mehr Zuspruch und Zulauf

Der US-Präsident rief laut Medienberichten nach den Abschüssen der ersten iranischen Raketen Israels Premier Benjamin „Bibi“ Netanyahu an, um diesen von einer militärischen Reaktion abzubringen: „Wenn Bibi zurückschlägt, wird es einfach so weitergehen wie in den letzten 47 Jahren oder den letzten 3.000 Jahren“, sagte Trump im US-Portal „Axios“. Beide Seiten hätten ihren „Spaß gehabt“. „Israel hat seinen Angriff durchgeführt und der Iran seinen. Wir brauchen keinen weiteren“, so der Staatschef, der aktuell ein Abkommen mit dem Iran aushandeln will. Doch der Verbündete in Israel kam diesem US-Drängen nicht nach.

FILE PHOTO: Israeli Prime Minister Benjamin Netanyahu holds a press conference, amid the U.S.-Israel conflict with Iran, in Jerusalem

Israels Premier Benjamin Netanyahu im Clinch mit Trump

Dabei hatte sich Trump in einem Interview mit der „Financial Times“ noch gebrüstet: „Ich habe das Sagen. Ich habe absolut das Sagen. Er hat nicht das Sagen“, Netanyahu müsse sich jedem Deal (mit dem Iran) beugen. Doch in Israel fürchtet man, dass ein solcher verwässert werden könnte, wodurch die Mullahs in Teheran weiterhin eine Bedrohung darstellen könnten. Letztlich appellierte der US-Präsident an beide Seiten, unverzüglich mit „dem Schießen“ aufzuhören.

Welche Auswirkungen hat die neue militärische Eskalation für die indirekten amerikanisch-iranischen Gespräche?

Das ist derzeit schwer zu sagen. Donald Trump will unbedingt ein Abkommen mit Teheran. Fast täglich beschwört er die „konstruktiven Gespräche“, die bald zu einem Abschluss kommen könnten. Tatsächlich aber waren die Verhandlungen ins Stocken geraten. Unter anderem forderte der Iran die Freigabe von in den USA eingefrorenen Geldern in der Höhe von umgerechnet rund 20 Milliarden Euro und ein Ende der US-Sanktionen. Für Washington kommt beides bloß nach einem etwaigen Deal in Sachen Raketen- und Nuklearprogramm in Frage. Außerdem verknüpft Teheran eine Übereinkunft mit einer Einstellung der israelischen Angriffe auf die Hisbollah im Südlibanon – doch diese wurden auch am Montag intensiv fortgesetzt. Auch die Hisbollah feuerte aus allen Rohren.

Was sind die Auswirkungen auf die gesamte Region?

Potenziell können diese gravierend sein und einen Flächenbrand auslösen. Die mit Teheran verbündete Houthi-Miliz im Jemen hat bereits wieder ins Kriegsgeschehen eingegriffen, sie feuerte mindestens eine Rakete Richtung Israel ab. Noch schlimmer: Sie kündigte eine Schließung der Seestraße Bab al-Mandab an. Diese ist neben der Hormus-Passage ein weiteres wichtiges Nadelöhr für die globale Wirtschaft. Die Meerenge verbindet Asien – über das Rote Meer und in Folge den Suezkanal – mit Europa. Würde auch diese zugehen, hätte das unabsehbare Folgen für die Weltwirtschaft.

Landkarte Nahost

Im Irak drohten Schiiten-Milizen, die vom Iran gesponsert werden, mit Attacken auf US-Stützpunkte im Zweistromland, sollten sich auch die amerikanischen Streitkräfte an den neuen Kriegsgeschehen beteiligen. Und Golfstaaten, wie etwa die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait oder Bahrain waren wegen der dortigen Präsenz von US-Militärs schon in der Vorwoche ins Visier iranischer Luftangriffe gekommen.

Wie reagierten die Rohöl- und Finanzmärkte?

Die asiatischen Börsen wurden zu Wochenbeginn auf Talfahrt geschickt: Der südkoreanische Kospi-Index knickte um satte 8,3 Prozent ein, der japanische Nikkei schloss am Montag mit einem Minus von 3,85 Prozent. Die europäischen Indizes gaben zu Handelsbeginn zwar kurzzeitig etwas nach, erholten sich bis zum frühen Nachmittag aber wieder. Ähnliches gilt für den Preis von Rohöl. Dieser schoss am Morgen von 93 US-Dollar pro Barrel (zu je 150 Liter) auf knapp 98 Dollar, am frühen Nachmittag sank er auf 94,5 US-Dollar.

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