US-Nahost-Politik in Trümmern
Wenige Tage vor seinem 80. Geburtstag (am kommenden Sonntag) steht US-Präsident Donald Trump nun endgültig vor dem Scherbenhaufen seiner Nahost-Politik. Der Iran und Israel überzogen einander wieder mit Raketen – und der Herr im Weißen Haus steht da wie der Blamierte.
„Ich habe das Sagen“, hatte er trotzig noch kurz vor der Eskalation in Richtung des israelischen Premiers Benjamin Netanyahu getönt und diesen von einem Gegenschlag gegen den Iran abbringen wollen. Doch der kümmert sich schon längst nicht mehr darum, was der US-Verbündete will. Bereits zu Beginn des Krieges (28. Februar) soll er vorgeprescht sein, sodass den USA gar nichts anderes übrig blieb, als mitzuziehen, wie es US-Außenminister Marco Rubio damals angedeutet hatte.
Doch bald musste man in Washington einsehen, dass das iranische Regime nicht so leicht zu biegen ist, sich seit Jahren auf einen solchen Angriff vorbereitet hatte. Und mit der Kontrolle über die wichtige Seestraße von Hormus einen starken Trumpf in der Hand hält. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde der Riss zwischen den USA und Israel offenbar: Während Netanyahu das Mullah-Regime (und mit ihm gleich auch die verbündete Hisbollah-Miliz im Libanon) in Grund und Boden bomben will – koste es, was es wolle –, steht Trump wegen des unbeliebten Waffenganges vor allem auch in der eigenen MAGA-Bewegung massiv in der Kritik.
Doch wie rauskommen aus diesem Krieg? Eine Exit-Strategie wurde nicht einmal ansatzweise angedacht. Nur mühsam wurde schließlich am 8. April eine Feuerpause ausgehandelt. Doch wie einige vom „Dealmaker“ Trump initiierten Waffenstillstände verdiente auch dieser den Namen nicht wirklich – so wie der zwischen der Hisbollah und Israel oder der im Gazastreifen. Was Letzteren anbelangt, wurden seit Inkrafttreten (Oktober 2025) 950 Palästinenser und vier israelische Soldaten getötet.
Die Optionen der USA sind jetzt jedenfalls begrenzt und nicht sehr rosig. Netanyahu ist kaum mehr einzuhegen, und dass Trump die Militärhilfe für ihn als Druckmittel einsetzt, ist wohl ausgeschlossen. Was den Iran anbelangt, ist das Weiße Haus dazu verdammt, ein Abkommen (fast) um jeden Preis zu erzielen. Der US-Präsident spricht in diesem Kontext auch nach der Zuspitzung in Nahost davon, dass die Verhandlungen mit Teheran weiterliefen und konstruktiv seien. Doch ist von ihm ja auch aus anderen Bereichen bekannt, dass er sich die Welt so ausmalt, wie sie ihm gefällt.
Faktum ist, dass die Gespräche stocken, aber Trump – auch wegen gestiegener Benzinpreise in den USA sowie den Midterm-Elections in fünf Monaten – rasch einen Deal braucht. Das Regime in Teheran setzt dagegen auf Zeit und lässt ihn zappeln. Derweil versinkt die Region im Chaos.
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