Politik | Ausland
08.03.2018

"Trainierte Killer"

Ermittler gehen von höchst professionellen Tätern aus.

Es ist Wort, das den Fall um die Vergiftung des ehemaligen russischen Spions Sergej Skripal und seiner Tochter mit einem Schlag auf eine ganz andere Ebene hob: Nervengift. Nachdem die britischen Behörden am Mittwoch bekannt gegeben hatten, dass der seit 2010 in Großbritannien lebende Russe mit einer solchen Substanz gezielt angegriffen worden sei, entfaltete sich am Donnerstag das ganze Ausmaß der Affäre. Ermittler sprachen gegenüber Medien davon, dass die Tat wohl von "bestens trainierten Killern" ausgeführt worden sei. Die Rede ist von einem Netzwerk von einstigen oder gegenwärtigen staatlich unterstützten Handlangern. Gemeint ist damit wohl: ehemalige oder aktive Spione.

Skripal und seine Tochter waren am vergangenen Sonntag bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Stadt Salisbury aufgefunden worden. Bald war klar, dass die beiden wohl vergiftet wurden. In Salisbury wurden darauf hin zahlreiche Orte abgeriegelt und untersucht. Unklar ist dabei, ob die beiden Opfer das Gift oral aufnahmen, einatmeten oder es über die Haut in den Körper kam.

Politikum

Sicher ist, dass die Täter dabei absolut sicher gehen wollten, dass Skripal nicht überlebt. Das wird durch die Dosis verdeutlicht, die bei der Tat zum Einsatz kam: Auch einige Rettungssanitäter sowie ein Polizist wurden wegen Symptomen behandelt. Der Polizist befindet sich nach wie vor in Behandlung. Sein Zustand wird als kritisch beschrieben. Allerdings soll der Beamte bei Bewusstsein sein. Sergej Skripal und seine Tochter Julia hingegen, so heißt es, sind nach wie vor bewusstlos.

Der Fall ist längst zum Politikum geworden. Als "widerwärtiges und skrupelloses Verbrechen" bezeichnete ein Sprecher von Premierministerin Theresa May die Tat. Innenministerin Amber Rudd sagte am Donnerstag bei einem Auftritt im Parlament in der Sache: Man werde "robust und angemessen" reagieren, sobald klar sei, wer hinter der Tat stecke. Spekulationen sollten vermieden werden.

Und derlei geistern viele umher. Skripal war 2010 im Zuge eines Agentenaustausches nach Großbritannien gekommen. Zuvor hatte er in russischer Haft gesessen, da er über Jahre als Oberst des Militärgeheimdienstes GRU Identitäten russischer Agenten im Westen an den britischen Auslandsgeheimdienst MI6 verkauft hatte. Üblich ist an sich, dass derart ausgehändigte Spione erst einmal über Jahre "gemolken" werden. Und dem Vernehmen nach dürfte Skripal (66) keinesfalls in Pension gegangen sein. Der ebenfalls im britischen Exil lebende Russe Walerij Morozow, der mit dem Anschlagsopfer lange zu tun hatte, sagte, Skripal habe nach wie vor "gefährliche" Kontakte gepflegt. So habe er sich ein Mal im Monat mit GRU-Offizieren der russischen Botschaft getroffen. Vonseiten der russischen Botschaft in London wurde das nicht bestätigt.

The Telegraph berichtete zudem, dass Skripal engen Kontakt zu Christopher Steele gepflegt habe. Steele ist jener ehemalige MI6-Mann, der für die US-Demokraten das Dossier über den heutigen US-Präsident Trump verfasst hatte. Darin ist von Sex-Orgien Trumps in Moskau und wirtschaftlichen Verflechtungen seines Clans mit Russland die Rede. Steele betreibt heute die private Sicherheitsfirma Orbis Business Intelligence. Skripal soll mit einem Mitarbeiter der Firma – der ebenfalls in Salisbury wohnhaft ist – in regelmäßigem Kontakt gewesen sein und, so die Vermutung, an etwas gearbeitet haben.