Politik Ausland
12/12/2018

Theresa May und der ewige Kampf

Der Brexit hat sie ins Amt gespühlt - und könnte ihr selbiges wieder kosten. Gegenwind ist May gewöhnt - seit Beginn ihrer politischen Karriere.

von Karl Oberascher

Theresa May muss sich seit ihrem Amtsantritt mit den Brexit-Verhandlungen und ihrer eigenen Partei herumschlagen. Ihr langer Kampf könnte am Mittwoch jäh zu Ende gehen.

Am Ende des Tages wird feststehen, ob Theresa May Premierministerin bleibt – oder sofort abgesetzt wird. Zwischen 19:00 und 21:00 Uhr stimmen die 315 Abgeordneten der konservativen Tories über das Misstrauensvotum ab. Das Ergebnis wird am selben Tag veröffentlicht werden.

Erst am Montag setzte Theresa May ein Zeichen der Schwäche. In letzter Sekunde verschob sie die Abstimmung im Parlament über ihr Brexit-Abkommen. Es wäre wohl mit überwältigender Mehrheit abgelehnt worden. Sie wollte mit der EU nachverhandeln, blitzte aber prompt ab.

Widerstand in der Partei

In den vergangenen Wochen verlor die Premierministerin namhafte Kabinettsmitglieder und wurde von ihrer eigenen Partei massiv kritisiert. Trotzdem wollte sie ihren Brexit-Deal durchsetzen und wiederholte gebetsmühlenartig, es sei das bestmögliche Abkommen.

Theresa May hätte sich ohne die Neuwahlen im Jahr 2017 einiges erspart. Die Umfrageergebnisse waren damals gut, dennoch scheiterte sie grandios und blieb weit unter den Erwartungen. Statt bis 2020 mit absoluter Mehrheit regieren zu können, ist sie seitdem auf die Stimmen der nordirischen Unionisten (DUP) angewiesen. Diese hatten schon angekündigt, gegen Mays Brexit-Deal zu stimmen.

"Maybot"

Wegen ihrer Beständigkeit, dem nüchternen Stil und unermüdlichem Wiederholen einzelner Phrasen wurde die Premierministerin „maybot“ in Anlehnung an einen Roboter getauft. Trotz aller Stolpersteine und Niederlagen dachte May nicht daran aufzugeben.

Es war erst das Chaos nach dem Brexit-Referendum, dem May ihr Amt zu verdanken hat. Die damalige Innenministerin löste David Cameron ab, der für einen Verbleib in der Europäischen Union eintrat. Am Mittwochvormittag drückte Cameron seine Unterstützung für May per Twitter aus.

Polit-Karriere mit Startschwierigkeiten

Ihre politische Karriere startete sie vor über 30 Jahren als Gemeinderätin im vornehmen Londoner Stadtbezirk Merton. 1997 zog sie als Abgeordnete ins britische Unterhaus ein. Allerdings erst beim dritten Versuch. Schon damals zeigte sie sich trotz zwei Niederlagen hartnäckig. Von 2002 bis 2003 war May die erste Generalsekretärin der Konservativen. 2010 bis 2016 vertrat sie als Innenministerin eine strenge Sicherheitspolitik.

Geboren wurde die Theresa May am 1. Oktober 1956 in eine Pfarrersfamilie in Eastbourne. Dort verbrachte sie ihre Kindheit. Sie studierte Geografie an der Elite-Universität Oxford und lernte dort ihren künftigen Mann Philip kennen. Freundinnen und Freunde erzählten der BBC, dass May schon in jungen Jahren die erste Premierministerin Großbritanniens werden wollte. Margaret Thatcher – die ebenfalls in Oxford studierte – kam ihr zuvor. Immerhin war May die zweite Frau an der Spitze. Ob sie das morgen immer noch sein wird, entscheidet ihre Partei heute Abend.

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