Italiens Innenminister: Amri bei "normaler Kontrolle" angehalten

"Wenn wir eine Person identifiziert und neutralisiert haben, die in einem Großteil Europas auf der Flucht war, bedeutet dies, dass unser Sicherheitssystem effizient ist", sagte Marco Minniti bei einer Pressekonferenz.

Der italienische Innenminister Marco Minniti hat der Polizei und allen Sicherheitskräften in Italien für die "Neutralisierung" des mutmaßlichen tunesischen Verantwortlichen des Anschlags am Montagabend in Berlin, Anis Amri, gedankt. "Italiens Sicherheitssystem funktioniert. Wir können darauf stolz sein", sagte Minniti am Freitag.

"Wenn wir eine Person identifiziert und neutralisiert haben, die in einem Großteil Europas auf der Flucht war, bedeutet dies, dass unser Sicherheitssystem effizient ist. Ich danke alle Polizisten auf der Straße, die uns ein derart hohes Sicherheitsniveau garantieren", sagte Minniti. Er gab die Namen der beiden jungen Polizisten bekannt, die den Tunesier angehalten haben. "Ganz Italien ist auf diese Polizisten stolz".

"Normale Kontrolle"

Der Tunesier sei bei einer "normalen Kontrolle" auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrum in Sesto San Giovanni unweit von Mailand angehalten worden. Er habe blitzartig eine Pistole aus der Tasche geholt und auf einen der beiden Polizisten geschossen, die ihn angehalten hatte. Der Polizist wurde an der Schulter verletzt. Er wurde ins Spital eingeliefert, schwebe aber nicht in Lebensgefahr. Der zweite Polizist sei unversehrt.

Die italienischen Behörden berichteten, dass Amri 2011 mit anderen tunesischen Migranten auf Lampedusa eingetroffen war. Hier soll er ein Flüchtlingslager in Brand gesetzt haben. Auf Sizilien wurde er zu vier Jahren Haft verurteilt, die er in Catania und Palermo abgesessen hatte. Im Mai 2015 wurde er freigelassen. Danach sei er nach Deutschland gereist.

"Problematischer Sträfling"

Die Leiterin der Strafanstalt "Pagliarelli" in Palermo, in dem Amri vier Monate lang verbracht hatte, bezeichnete den Tunesier als "problematischen Sträfling". "Er war aggressiv und verursachte immer wieder extreme Situationen. Er war angriffslustig. Damit war das Zusammenleben mit anderen Häftlingen unmöglich", sagte die Leiterin, Francesca Vazzana im Interview mit der römischen Tageszeitung Il Messaggero am Freitag.

Amri, der auch Gefängnisaufseher geschlagen habe, hatte ihrer Ansicht nach ein "psychologisches Problem, das darauf zurückzuführen ist, dass er unser Kultursystem nicht akzeptierte", sagte Vazzana. Signale einer Radikalisierung habe er jedoch nicht gegeben.

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