Politik | Ausland
27.07.2018

Syriens letzter Widerstand gespalten – und in Assads Visier

In der von Rebellen kontrollierten Provinz Syriens kämpfen Islamisten gegen Islamisten

Den Streitkräften der Assad-Regierung ist in den vergangenen Tagen ein großer Erfolg im syrischen Bürgerkrieg gelungen: Nach monatelangen Kämpfen nahm die Armee alle Rebellengebiete auf den Golanhöhen und rund um die Stadt Daraa ein. Bis auf eine kleine IS-Enklave und ein Wüstengebiet an der Grenze zu Jordanien kontrolliert Bashar al-Assad damit den gesamten Südwesten Syriens.

Mit den Rebellen verfuhr der syrische Präsident in altbekannter Manier: Er schickte sie in „Evakuierungsbussen“ in die Provinz Idlib, das letzte große Gebiet unter Kontrolle der Oppositionskräfte.

Zehntausende Kämpfer aus den verschiedensten Fraktionen und Enklaven wurden in den vergangenen Jahren nach Idlib gebracht, oftmals sogar mit Waffen und Munition.

Was auf den ersten Blick wie eine Stärkung des Widerstands in der Rebellenprovinz aussieht, ist in Wahrheit eiskaltes Kalkül: Die Regimegegner sind beileibe keine homogene Masse, sondern ein Sammelsurium verschiedenster Bündnisse, Splittergruppen und Gotteskrieger. Der Hass zwischen den einflussreichsten Fraktionen geht so weit, dass diese sich selbst bekriegen, während sich die Schlinge um sie herum immer enger zieht. Zwei große Blöcke stehen sich in Idlib gegenüber: Die von El Kaida unterstützte Terrorgruppe Hayat Tahrir al-Sham (ehemals Al-Nusra Front) und die sogenannte „Syrische Befreiungsfront“, ein Zusammenschluss aus nicht minder radikalen Gruppen und Überresten der moderaten Freien Syrischen Armee. Kleinere Gruppierungen müssen sich einer der beiden Seiten anschließen, ansonsten laufen sie Gefahr, zwischen den Kämpfen zerrieben zu werden.

Seit 2017 kam es bereits dreimal zu heftigen Kampfhandlungen, das letzte Mal vergangenen Winter – bis zu 1000 Kämpfer dürften bei dieser Auseinandersetzung gestorben sein.

Trotzdem wird eine Offensive – Medien zufolge plant Assad diese im Herbst – kein Spaziergang sein. Zumal Idlib von Russland, der Türkei und dem Iran als „Deeskalationszone“ festgelegt wurde. Die Türkei hat an den Provinzgrenzen Wachposten errichtet, die ein Eindringen der syrischen Armee verhindern sollen.

Allerdings galt auch Daraa als eine solche Zone, das Abkommen wurde sowohl von Russland als auch Assad ignoriert. Ob sich die Türkei einen Angriff auf Idlib gefallen lässt, ist trotzdem fraglich.