© EPA/SUEZ CANAL AUTHORITY /HO HANDOUT

03/28/2021

Suezkanal: „Ever Given“ könnte in zwei Teile zerbrechen

Extrem heikle Bergung des Mega-Container-Schiffes angelaufen. Schiff soll teilweise entladen werden.

von Walter Friedl

Sie ist in etwa so lang, wie das Empire State Building hoch ist (rund 400 Meter), voll bepackt mit 20.000 Containern, die vielstöckig gen Himmel ragen, kommt die „Ever Given“ auf ein Gewicht von 220.000 Tonnen – das entspricht der Gesamtlast von rund 1.000 Einfamilienhäusern mit einer Grundfläche von 90 Quadratmetern. Diese Zahlen belegen eindrucksvoll, dass die Bergung des Mega-Container-Schiffes, das seit fast einer Woche den Suez-Kanal blockiert, eine Herkulesaufgabe darstellt. Und auch mit extremen Risiken behaftet ist.

„Prekäre Position“

„Das Schiff ist in einer sehr prekären Position: Es hängt an beiden Enden (an den Rändern des Kanals)“, sagt Sal Mercogliano, Maritim-Experte, der an der Campell University in North Carolina lehrt. Das Problem: Der Gezeitenwechsel von Ebbe und Flut könnte Auswirkungen auf den Rumpf haben und zu Rissen führen, aus denen Treibstoff austreten könnte. Schlimmer noch: Ohne die genauen Bodenverhältnisse zu kennen, könnten die gerade laufenden Versuche, die „Ever Given“ wieder flott zu bekommen, indem Sand abgepumpt wird, in eine Katastrophe münden. Das Schiff könnte auf die eine oder andere Seiten kippen oder gar in zwei Teile zerbrechen.

Diese Gefahr sieht auch Nick Sloane, der die Bergung des Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia leitete, das 2012 vor der italienischen Insel Giglio gesunken war: In einem Worst-Case-Szenario könnten Tonnen an Sprit sowie auch Teile der Fracht im Kanal landen – und diesen über Wochen blockieren.

Da die bisher eingeleiteten Maßnahmen nicht von Erfolg gekrönt waren, soll nun mit der Teilentladung begonnen werden. Genau das wollte man vermeiden, weil dieser Prozess ein sehr langwieriger ist: Zum einen gibt es wenige Krane weltweit, die groß genug sind. Zum anderen müssen diese erst mühsam zur Unfallstelle gebracht und dort verankert werden.

130.000 Schafe an Bord

Somit droht der Suez-Kanal, ein der wichtigsten Arterien der Weltwirtschaft, noch geraume Zeit blockiert zu sein. Bereits jetzt stauen sich auf beiden Seiten des Nadelöhrs an die 350 Schiffe. Darunter auch rund ein Dutzend rumänische Frachter, die insgesamt 130.000 Schafe an Bord haben sollen. Laut Angaben aus Bukarest gebe es aber ausreichend Futter für die Tiere.

Auf der künstlichen Wasserstraße zwischen dem Roten Meer und dem Mittelmeer, die seit 1869 befahrbar ist, werden heutzutage normalerweise Güter im Wert von fast zehn Milliarden US-Dollar täglich hindurchgeschleust. Knapp 19.000 Schiffe passieren den Kanal jährlich und transportierten im Vorjahr 1,17 Milliarden Tonnen an Waren – das entspricht etwa zwölf Prozent des globalen Warenaustausches.

Weil derzeit gar nichts geht, hat die indische Regierung ihre Reedereien angewiesen, für den Transport nach Europa die Route über das Kap der Guten Hoffnung (an der Südspitze Afrikas) zu wählen. Der Zeitverlust dadurch beträgt freilich mindestens zehn Tage. Die Mehrkosten (vor allem für Treibstoff) belaufen sich – konservativ geschätzt – auf eine halbe Million US-Dollar.

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