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Politik Ausland
01/07/2021

Sturm aufs Kapitol: FBI bittet um Hilfe bei Identifizierung

Die Bundespolizei hofft, Eindringlinge mittels Online-Videos und mithilfe von Festgenommenen enttarnen zu können.

von Dirk Hautkapp

Weißer Kapuzen-Pulli, blaues Trump-T-Shirt, rote Kappe, schwarzer Bart – der junge Mann, der am Mittwoch auf den Wandelgängen des Kapitols in Washington etwas perplex in die Kamera schaut, gehört nach Einschätzung von Fahndern zu den ersten Kandidaten für eine Identifizierung.

Bei Hunderten anderen Eindringlingen setzt die Bundespolizei auf Mithilfe der Öffentlichkeit. „Wenn Sie Zeuge ungesetzlicher, gewalttätiger Aktionen wurden, bitten wir Sie dringend, jede Information, Foto oder Videos, die aussagekräftig sein könnten, an fbi.gov/USCapitol zu senden“, hieß es gestern in einem offiziellen Aufruf.

Der Hintergrund mutet seltsam an: Wer genau die Täter waren, die am Nachmittag den Kongress stürmten und die dort versammelten Parlamentarier in Angst und Schrecken versetzten, woher sie kamen, ob sie über soziale Medien vernetzt waren, wer sie möglicherweise gesteuert hat, ist bis zur Stunde nach Angaben der Behörden weitgehend unbekannt.

Aufschluss erhofft man sich bei der Stadt-Polizei von Washington durch die 52 bis hin den späten Mittwochabend Festgenommenen. Die meisten Akteure wurden wegen Verstoßes gegen die ab 18 Uhr verhängte Ausgangssperre in Gewahrsam genommen.

Auf Skepsis stieß die in rechtslastigen Medien (Newsmax, Gateway Pundit etc.) verbreitete These, wonach die Attacke unter „falscher Flagge“ ausgeführt worden sei. Danach könnten linksextreme Anhänger der Antifa, verkleidet als Trumpianer, an der Spitze der gewalttätigen Aktionen gestanden haben, um den Präsidenten zu diskreditieren.

Sorgen bereitet den Sicherheitsbehörden die Tatsache, dass der gewaltsame Aufstand in Washington kein Einzelfall war. Parallel zogen Unterstützer Trumps am Mittwoch in vielen anderen Städten des Landes vor die jeweiligen Kongresse, teilweise bewaffnet, um gegen die Zertifizierung des Wahlsieges von Joe Biden zu protestieren. In Georgia, Oregon, Utah, Oklahoma, Kalifornien, Ohio und Arizona tauchten Hunderte vor offiziellen Gebäuden auf, veranstalteten Hupkonzerte, lieferten sich vereinzelte Handgemenge mit der Polizei.

Ob es sich dabei um eine Eintagsfliege handelte oder ob in den Tagen bis zur Amtseinführung Bidens am 20. Jänner weitere Episoden von öffentlichem Aufruhr gegen das Wahlergebnis folgen werden, ist nicht ausgemacht. „Viel hängt davon ab, ob Trump weiter Öl ins Feuer gießt oder ob er seine Anhänger endlich glaubhaft zur Räson bringt“, sagte ein Analyst im TV-Sender MSNBC.

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