© REUTERS/CHRISTIAN HARTMANN

Politik Ausland
04/17/2020

Studie mit "Wundermittel" endete für elf Menschen tödlich

In Brasilien wurde das Anti-Malaria-Mittel Chloroquin an Covid-19-Patienten getestet - mit fatalem Ausgang.

von Walter Friedl

US-Präsident Donald Trump lobte es in den höchsten Tönen - als Rettungsanker in der Not der Corona-Krise; auch Frankreichs "Wunderheiler" und oberster "Seuchenflüsterer" von Staatschef Emmanuel Macron, Didier Raoult, setzte auf das Anti-Malaria-Mittel Chloroquin im Kampf gegen das Virus. Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro ebenfalls. Letzterer ließ seine Spezialisten sofort ausrücken, um das Medikament an Corona-Patienten zu testen. Für elf Teilnehmer der Studie endete das Experiment tödlich, es wurde sofort abgebrochen.

81 Erkrankte erhielten im Tropeninstitut der Amazonas-Metrople Manaus über mehrere Tage hinweg eine Dosis von 600 Milligramm täglich, eine Gruppe bekam diese Dosis sogar zwei Mal binnen 24 Stunden. Diese Menge lag deutlich über der empfohlenen, die in vorangegangenen Studien ermittelt worden war.

Die Ärzte bemerkten bei Patienten mit der hohen Dosierung schon nach wenigen Tagen Herzrhythmusstörungen, am sechsten Tag starben elf Patienten.

Deutscher Infektiologe hatte gewarnt

Im Zuge der bis dato grassierenden Chloroquin-Euphorie hatte der bekannte Infektiologe Christian Drosten schon vor Wochen vor zu viel Euphorie gewarnt. Zwar gab es in Frankreich eine Studie, die vielversprechende Ansätze aufwies. Doch Drosten von der Berliner Charité hielt mit Realismus dagegen: Dass ein Mittel in Zellkulturen Viren bremsen könne, eben auch Covid-19, heiße noch lange nicht, dass das auch infizierten Menschen helfe.

Zum einen müsste die Substanz erst einmal den Weg bis zur Lunge finden (die vom Virus angegriffen wird), und zum anderen müssten die Zellen die Wirkstoffe "umbauen", ehe sie sich entfalten könnten - und ob Zellen im Körper gleich reagieren wie Zellen in einer Petrischale, sei ungewiss.

Armee sollte Produktion ankurbeln

Bolsonaro, der ähnlich wie sein Bruder im Geist, Donald Trump, die Gefählichkeit des Virus lange Zeit heruntergespielt hatte, hatte vor Bekanntwerden der aktuellen Tragödie sogar die Armee angewiesen, die Produktion von Chloroquin anzukurbeln. In einem Interview hatte er sogar gemeint, er würde nicht zögern, das Mittel seiner Mutter zu verabreichen, wenn sie sich anstecken sollte.

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