Politik | Ausland
13.10.2018

Strolz nach Politik-Abschied: "Jetzt will ich tanzen"

"Lost in Space": Medienkünstler Razelli macht aus Reden des Neos-Gründers Musik - der will bald wieder als Selbstständiger arbeiten.

Fünf Jahre lang, sagt Matthias Strolz, habe er seinen „inneren Schalk“ eingesperrt. Wirklich? „Na gut, manchmal hat er schon rausschauen dürfen.“ Aber jetzt, nach seinem Rückzug aus der Politik: „Jetzt will ich tanzen."

Strolz ist da auch missionarisch, wie er sagt: „Jeder kann tanzen“ – und jeder soll tanzen. Zum Beispiel zu seiner Musik. Der ehemalige Neos-Chef und Parteigründer hat am Samstag mit Kurt Razelli im Wiener Club „Flex“ das gemeinsame Album „Lost in Space“ präsentiert. Wie es dazu kam?

Medienkünstler Razelli („Ich hab ihn ohne Schwarzenegger-Maske erst gar nicht erkannt“, sagt Strolz) verwendet immer wieder Ausschnitte aus Parlamentsreden und unterlegt sie mit Beats - auch Strolz kam da oft vor.

Politische Texte mit Beats

„Frau Gesundheitsministerin, was is’ mit Ihnen?!“, war so ein Ausspruch – getätigt bei der Debatte zum neuen Rauchergesetz im Februar – den Razelli in seiner groovigen Nummer „Rauchen“ verarbeitet hat. Aus der Rücktrittserklärung machte Razelli die nachdenkliche Ballade „Pilot meines Lebens“. Und sein Plädoyer für den Klimaschutz wurde zum albumtitelgebenden „Lost in Space“.

Die Videos des Medienkünstlers werden tausendfach auf YouTube geklickt und in sozialen Netzwerken geteilt, viele sind mittlerweile Kult.

Für Strolz ist das die Chance, „mit meinen politischen Kernbotschaften in die Breite zu gehen, auch das jüngere Publikum zu erreichen“.

Und jung war es, das Publikum im ausverkauften "Flex" - viele waren zum ersten Mal hier. Die Texte nahmen sie durchaus ernst: Bei " Europa ist nackt" zogen einige Burschen in der ersten Reihe ihre T-Shirts aus. Bei "Das ist nicht okay!" (eine Rüge an die damalige rot-schwarze Regierung) wurde laut mitgebrüllt.

 

"Mein Zug, mein Skilift, meine Heugabel"

Getanzt hat Strolz, der angesichts der Fan-Masse etwas eingeschüchtert wirkte, auf der Bühne vor Kurt Razelli am DJ-Pult letztlich nur ein bisschen - "aber mit Passion", wie er erklärte. "Dürfen Politiker überhaupt tanzen?", war eine Frage, die er sich im Vorfeld gestellt hatte, wie er dem KURIER erzählte.

Ex-Politiker dürfen sogar rappen. Als Bonus-Track findet sich neben „Dance-Nummern im Stil der späten 90er“ eine Anleihe an den Hit des deutschen Rappers Sido, wo es heißt: „Meine Straße, mein Zuhause, mein Block“. Strolz, ein Vorarlberger, singt: „Mein Zug, mein Skilift, meine Mama, meine Kirche, meine Heugabel“.

Die gesammelten Werke sind auf CD und Vinyl erhältlich. Eine Musikkarriere ist nicht geplant, betont Strolz – der Auftritt im „Flex“ werde (vorerst) ein einmaliger bleiben.

Absichtsloses Dahintreiben

Gefragt nach seiner Zukunft antwortet Strolz, wie Strolz eben spricht: „Ich treibe in einer gewissen Absichtslosigkeit auf dem Fluss des Lebens, und es kommt mir immer wieder Großes entgegen.“

Heißt: Er begegnet „interessanten, inspirierenden Menschen“, überlegt neue Projekte und schreibt nächstes Jahr ein Buch. Ab November will er wieder als Selbstständiger arbeiten, „aber nicht gleich wieder 60 Stunden plus. Ich will mir Freiraum erhalten für die Familie und meine vielen Interessen.“