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Politik Ausland
03/20/2022

Sorge vor russischem Angriff auf Westukraine wächst

Die Angst vor einem Angriff auf den Westen der Ukraine steigt, nachdem Russland mit dem Einsatz von Hyperschallraketen eine neue Eskalationsstufe eröffnet hat.

von Armin Arbeiter

„Es gab ständig Androhungen von Gewalt, wir standen unter Belagerung – und somit hat das Außenministerium beschlossen, die Botschaft zu evakuieren“, sagte der weißrussische Botschafter in Kiew, Igor Sokol, als er am Samstag mit seinen Mitarbeitern in Richtung Republik Moldau fuhr.

Gleichzeitig gab es (wieder) weißrussische Truppenbewegungen in Richtung Brest – in der Nähe der ukrainischen Grenze, wo seit geraumer Zeit drei russische Bataillonskampfgruppen stationiert sind. „Die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs auf ukrainisches Gebiet ist hoch“, hieß es vonseiten des ukrainischen Präsidialamtes. Sollte dieser Angriff erfolgen, würde er vor allem Chaos und Panik auslösen: 170.000 Binnenflüchtlinge befinden sich derzeit in der ukrainischen Grenzregion, 470.000 weitere im Umkreis von 150 Kilometern.

Sollte es nicht nur zu einem russischen, sondern auch zu einem weißrussischen Angriff kommen, wäre es möglich, dass die Streitkräfte alle Landverbindungen zur Hauptstadt Kiew unterbrechen. Dass mit einer neuen Eskalationsstufe zu rechnen ist, ist angesichts des starken ukrainischen Widerstands zu erwarten: In besetzten südlichen Städten wie Cherson gingen am Sonntag zahlreiche Menschen mit ukrainischen Fahnen auf die Straße, protestierten gegen die Besatzung.

Protest trotz Festnahmen

In der Stadt Enerhodar warfen Demonstranten den russischen Truppen vor, sie hätten den ersten Stellvertreter des Bürgermeisters der Stadt entführt. Die Proteste fanden statt, obwohl in den vergangenen Tagen Hunderte Zivilisten von russischer Polizei festgenommen wurden.

Vor allem aber kommen die russischen Invasionstruppen lange nicht so rasch voran, wie erwartet, bombardieren deshalb umso stärker ukrainische Städte und haben nach wie vor große Probleme, die ukrainischen Truppen an der Frontlinie im Donbass einzukesseln.

Obendrein sollen bereits sechs Generäle und sieben Oberste der russischen Streitkräfte gefallen sein. Möglich ist das mit hoher Wahrscheinlichkeit durch die NATO-Aufklärungsunterstützung für die ukrainischen Streitkräfte. Wie es zu den Attentaten kam ist unklar – ebenso wie valide Informationen über Verluste auf beiden Seiten: „An den Brennpunkten besonders schwerer Kämpfe sind unsere vordersten Abwehrlinien mit Leichen russischer Soldaten praktisch überhäuft. Und diese Leichen, diese Körper werden von niemandem geborgen“, sagte etwa der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskij, bezifferte die Verluste der russischen Streitkräfte mit 14.700.

Falsche Berichte

Das ist doppelt so viel wie die Schätzungen der USA. Auch die russischen Nennungen ihrer Verluste sind zu vernachlässigen – ebenso deren Berichte über mehr als 22.000 gefallene ukrainische Soldaten.

Klar ist allerdings, dass die russischen Streitkräfte nach wie vor die Initiative haben, die Stadt Mariupol in den kommenden Tagen fallen dürfte und damit weitere 14.000 russische Kämpfer frei werden, um den Druck auf die Front im Donbass zu erhöhen. Und auch um Kiew schließt sich der Kreis enger – auch wenn die Verteidiger den Fluss Irpin geflutet haben, um einen russischen Vormarsch zu verlangsamen.

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