Ernst der Lage ist auch bei Donald Trump angekommen

© REUTERS/LEAH MILLIS

Politik Ausland
03/17/2020

Selbst Trump spielt die Coronavirus-Krise nicht mehr herunter

Tonwechsel im Weißen Haus: Amerikaner sollen Bars, Restaurants meiden, Reisen absagen. Schulen bleiben geschlossen.

von Dirk Hautkapp

Seit 100 Jahren hat der Oberste Gerichtshof in Washington keine angesetzten Anhörungen mehr verschoben - in diesem Monat ist es der Fall. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs hat das “Kentucky Derby” immer am ersten Samstag im Mai stattgefunden - in diesem Jahr wird das legendäre Pferderennen in Louisville erst am 5. September gestartet. 

Erste Impftests

Zwei von Dutzenden Folgeerscheinungen der Coronavirus-Krise, die mittlerweile alle Lebensbereiche in den Vereinigten Staaten erfasst hat. Binnen weniger Tage ist die offizielle Zahl der Infektionen auf rund 4.500 angestiegen. Rund 90 Menschen starben an den Folgen des Erregers, für den seit Montag in einem Testversuch im US-Bundesstaat Washington zum ersten Mal an Menschen ein Impfstoff getestet wird.  

Am augenfälligsten war der Tonwechsel bei Donald Trump. Der Präsident, der die Pandemie noch am Wochenende erneut verharmlost hatte (“es wird vorbeigehen”), verkündete am Montag eine Liste mit präsidialen Verhaltensregeln, die ab sofort alle Amerikaner für mindestens zwei Wochen strikt befolgen sollen. Ansammlungen von mehr als zehn Menschen sind zu meiden. Ebenso Besuche in Bars und Restaurants. Reisen, die nicht unabdingbar notwendig sind, sollten storniert werden.

Zuvor hatten britische Wissenschaftler berechnet, dass bis zu 2,2 Millionen Amerikaner sterben könnten, wenn der Staat nicht rigoros eingreift. 

"Unsichtbarer Feind"

Trump schloss nicht aus, dass es eine landesweite Ausgehsperre geben wird, um den "unsichtbaren Feind" zu bekämpfen. Trump rückte auch von seiner Prognose ab, das Coronavirus-Thema werde sich schon bald erledigt haben. Das könne bis “Juli, August” dauern, sagte er, deutlich ernster im Ton, und deutete an, dass die USA in eine Rezession rutschen könnten. 

Trotz massiver Senkung des Leitzinses durch die Notenbank Fed erlebte die Wall Street den schwärzesten Montag seit 1987. Der Aktienindex Dow Jones stürzte um fast 13 Prozent ab. 

60 Prozent der Amerikaner zeigen sich nach einer aktuellen Gallup-Umfrage “besorgt” oder “sehr besorgt” über das Coronavirus. Im Februar waren es nur 36 Prozent.

San Francisco macht dicht

Im Großraum San Francisco gilt ab diesem Dienstag für sechs Millionen Menschen für die nächsten drei Wochen eine Rund-um-Uhr-Ausgehsperre. Nur bei dringenden Anlässen sollen Ausnahmen zugelassen werden.

32 Millionen Schüler zuhause

In allen Teilen der USA haben seit Montag 32 Millionen Schüler schulfrei wegen des Coronavirus. Für viele Familien, in denen beide Elternteile arbeiten, stellen sich damit akute Betreuungsprobleme. 

Große Gastronomieketten wie McDonald's und Starbucks stellen ihren Betrieb auf Abholung und Lieferdienste um. Kunden sollen sich nicht mehr in den Schnellrestaurants und Kaffeehäusern längere Zeit aufhalten dürfen.

In den Bundesstaaten New Jersey, New York und Connecticut sind ab sofort alle Kinos, Casinos und Sporthallen geschlossen.

Amazon stockt auf

Der Online-Handel boomt dafür. Der Versandhaus-Riese Amazon will daher zusätzlich 100.000 Mitarbeiter einstellen, um die hohe Zahl der Online-Bestellungen wegen der Epidemie bewältigen zu können. Das Unternehmen werde 350 Millionen Dollar investieren, um unter anderem die Stundenlöhne der Beschäftigten um zwei Dollar zu erhöhen, sagte ein Sprecher.

Große Flugzeughersteller wie Boeing fordern hingegen staatliche Finanzhilfen, um die Krise wirtschaftlich zu überleben. Ebenso US-Fluggesellschaften. Sie bitten die Regierung in Washington um Zuschüsse und Kredite im Volumen von 60 Milliarden Dollar.

Die Tech-Riesen Microsoft, Facebook, Google, Twitter, LinkedIn, Reddit und YouTube üben den Schulterschluss, um auf ihren Plattformen die grassierende Verbreitung von Falschinformationen und Verschwörungstheorien über das Coronavirus zu stoppen.

Vorwahlen heute abgesagt

Die Corona-Krise wirkt sich zunehmend auf die demokratischen Präsidentschaftsvorwahlen aus. Nachdem die Bundesstaaten Louisiana und Georgia ihre Vorwahlen bereits verschoben hatten, entschied Gouverneur Mike DeWine, die für diesen Dienstag angesetzten Urnengänge auch in Ohio zu stoppen - aus Gründen der Gesundheitsprävention.

Bernie Sanders, neben Joe Biden der einzige noch im Rennen befindliche Kandidat, erklärte, dass die noch verbleibenden knapp 25 Vorwahlen vielleicht ausgesetzt werden sollten, um Bürger nicht unnötig einem Ansteckungsrisiko auszusetzen.

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