Politik | Ausland
13.09.2018

Seehofer: Rücknahmeabkommen mit Italien steht

Die Vereinbarung bezieht sich auf Menschen, die an der deutsch-österreichischen Grenze aufgegriffen werden.

Die Vereinbarung mit Italien zur Rücknahme von Flüchtlingen von der deutschen Grenze steht nach Angaben der deutschen Innenministers. "Das Abkommen mit Italien ist auch abgeschlossen. Es fehlen jetzt nur noch die zwei Unterschriften von dem italienischen Kollegen und von mir", sagte Horst Seehofer am Donnerstag im Bundestag.

In dem Abkommen geht es um Menschen, die an der deutsch-österreichischen Grenze aufgegriffen werden, in anderen Ländern aber schon einen Asylantrag gestellt haben.

"Um Reisekosten zu sparen, tauschen wir die Papiere aus", sagte Seehofer." Daher könne es vielleicht noch ein paar Tage dauern. "Aber das ist ein Erfolg."

Aus Kreisen des italienischen Innenministeriums verlautete, solange es keine Unterschrift gebe, könnten die Verhandlungen noch nicht als abgeschlossen gelten. Ressortchef Matteo Salvini von der rechten Lega werde über das Abkommen aber am Freitag in Wien bei der Konferenz zum Thema Sicherheit und Migration der EU-Innenminister sprechen. Man strebe eine ausgewogene Vereinbarung an. Seehofer nimmt an dem zweitägigen Treffen nicht teil.

Salvini hat deutlich gemacht, dass er nur ein Abkommen unterzeichnen will, das dazu führe, dass sein Land sich um keinen einzigen zusätzlichen Flüchtling kümmern muss, wie er sagte.

Vereinbarungen mit Spanien und Griechenland

Die deutsche Regierung hat bereits ähnliche Vereinbarungen mit Spanien und Griechenland geschlossen. Sie sehen vor, dass Deutschland binnen 48 Stunden Migranten von der deutsch-österreichischen Grenze in diese Länder zurückschicken kann, wenn sie dort zuvor bereits einen Asylantrag gestellt haben. Festgestellt wird das über die europäische Fingerabdruck-Datenbank Eurodac.

Am Streit über die von Seehofer geforderte Zurückweisung von bereits anderswo in der EU registrierten Asylsuchenden direkt an der Grenze wäre im Frühsommer beinahe die deutsche Koalition zerbrochen. Seehofer wurde damals beauftragt, Abmachungen mit Italien, Griechenland und Spanien auszuhandeln.

Auch das Abkommen mit Griechenland sieht Gegenleistungen vor. Demnach soll Deutschland bis zum Jahresende offene Altfälle für Familienzusammenführungen prüfen. Hintergrund ist, dass in Griechenland rund 2.000 bis 3.000 Flüchtlinge darauf warten, zu ihren Familien nach Deutschland reisen zu dürfen. Darüber hinaus erklärt sich Deutschland der Mitteilung zufolge dazu bereit, "streitige Verfahren für Familienzusammenführungen erneut zu prüfen".

Das Abkommen mit Spanien sieht solche Gegenleistungen nicht vor. Allerdings wird in Berlin auch nicht damit gerechnet, dass Migranten aus Spanien auf einem Umweg über die österreichische Grenze nach Deutschland gelangen.