Der Gastgeber mit den Chef-Verhandlern: Außenminister Sebastian Kurz am Dienstag mit Frank Walter Steinmeier (D), John Kerry (USA) und Laurent Fabius (F).

© /Dragan TATIC

Interview
07/14/2015

Kurz: "Nie Gewissheit, aber eine große Chance"

Der Deal bringe wirtschaftliche Möglichkeiten, "nicht nur für den Iran, sondern auch für Länder wie Österreich".

von Andreas Schwarz

Herr Minister, verdient das Atomabkommen tatsächlich den Namen "historisch"?

Sebastian Kurz: Es ist ein großer Durchbruch, ja, ein "historischer". So ein Abkommen gibt zwar keine Gewissheit, nie 100-prozentige Sicherheit. Aber es ist eine große Chance für mehr Frieden, Stabilität und Sicherheit. Nicht nur in der Region, sondern weltweit. Wir alle haben ein starkes Interesse daran, dass der Iran keine Atombombe bauen kann.

Ist das durch das Abkommen tatsächlich garantiert?

Kontrollen sind durch das Abkommen sichergestellt. Es erlaubt dem Iran gleichzeitig, sein Atomprogramm friedlich zu nutzen. Es ist ein Schritt des Aufeinander-Zugehens und bringt den Iran aus der Isolation. Und es bietet wirtschaftlich Chancen, nicht nur für den Iran, sondern auch für Länder wie Österreich, die im Iran wirtschaftlich aktiv werden können.

Es gibt noch zahlreiche Gegner des Abkommens, in den USA muss es erst durch den Kongress, im Iran haben die Hardliner keine Freude – für wie realistisch halten Sie es, dass der Deal noch alle Hürden schafft?

Ich halte das für sehr wahrscheinlich. Denn das Abkommen funktioniert Zug um Zug, die Sanktionen würden erst nach Vorleistungen durch den Iran enden. Es gibt jederzeit die Möglichkeit, die Sanktionen wieder einzuführen. Daher glaube ich, dass es tatsächlich umgesetzt wird.

Die schrittweise Aufhebung der Sanktionen war seitens des Iran der größte Hemmschuh für ein Abkommen, und das Parlament in Teheran hat beschlossen, keine IAEA-Kontrollen zuzulassen. Wie soll das gehen?

Beide Seiten haben sich bewegt, so ist das meistens bei Verhandlungen, wenn sie erfolgreich ausgehen sollen.

Israel warnt vor einem Ende der Sanktionen und einer Aufrüstung des Iran.

Die Sorge Israels muss man ernst nehmen. Aber die Isolation eines Landes wie des Iran kann sehr gefährlich sein und zu noch mehr Radikalisierung und Abgrenzung führen. Gegen ein Aufrüsten des Iran gibt es klare Regeln zu einem Waffenembargo.

Wien hat inhaltlich keine Rolle spielen können, aber als Gastgeber der Verhandlungen.

Ich bin froh, dass die Verhandlungen hier stattgefunden haben, wochenlang. Das hat uns sehr viel Aufmerksamkeit gebracht. Der Werbewert für Österreich wird auf mehr als 100 Millionen Euro geschätzt.

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