Protest von stockholms chefköchen gegen die Sperre ihrer Lokale

 

© APA/AFP/TT News Agency/CARL-OLOF ZIMMERMAN

Politik Ausland
03/30/2021

Schweden will lockern inmitten steigender Corona-Zahlen

Dreigliedriger Stufenplan vorgestellt, obwohl 7-Tagesinzidenz bei mehr als 350 Infektionen liegt.

von Jens Mattern

Das schwedische Gesundheitsamt will jetzt Hoffnung vermitteln – ein Stufenplan für den Abbau der ohnehin nicht sehr rigiden Corona-Maßnahmen wurde am Montag in der Zeitung Dagens Nyheter publik. Und das inmitten steigender Fallzahlen.

Geschäfte wieder voll

Die Behörde sieht demnach einen dreigliedrigen Stufenplan vor, wobei sich Schweden derzeit in der höchsten Stufe befindet. Dennoch will Planungschefin Sara Byfos bald die Begrenzungen von Personen etwa in Geschäften lockern. Derzeit ist nur eine Person pro zehn Quadratmeter erlaubt. Ob Restaurants, die derzeit bis 20.30 Uhr offen haben, künftig die Zeit nach hinten ausdehnen können, blieb offen.

Intensivstationen voll

Stufe zwei sei erreicht, so die Wissenschafterin, wenn jedes Spital Covid-19-Erkrankte so behandeln kann, dass die Versorgung anderer Patienten nicht leidet. Dies ist vor allem im Hotspot Stockholm nicht der Fall: Dort ist der Anteil der Patienten mit SARS-CoV-2, die auf der Intensivstation liegen, innerhalb von zwei Wochen um 80 Prozent gestiegen. Auch Krankenhäuser anderer Regionen melden Überbelegungen und steigende Einweisungen. Mit einer 7-Tage-Inzidenz von 353 liegt Schweden im oberen Drittel Europas. In dem Land mit zehn Millionen Einwohnern werden zur Zeit 6.000 bis 7.000 Neuinfektionen pro Tag gemeldet.

Gymnasien sollen öffnen

Auf die steigenden Zahlen hat die rot-grüne Minderheitsregierung seit Dezember 2020 mit Einschränkungen reagiert. Doch jetzt will sie wieder lockern. So sollen nach Ostern die Gymnasien landesweit Präsenzunterricht anbieten – wogegen sich der schwedische Lehrerverband gerade wehrt. Die letzte Entscheidung liegt jedoch hier bei der Schulleitung.

Vertrauensverlust

Die Gesellschaft in Schweden ist gespalten. Das Gesundheitsamt, mit dem weltweit bekannten Staatsepidemiologen Anders Tegnell, dem Hauptstrategen der soften Restriktionen hat klar an Vertrauen eingebüßt: Standen Ende Oktober des Vorjahres noch 71 Prozent hinter den Entscheidungen der Behörde, waren es Ende Dezember nur noch 47 Prozent – denn Tegnell hatte eine zweite Welle ausgeschlossen, mittlerweile ist wegen der dominierenden Mutante aus Großbritannien von der dritten Welle die Rede. Einige der führenden Köpfe des Gesundheitsamtes brauchen Polizeischutz, aber auch Wissenschafter, die einen Lockdown fordern, klagen über Drohungen.

Impfungen gefragt

Hätten nicht viele der mittlerweile 13.402 Todesopfer verhindert werden können? Diese Frage treibt Schweden weiterhin um. Vor allem, da die skandinavischen Nachbarn, die im Frühjahr vorigen Jahres einen Lockdown umsetzten, hier glimpflicher davon kamen. Norwegen etwa hat mit 5,4 Millionen Einwohnern bloß 656 Covid-19-Tote zu beklagen.

Geschlossener erscheint das Land, in dem der Impfstoff von Astra Zeneca entwickelt wurde, in der Frage der Impfung: 94 Prozent der Schweden wollen impfen lassen. Bisher bekamen zwölf Prozent der Bürger mindestens eine Immunisierung.

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