"Mädchen sind keine Mütter", heißt es auf dem Protest-Plakat

© REUTERS/MANUEL CLAURE

Politik Ausland
11/09/2021

Schwangerschaft eines vergewaltigten Mädchens spaltet Bolivien

Weil die Elfjährige den Nachwuchs austragen soll, ist ein heftiger Streit um die Abtreibung entstanden. Die Fronten: Kirche gegen Frauenrechtlerinnen.

von Tobias Käufer

„Erzwungene Schwangerschaft ist Folter“, sagen die einen, „Abtreibung ist Mord“, die anderen. Ein elfjähriges Mädchen in Bolivien ist nach einer Vergewaltigung durch ein Familienmitglied schwanger. Nun tobt ein erbitterter Streit um einen Schwangerschaftsabbruch.

Während drinnen der Erzbischof von Santa Cruz predigt, fliegen draußen die Farbbeutel vor die Fassaden der Kathedrale.
Nach wenigen Minuten ist die Mauer und das Eingangsportal der Kirche blutrot gefärbt, eine Handvoll Aktivistinnen ruft zum Protest gegen die Kirche auf: „Mädchen sind keine Mütter.“ Die Szene vor wenigen Tagen in Bolivien zeigt, wie aufgeladen die gesellschaftliche Atmosphäre in dem südamerikanischen Land ist. Es geht um ein Thema, das die Emotionen der Menschen aufwühlt.

Übte die Kirche Druck aus?

Das  Mädchen wurde Opfer einer Vergewaltigung, mutmaßlich des Stiefvaters wie lokale Medien berichten. Daraufhin wurde das Kind schwanger. Die Familie entscheidet sich nach einer Bedenkzeit, dass das Kind das Kind ausgetragen soll.

Weil das Mädchen inzwischen in einer katholischen Einrichtung untergebracht ist, vermuten Kirchenkritiker, die Kirche habe Druck auf die Familie ausgeübt. Auch von einem Angebot einer Arbeitsstelle für die Mutter des Mädchens seitens der Kirche ist die Rede, damit die Familie ohne wirtschaftlichen Druck entscheiden könne. Unklar ist, ob sich das Kind zunächst tatsächlich für eine Abtreibung entschieden habe, danach aber seine Meinung geändert habe, wie es in einigen Medien berichtet wird.

Eine Abtreibung ist in Bolivien im Falle einer Vergewaltigung auch nach 13 Wochen Schwangerschaft legal, das schwangere Mädchen soll sich den Berichten zu Folge im fünften Monat befinden. Anders als in Europa gibt es aber in Lateinamerika nicht so eine klare eindeutige gesellschaftliche Zustimmung für Schwangerschaftsabbrüche

Recht oder Unrecht

Allerdings konnten Frauenrechtsorganisation zuletzt einige Erfolge in richtungsweisenden Ländern wie Argentinien erzielen, wo Abtreibungen legalisiert wurden.

 Nun ist der Fall in Bolivien zu einem Politikum geworden. Innenminister Carlos Eduardo del Castillo schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter: „Wenn ein elfjähriges Mädchen gezwungen wird, ein Kind auszutragen, das das Ergebnis einer Vergewaltigung ist, werden alle seine Rechte verletzt.“

Die Kirche erklärte, man könne mit einem neuen Verbrechen ein zuvor erlittenes Verbrechen nicht lösen. Für Papst Franziskus ist eine Abtreibung Mord an ungeborenem Leben.

Die Interamerikanische Menschenrechtskommission (CIDH) rief die bolivianische Regierung dazu auf, dafür Sorge zu tragen, dass Frauen und Mädchen nicht länger Opfer sexueller Gewalt werden. Und dazu, die Reproduktionsrechte des Mädchens  zu garantieren – das heißt, das Recht auf Schwangerschaftsabbruch zu garantieren.

Auch die Vereinten Nationen meldeten sich inzwischen zu Wort: „Eine erzwungene Schwangerschaft eines Mädchens gilt als Folter“, hieß es in einer Mitteilung der UN. Die Vereinten Nationen stellten klar, dass der Schutz der Rechte von Mädchen, die Opfer von sexueller Gewalt geworden sind, respektiert werden müssten.

Viele Teenager-MütterBolivien weist eine der höchsten Raten von Teenager-Schwangerschaften auf. Zudem gibt es in dem Land immer wieder Fälle von brutaler Gewalt gegen Frauen und Mädchen.

Die Kirche hat inzwischen ihrerseits rechtliche Schritte angekündigt. Sie erklärt, die mediale Berichterstattung sei falsch, sie habe keinerlei Druck auf das Mädchen und deren Familie ausgeübt. Stattdessen sei sie nun Opfer einer Hasskampagne, die ihren Ausdruck in Vandalismus finde.

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