Scholz und Nehammer sind die bestbezahlten EU-Regierungschefs

Scholz und Nehammer sind die bestbezahlten EU-Regierungschefs
Ein ungarisches Investigativmedium veröffentlichte ein Ranking der bestbezahlten Regierungschefs. Geht es nur nach dem Lohnzettel, bezieht Kanzler Scholz das höchste Gehalt, gefolgt von Kanzler Nehammer.

348.300 Euro brutto oder rund 29.000 Euro im Monat – so viel verdient der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) laut einer aktuellen Erhebung im Jahr. Damit ist Scholz zwar noch lange nicht Bestverdiener in Deutschland (allein der Chef der Deutschen Bahn verdiente im Jahr 2022 über 2,2 Millionen Euro), doch zumindest der bestbezahlte Regierungschef der Europäischen Union.

Der bekannte ungarische Investigativjournalist Szabolcs Panyi hat auf seiner Plattform VSquare eine Auflistung der Gehälter aller EU-Regierungschefs veröffentlicht; die Daten stammen unter anderem von Wikipedia, Eurostat und dem Recherchenetzwerk Átlátszó. 

Nehammer auf Platz zwei

Der Auflistung zufolge folgt auf den deutschen Kanzler mit nur wenig Abstand der österreichische Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) – mit einem Bruttojahreseinkommen von 306.446 Euro, dividiert durch 12 sind das rund 25.500 Euro im Monat. Die Zahlen stimmen nicht ganz genau mit den Angaben der Regierung überein: Der Bundeskanzler bezieht laut Bezügegesetz 2024 ein Bruttomonatsgehalt von 23.840 Euro. Bis Donnerstagnachmittag stand eine Stellungahme des Bundeskanzleramtes zu dem Ranking aus.

Auf Scholz und Nehammer folgen der luxemburgische Premierminister Luc Frieden (256.800 Euro brutto im Jahr), der Regierungschef Irlands Simon Harris (239.089 Euro) und der belgische Premierminister Alexander De Croo (236.900 Euro).  Am niedrigsten ist demnach das Gehalt des bulgarischen Ministerpräsidenten, der 67.452 Euro brutto pro Jahr verdient.

Aus der Auflistung geht jedoch nicht hervor, welche zusätzlichen Bezüge und Annehmlichkeiten ein Regierungschef hat. Der französische Präsident etwa wohnt im Élysée-Palast, der deutsche Kanzler hat eine Dienstwohnung und erhält einen Teil seines Gehalts bis ans Lebensende. In Österreich wurde die Politikerpension 1997 abgeschafft und ist ein Auslaufmodell. Nur mehr eine Handvoll Politiker sind noch anspruchsberechtigt. Österreichische Regierungsmitglieder können bis zu sechs Monate nach Ausscheiden aus dem Amt eine Nachzahlung ihres Gehalts beantragen, wenn sie nachweislich noch keiner anderen beruflichen Tätigkeit nachgehen.

Fast spannender als die Reihung in absoluten Zahlen ist jedoch die Aufschlüsselung der Politikereinkommen im Vergleich zum durchschnittlichen Einkommen im Land. Da gehören die Stockerlplätze anderen Politikern.

Orbán ist Bestverdiener im Vergleich zu Bevölkerung

Der im Vergleich zur seiner Durchschnittsbevölkerung bestbezahlte EU-Regierungschef ist demnach Viktor Orbán. Sein Monatsgehalt soll in diesem Jahr auf 16.000 Euro brutto (6,3 Millionen Forint) gestiegen sein, was dem 9,5-Fachen des durchschnittlichen ungarischen Gehalts entspricht. Auf den ungarischen Ministerpräsidenten folgen der Slowake Robert Fico (132.000 Euro; das 7,6-Fache) und der Tscheche Petr Fiala (130.012 Euro; das 6,1-Fache), sie belegen in diesem Vergleich die Plätze zwei und drei.

Fico stand erst unlängst wegen seines Einkommens unter Kritik: In der Slowakei trat 15. Juli ein Gesetz in Kraft, das Regierungschefs und Präsidenten, die länger als zwei volle Wahlperioden im Amt waren, ein lebenslanges Gehalt zuspricht. Fico ist derzeit der einzige slowakische Politiker, auf den dies zutrifft.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán und der slowakische Ministerpräsident Robert Fico.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán und der slowakische Ministerpräsident Robert Fico.

Geringste Unterschiede in Malta und Kroatien

Den geringsten Unterschied zwischen dem Einkommen eines Durchschnittsbürgers und dem des Regierungschefs gibt es auf Malta, wo der Ministerpräsident nur das 2,3-fache des durchschnittlichen Bruttogehalts verdient. Der Regierungschef Kroatiens verdient das 2,5-fache des Durchschnittsgehalts. Auch in Dänemark und in Slowenien ist der Betrag deutlich proportionaler: Er beträgt das 2,7-fache der Durchschnittsgehälter. Slowenien gehört auch laut wirtschaftlichen Ungleichverteilungsmaßen wie dem Gini-Koeffizienten zu jenen Ländern der Welt, in denen Einkommen besonders gleich verteilt wird.

Von allen Ländern auf der Welt das mit Abstand höchste Gehalt soll laut VSquare der Premierminister von Singapur beziehen, der fast 1,5 Millionen Euro pro Jahr verdient. Es folgen Hongkong und die Schweiz. Das Gehalt des US-Präsidenten beträgt 400.000 Dollar pro Jahr, der 2001 vom Kongress festgelegt wurde. Deutschland liegt weltweit auf Platz sechs.

Kommentare