Politik | Ausland
19.11.2017

Saudi-Arabien: "Spuck' das Geld aus und du bist frei"

Den vor Kurzem auf Geheiß von Kronprinz Mohammed bin Salman inhaftierten Milliardären in Saudi-Arabien wird nun ein Geschäft zur Wiedererlangung ihrer Freiheit angeboten.

In Saudi-Arabien sollen die wegen Korruption inhaftierten Adeligen und Geschäftsleute sich nun "freikaufen" können. Das berichtet die Financial Times unter Berufung auf in die Verhandlungen involvierte Personen.

Unter Kronprinz Mohammed bin Salman wurden etliche saudische Mulitmilliardäre unter dem Vorwurf, Gelder unrechtmäßig erwirtschaftet zu haben, im Hotel Ritz-Carlton festgesetzt. Nun laufen Gespräche darüber, zu welchem Preis sie sich von ihrer Gefangenschaft freikaufen können. In einigen Fällen könnte die geforderte Summe bis zu 70 Prozent des Vermögens ausmachen.

Offenbar sind auch viele der Beschuldigten durchaus willig, eine entsprechende Summe zu zahlen. "Es werden Abkommen mit den meisten im Ritz-Carlton Festgehaltenen abgeschlossen", heißt es aus Insiderkreisen. "Spuck' das Geld aus und du kannst nach Hause gehen" lautet offensichtlich die Devise der saudischen Behörden.

Laut General-Staatsanwalt geht es um 100 Milliarden Dollar, die durch Korruption unterschlagen worden sein sollen, einige Experten gehen aber eher von an die 300 Milliarden Dollar aus.

Was die Adeligen unter den Inhaftierten betrifft, so verlangt Kronprinz Mohammed nicht nur Geld, sondern auch hundertprozentige Loyalität mit seiner Person. Von saudischer Seite wollte dies aber niemand bestätigen.

Die Verhaftungen haben die Betroffenen offenbar völlig unvorbereitet getroffen. Einer traf sich noch kurz vor seiner Verhaftung mit den Abgesandten von Prinz Mohammed in Jeddah und hatte das Gefühl, ein "gutes und postives Gespräch" gehabt zu haben und dass eine Weiterführung seiner Aktivitäten erwünscht sei. Auch ein Neffe des Kronprinzen, Prinz Alwaleed, ist unter den Inhaftierten. Vorwurf: Bestechung und Erpressung.

In der Bevölkerung finden die Maßnahmen des Kronprinzen wohl Zustimmung. Viele sehen nicht ein, warum sie für den Abschwung "zahlen" sollen - die Reichen sollen ebenfalls ihren Beitrag leisten, heißt es.