Politik | Ausland
27.08.2018

Russland sieht Vorbereitung von US-Angriff auf Syrien

Verlegungen in Mittelmeer machen Moskau unruhig. Unklarheit herrscht über den Syrien-Gipfel am 7. September.

Die USA verstärken nach russischer Darstellung ihre Präsenz im Mittelmeer, was auf Vorbereitungen für einen Angriff auf syrische Regierungstruppen hindeuten könnte. Russische Nachrichtenagenturen zitierten am Montag Generalmajor Igor Konaschenkow vom Verteidigungsministerium mit der Aussage, der US-Lenkwaffenzerstörer "Ross" sei am 25. August ins Mittelmeer eingelaufen.Das Kriegsschiff habe 28 Tomahawk-Marschflugkörper an Bord, die jedes Ziel in Syrien treffen könnten.

Der syrische Präsident Bashar al-Assad hat nach über sieben Jahren Bürgerkrieg mit russischer und iranischer Unterstützung fast das gesamte Staatsgebiet wieder unter seine Kontrolle gebracht. Derzeit bereitet er nach Einschätzung von Kriegsbeobachtern eine Offensive gegen das letzte größere Rebellengebiet Idlib vor. In die Provinz im Nordwesten des Landes waren Hunderttausende Rebellen und Extremisten nach ihrer militärischen Niederlage aus anderen Rebellengebieten Syriens gebracht worden.

Mitte April hatten die USA gemeinsam mit Großbritannien und Frankreich mit 105 Raketen und Marschflugkörpern mutmaßliche Chemiewaffen-Einrichtungen in Syrien angegriffen.

Unklarheit über Syrien-Konferenz, Verschiebung von Afghanistan-Konferenz

Unterdessen ist unklar, wer am 7. September an einem Syrien-Gipfel teilnimmt. Zunächst war ein Vierer-Treffen der Türkei, Deutschland, Frankreich und Russland im Gespräch, nun berichteten Medien von einem Syrien-Gipfel mit der Türkei, Russland und dem Iran.

Eine für Anfang September geplante Afghanistan-Konferenz in der russischen Hauptstadt Moskau ist verschoben worden. Laut einer Mitteilung des afghanischen Präsidentenpalastes einigten sich Präsident Ashraf Ghani und der russische Außenminister Sergej Lawrow in einem Telefongespräch am Montag darauf, die Konferenz zu verschieben. So hätten die beiden Länder genügend Zeit für eine gemeinsame Vorbereitung der Gespräche. Ghani habe in dem Telefongespräch zudem betont, dass der Friedensprozess unter Führung der afghanischen Regierung stattfinden müsse, hieß es in der Erklärung. Ein neuer Termin solle gemeinsam erarbeitet werden.

Moskau hatte für den 4. September zwölf Länder und die Führung des politischen Büros der Taliban in Katar zu einer Afghanistan-Konferenz geladen. Taliban-Vertreter bestätigten ihre Teilnahme. Die afghanische Regierung sagte ihre Teilnahme vergangene Woche ab, auch die USA wollten den Gesprächen fernbleiben.

Merkel und Trump telefonierten: Sorge über Syrien

Deutschland und die USA sind besorgt über eine mögliche Zuspitzung der Lage in Syrien. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und US-Präsident Donald Trump sprachen am Montagnachmittag in einem Telefonat über die Situation in Syrien. Beide teilten die Sorge um die Entwicklungen in dem Land, insbesondere um die humanitäre Lage in der Region Idlib, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit.Russland werde aufgerufen, mäßigend auf das syrische Regime einzuwirken und eine weitere Eskalation zu verhindern.

Moskau gilt als militärische Schutzmacht des syrischen Staatschefs Bashar al-Assad. Die Region Idlib ist eine der letzten, die unter Kontrolle von Aufständischen stehen. Die Türkei fürchtet eine für die nahe Zukunft geplante Offensive der syrischen Regierung auf die Rebellenhochburg nahe der türkischen Grenze - unter anderem wegen zu erwartender ziviler Opfer und neuer Flüchtlingsströme Richtung Türkei. Merkel und Trump sprachen nach Angaben von Seibert auch über Handelsfragen, die Lage in der Ukraine und auf dem Balkan.