Russland-Experte Karner: "Europa ohne Russland ist nicht denkbar"

Russland-Experte Karner: "Europa ohne Russland ist nicht denkbar"
Der Russland-Experte Stefan Karner über die Zeit nach dem Ende des Krieges in der Ukraine – und die Pläne, die Europa längst dafür vorbereiten sollte.

Totenzahlen, die inzwischen in die Hunderttausende gehen, flächendeckende Zerstörung, Milliarden an wirtschaftlichen Schäden: Der Krieg in der Ukraine dauert bereits fast ein Jahr. Die Schäden mögen noch kalkulierbar sein – der Ausgang und die Folgen dieses Krieges sind es nicht. Doch genau das ist für den österreichischen Historiker und Kenner Russlands und der Ukraine, Stefan Karner, ein Grund, um schon jetzt einen Blick auf die Zeit nach dem Krieg zu werfen.

Gerade Europa, so Karner, könne es sich nicht leisten, weiterhin nur Zuschauer zu sein. Karner kennt das Land, aber auch Putin persönlich. Im Gespräch mit dem KURIER überlegt der Gründer und langjährige Leiter des Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgenforschung langfristige Perspektiven für Russland und die Ukraine – und was das schon heute für uns bedeutet.

KURIER: Was lässt sich heute, mitten im Krieg, schon über die Zeit danach sagen?

Stefan Karner: Prognosen über den tatsächlichen Ausgang sind schwierig, klar aber ist eines: Nach diesem Krieg wird in der Ukraine, aber vor allem in Russland nichts mehr so sein wie vorher. Die Region wird ganz anders aussehen. Die Vorstellung, dass das alles irgendwann vorüber ist und dann macht man einfach weiter, sollte man so rasch wie möglich lassen.

Ich halte es da mit einem zentralen Gedanken aus Boris Pasternaks Roman "Doktor Schiwago": Das Unrecht, das wir jetzt in die Welt setzen, werden unsere Kinder und unsere Enkelkinder nicht tilgen. Wir reden also von vielen Jahren, wenn nicht Jahrzehnten der Unsicherheit und Instabilität in diesem Raum. Wir brauchen also jetzt eine Diskussion über das Danach.

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