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© APA/AFP/ANDREY BORODULIN / ANDREY BORODULIN

Lagebericht
08/05/2022

Sorge um Sicherheit des ukrainischen AKW Saporischschja

Russische und pro-russische Truppen sollen indes das Dorf Pisky eingenommen haben.

Nach EinschĂ€tzung britischer Geheimdienste gefĂ€hrden Aktionen der russischen StreitkrĂ€fte mit hoher Wahrscheinlichkeit die Sicherheit des ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja. Moskaus Absichten im Hinblick auf das grĂ¶ĂŸte Atomkraftwerk in Europa seien fĂŒnf Monate nach Beginn des Krieges noch immer unklar, hieß es am Freitag in einem Update des britischen Verteidigungsministeriums.

Die Russen setzten wohl Artillerieeinheiten in den an das Kraftwerk angrenzenden Gebieten ein, um ukrainische Regionen westlich des Dnipro-Flusses anzugreifen. Womöglich nutzten sie dabei den Hochsicherheitsstatus des KraftwerkgelĂ€ndes aus, um sich und ihre AusrĂŒstung vor nĂ€chtlichen ukrainischen Gegenangriffen zu schĂŒtzen, hieß es.

Mit sechs Blöcken und einer Leistung von 6.000 Megawatt ist das Werk in der Stadt Enerhodar in der Oblast Saporischschja das grĂ¶ĂŸte Atomkraftwerk Europas. Russische Truppen hatten die Anlage Anfang MĂ€rz besetzt. Danach wurde das Kernkraftwerk von ukrainischem Personal weiterbetrieben, aber von russischen Nuklearspezialisten ĂŒberwacht.

Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA (IEAO) hat die Lage am Kernkraftwerk als Ă€ußerst unbestĂ€ndig und fragil bezeichnet. "Alle Prinzipien nuklearer Sicherheit wurden auf die eine oder andere Art verletzt", sagte Rafael Grossi in dieser Woche in New York. Eine IAEA-Inspektion zur PrĂŒfung der technischen Sicherheit sei dringend erforderlich.

Russische StreitkrĂ€fte eroberten Pisky 

Russische und pro-russische Truppen haben einer russischen Agenturmeldung zufolge am Rande der ostukrainischen Stadt Donezk in der Ostukraine das befestigte Dorf Pisky eingenommen. Auch in der Industriestadt Bachmut im Norden von Donezk seien KÀmpfe ausgebrochen, meldet die russische Nachrichtenagentur TASS. Am Vortag teilte das ukrainische MilitÀr mit, es habe zwei Angriffe der russischen StreitkrÀfte auf Pisky abgewehrt.

Die Stadt Donezk selbst wird bereits seit 2014 von prorussischen Separatisten kontrolliert, das gleichnamige Gebiet hĂ€lt die ukrainische Armee aber weiter in großen Teilen.

Auch die sĂŒdwestlich von Donezk liegenden Ortschaften Marjinka und Krasnohoriwka gerieten ukrainischen Angaben zufolge zuletzt unter intensiven Beschuss. Zudem wurde das Zentrum der Stadt Awdijiwka beschossen. Die Anstrengungen dienen offenbar dazu, Donezk zu entlasten. Die Industriestadt war zuletzt mehrfach von der ukrainischen Artillerie beschossen worden.

Auch die sĂŒdwestlich von Donezk liegenden Ortschaften Marjinka und Krasnohoriwka gerieten ukrainischen Angaben zufolge zuletzt unter intensiven Beschuss. Zudem wurde das Zentrum der Stadt Awdijiwka beschossen. Die Anstrengungen dienen offenbar dazu, Donezk zu entlasten. Die Industriestadt war zuletzt mehrfach von der ukrainischen Artillerie beschossen worden.

Russische Truppen versuchen zudem weiter, den Verteidigungsring um den Ballungsraum Slowjansk - Kramatorsk im Gebiet Donezk zu sprengen. SĂŒdöstlich des Verkehrsknotenpunkts Bachmut halten nach Angaben des Generalstabs die Gefechte an.

Untersuchung angekĂŒndigt

Knapp eine Woche nach dem verheerenden Angriff auf ein Kriegsgefangenenlager in der Ostukraine kĂŒndigte unterdessen UNO-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres eine Untersuchung an. Die Vereinten Nationen hĂ€tten sowohl von Russland als auch von der Ukraine ein entsprechendes Gesuch erhalten, sagte Guterres am Mittwoch in New York. Er sei "nicht dazu befugt, strafrechtliche Ermittlungen aufzunehmen", könne jedoch eine Untersuchungsmission einleiten. Die Vorbereitungen dazu liefen.

Amnesty: Ukraine bringt Zivilisten in Gefahr

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wirft der ukrainischen Armee vor, mit ihrer KriegsfĂŒhrung teils Zivilisten in Gefahr zu bringen. Sie errichte etwa StĂŒtzpunkte in Wohngebieten - darunter auch in Schulen und KrankenhĂ€usern - oder bediene dort Waffensysteme, hieß es. Das Kriegsrecht aber verlange, militĂ€rische Objekte so weit wie möglich entfernt von zivilen Einrichtungen zu platzieren. Amnesty kritisierte Moskau jedoch auch fĂŒr "die vielen wahllosen SchlĂ€ge des russischen MilitĂ€rs mit zivilen Opfern". Kiew zeigte sich empört und wies die VorwĂŒrfe zurĂŒck.

PrĂ€sident Wolodymyr Selenskij warf Amnesty vor, die Menschenrechtsorganisation verlagere die Verantwortlichkeit vom Aggressor auf das Opfer. Wer einen solchen Zusammenhang herstelle, "muss sich eingestehen, dass er damit Terroristen hilft", sagte Selenskij in einer Videoansprache am Donnerstagabend. "Jeder Versuch, das Recht der Ukrainer in Frage zu stellen, sich dem Völkermord zu widersetzen, ihre Familien und HĂ€user zu schĂŒtzen", sei eine "Perversion", schrieb der ukrainische Verteidigungsminister Olekxij Resnikow auf Facebook.

Gesundheitsnotstand verschÀrft sich

GeneralsekretĂ€r Jens Stoltenberg wirft Russland mit dem Krieg in der Ukraine einen "Angriff auf die aktuelle Weltordnung" vor. "Es ist in unserem Interesse, dass diese Art von aggressiver Politik keinen Erfolg hat", sagt Stoltenberg in einer Rede in seinem Heimatland Norwegen. Russland dĂŒrfe den Krieg in der Ukraine nicht gewinnen. Es handle sich um die gefĂ€hrlichste Situation in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Stoltenberg bekrĂ€ftigt die Verteidigungsentschlossenheit der NATO. Wenn der russische PrĂ€sident Wladimir Putin in Ă€hnlicher Weise gegen ein NATO-Land vorgehe, werde das gesamte BĂŒndnis reagieren.

In der Ukraine verschĂ€rft sich zudem nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) der Gesundheitsnotstand. In diesem Jahr habe es eigenen Daten zufolge 434 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen in dem Land gegeben. Das sei weit mehr als die HĂ€lfte der weltweit gemeldeten 615 Angriffe, teilt die WHO mit. Überlastetes Personal, verstĂ€rkter Beschuss von Gesundheitseinrichtungen und der nahende Winter schĂŒrten die Sorgen vor einer weiteren Verschlechterung der Lage. Die Menschen in den Gebieten, die wegen anhaltender KĂ€mpfe nicht erreicht werden können, seien am stĂ€rksten gefĂ€hrdet. Dazu gehörten die östliche Donbass-Region und Cherson im SĂŒden des Landes.

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