Politik | Ausland
17.07.2018

Reaktionen aus Russland: "Trump braucht neue Mitarbeiter"

Selbst US-Republikaner sehen ihren Präsidenten von Putin übervorteilt. In Russland ist das Echo auf das Treffen ganz anders.

In den USA herrscht Verwunderung bis Fassungslosigkeit über Donald Trumps Auftreten gegenüber Wladimir Putin in Helsinki. „Ich würde annehmen, Putin isst jetzt gerade Kaviar“, spottete etwa der Republikaner Bob Corker über die weiche Haltung des US-Präsidenten beim Gipfel in Finnland.

Wie aber sind die Reaktionen auf das Spitzentreffen in Russland?

Nun, die russische Machtelite bewertete die Ergebnisse äußerst positiv. Das Treffen sei "besser als super" verlaufen, schwärmte Außenminister Sergej Lawrow laut der Agentur Tass noch am Montag. Dieselbe Formulierung hatte er bereits 2015 bei Ukraine-Verhandlungen in Minsk verwendet.

Der russische Außenpolitiker Konstantin Kossatschow und die Vorsitzende des Föderationsrates, Valentina Matwijenko, werteten das Treffen als guten Anfang für mehr weltpolitische Stabilität. Kossatschow sagte, das Ergebnis sei das bestmögliche gewesen und „ein guter Anfang, um die regelmäßige Interaktion wieder herzustellen". Auch Putin selbst ließ naturgemäß mitteilen, er sei mit dem Gipfel zufrieden .

„Echte Ergebnisse gibt es nicht, aber Russland bekommt die PR-Dividenden“, schrieb die unabhängige russische Nachrichtenseite Republic. Putin könne zufrieden sein, er habe auch bei der Pressekonferenz nach dem Vier-Augen-Gespräch eine bessere Figur abgegeben.

Russischer Experte: US-Kritik zu hart

Der russische Nordamerika-Experte Waleri Garbusow nannte die scharfe Kritik von US-Politikern an Trump ungerechtfertigt. „In der US-Elite ist der Eindruck entstanden, dass Putin Trump in der Tasche hat. Das ist schlecht.“ Es werde offenbar jeder Schritt, den Trump auf Putin zugeht, als Beweis für eine zu enge Verbindung zu Russland ausgelegt. „Dies schadet dem Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten, und es verhindert, normale Beziehungen zwischen Russland und den USA aufzubauen“, sagte er.

Dieser Gipfel sei kein „Schlachtfeld“ gewesen, sagte Garbusow. „Es war ein Forum, um Probleme der Zukunft zu besprechen.“ Zudem glaube er nicht, dass Putin die heftige Reaktion der US-Politik provozieren und Trump kompromittieren wollte.

Der regierungsnahe russische Politologe Iwan Timofejew sagte, die symbolische Bedeutung des Gipfels sei groß. "Aber wir sollten uns keine Illusionen machen." Trump seien die Hände gebunden, weil er nicht die ganze US-Elite hinter sich habe.

Einschätzungen russischer Zeitungen

Nesawissimaja Gaseta: „Die USA versuchen, Russland auf ihre Seite zu ziehen - vor allem bei den internationalen Konfrontationen mit anderen Mächten wie mit dem Iran und China. Auch das lässt sich zwischen den Zeilen der Verhandlungen zwischen Trump und Putin in Helsinki lesen. Schon während der Begrüßung haben beide sofort alle wichtigen Punkte des historischen Gipfels abgeklopft. Alles kam wie erwartet. Doch gleichzeitig hat sich der Chef des Weißen Hauses das Thema China auf die Fahne geschrieben. Und nun kann man sich ausmalen, dass er sich wünscht, Putin in diesen Handelskrieg hineinzuziehen.“

Iswestija: „'Der Weg ist das Ziel' - so sagt man. Aber das drückt nur den sorgfältigen Optimismus nach dem Treffen in Helsinki aus. Tatsächlich hat niemand einen entscheidenden Durchbruch erwartet. Selbst die positiv gestimmten Beobachter werten den Gipfel als Erfolg, bloß weil er stattgefunden hat. (...) Putin und Trump bestätigten ihre gegenseitige Sympathie zueinander. Doch warum verspüren wir dann nicht mehr als nur vorsichtigen Optimismus? Tatsache ist auch: Trump hat nur wenige Menschen um sich, die seine Ansichten teilen. Gleichzeitig hat er auch viele Feinde. Wenn er also wirklich mit seiner Annäherung an Russland erfolgreich sein will, braucht er neue Mitarbeiter. Die wird er aber sicher in den Reihen seiner Heerschar an Unterstützern finden.“