© APA/AFP/STEFANO RELLANDINI

Politik Ausland
11/28/2020

Prügel-Attacke in Paris: Video überführt Polizisten

Frankreich unter Schock, Beamte zu filmen wird verboten.

Seine Lippen sind aufgeplatzt, das Gesicht ist blutüberströmt, der Schädel weist Verletzungen auf. Entsetzt blickt die französische Öffentlichkeit auf Fotos von Michel Zecler, die im Internet zirkulieren – und erfährt noch entsetzter, dass es drei Polizisten waren, die ihn in seinem eigenen Musikstudio in Paris so zugerichtet haben. Sie wussten nicht, dass dort eine Videokamera installiert war, die die gewalttätige Szene filmte. Die Beamten hatten ausgesagt, Zecler habe sie angegriffen und versucht, ihre Waffen zu entwenden. Davon ist aber auf den Aufnahmen nichts zu sehen.

Der Musikproduzent war den Polizisten auf der Straße begegnet und schnell ins Haus gelaufen, da er keine Gesichtsmaske trug und einer Geldstrafe entgehen wollte. Sie folgten ihm und beschimpften ihn nach seiner Darstellung als „dreckiger Neger“. Seit das Online-Magazin Loopsider die Bilder und Zeclers Aussage veröffentlicht hat, ist die Empörung groß. Inzwischen fordern sogar Prominente wie die Fußballspieler Antoine Griezmann oder Kylian Mbappé einen „Stopp des Rassismus“.

Um die aufgeregte Stimmung zu beruhigen, trat Innenminister Gérald Darmanin am Donnerstag im TV auf und verurteilte die Taten der Polizisten: Eine Untersuchung sei eingeleitet worden, und die drei Männer würden vom Dienst suspendiert, denn sie hätten die „Uniformen der Republik beschmutzt“. Und Präsident Emmanuel Macron zeigte sich am Freitag „sehr schockiert“. Darmanin warnte aber auch vor einer Generalverurteilung aller Polizisten und sprach dem scharf agierenden Pariser Polizeipräfekten Didier Lallement sein Vertrauen aus.

Brutaler Polizeieinsatz

Dabei war dieser erst am Montag wegen eines brutalen Einsatzes der Polizei auf dem Platz der Republik in Paris unter Beschuss gekommen. Aktivisten hatten dort hunderte Zelte für Flüchtlinge aufgestellt, um dagegen zu protestieren, dass ein Flüchtlingslager am Rande der Stadt aufgelöst worden war, ohne dass es für alle Betroffene Unterkünfte gab. Die Einsatzkräfte gingen bei der Räumung teils brutal auf Flüchtlinge, Journalisten und Aktivisten los. Etliche Videoaufnahmen bezeugen dies.

Derweil nahm die Nationalversammlung just am Dienstag dieser Woche ein neues Sicherheitsgesetz an, das das Filmen von Polizisten im Einsatz und die Verbreitung der Videos im Internet verbietet.

Simone Weiler, Paris

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