Zweierlei US-Amerikaner: Leo XIV. und Donald Trump

Der US-Präsident und der Papst vertreten diametral entgegengesetzte Positionen in Fragen der internationalen Politik. Begegnet sind sie einander bisher noch nicht.
Pope Leo XIV leads the Chrism Mass in St. Peter's Basilica at the Vatican

Leo XIV. ist bekanntlich der erste US-Amerikaner auf dem Stuhl Petri. Bis dahin galt es als ausgemacht, dass das mächtigste Land der Welt nicht auch noch das Oberhaupt der weltgrößten Glaubensgemeinschaft stellen solle. Nun aber ist es anders gekommen – und dies noch dazu in der Amtszeit eines Präsidenten, der wie keiner zuvor (nicht einmal sein Vorvorgänger desselben Namens) die internationalen Schlagzeilen dominiert, die Welt in Atem hält und selbst bei seinen eigenen Anhängern immer wieder für Irritationen sorgt.

In diesen Tagen blickt die globale Öffentlichkeit mit besonderer Aufmerksamkeit nach Rom – mehr noch als sonst zu Ostern, ist es doch das erste Mal, dass der neue Pontifex die sich vom Palm- bis zum Ostersonntag spannenden Feierlichkeiten leitet. Dabei ließ es Leo XIV. schon bisher nicht an durchaus politisch brisanten Aussagen, gerade auch mit Blick auf die US-Administration unter Donald Trump, fehlen.

Politischer Kreuzweg

Gestern Abend, beim Kreuzweg am Kolosseum, hieß es etwa bei der ersten Station, auch heute gebe es Menschen „die glauben, absolute Macht zu haben, und meinen, diese nach Belieben gebrauchen und missbrauchen zu können“. Die Meditationstexte stammen zwar nicht vom Papst persönlich, sondern vom Franziskanerpater Francesco Patton, dem früheren „Hüter der heiligen Stätten“ in Jerusalem – aber man darf annehmen, dass sie im Sinne Leos formuliert wurden.

Wie hier, so werden auch sonst in Äußerungen von Papst und hochrangigen kirchlichen Würdenträgern keine konkreten Personen genannt. Bisweilen wird Leo XIV. aber noch deutlicher. „Mir wurde berichtet, Präsident Trump wolle den Krieg beenden“, sagte er am Dienstagabend in Castel Gandolfo, der päpstlichen Residenz außerhalb Roms, wo sich Leo meist einen Tag unter der Woche zur Regeneration aufhält. „Hoffentlich sucht er nach einem Weg, die Gewalt und die Bombardierungen zu verringern, was wesentlich dazu beitragen würde, den Hass zu beseitigen, der im Nahen Osten und anderswo geschürt wird und stetig zunimmt.“ Um dann an „alle Staats- und Regierungschefs der Welt“ zu appellieren, „den Krieg endlich enden“ zu lassen.

Bereits bei seinem eintägigen Besuch in Monaco und am darauffolgenden Palmsonntag ließ Papst Leo mit politischen Aussagen aufhorchen. So sprach er im Fürstentum davon, dass „die Zurschaustellung von Macht und die Logik des Machtmissbrauchs der Welt Schaden zufügen und den Frieden gefährden“. Um dann zum Auftakt der Karwoche auf dem Petersplatz in Rom das christliche Gottesbild zu konturieren: „ein Gott, der den Krieg ablehnt, den niemand dazu benutzen kann, um Krieg zu rechtfertigen“. Gott höre nicht auf die Gebete derer, die Krieg führen. „Legt die Waffen nieder, denkt daran, dass ihr Brüder und Schwestern seid!“, so der Friedensappell des Papstes in seiner Predigt.

Auf die Kritik vom Palmsonntag reagierte auch das Weiße Haus: „Ich denke nicht, dass etwas falsch daran ist, wenn unsere militärischen Führungskräfte oder der Präsident das amerikanische Volk dazu aufrufen, für unsere Soldaten und diejenigen zu beten, die im Ausland für unser Land dienen“, so Pressesprecherin Karoline Leavitt. „Tatsächlich halte ich das für eine sehr edle Sache.“

Am Mittwoch fand dann der Osterempfang im Weißen Haus statt, bei dem Trump die Bedeutung der Religion für die USA beschwor. Seine Administration habe die Religion nach Amerika zurückgebracht – Kirchenbesuche und die Verkäufe von Bibeln seien gestiegen, führte er an.

Trump und Jesus

Zur religiösen Überhöhung des Präsidenten gerieten Ansprachen und Gebete der anwesenden Prediger. Dabei wurden Parallelen zwischen Trump und Jesus gezogen: der Verrat, die falschen Beschuldigungen – und wie Jesus den Tod überwunden habe, werde auch Trump siegreich bleiben. Auch das Überleben eines Attentats bzw. die Verhinderung eines weiteren während des Präsidentschaftswahlkampfs 2024 wurden als Zeichen einer Art übernatürlicher Auserwählung gedeutet.

Zu einer persönlichen Begegnung zwischen Trump und Leo XIV. ist es bis jetzt noch nicht gekommen – der Amtseinführung des neuen Papstes wohnten Vizepräsident James D. Vance und Außenminister Marco Rubio bei. An den Feierlichkeiten der USA am 4. Juli zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung wird Leo nicht teilnehmen – an dem Tag ist eine Reise auf die Insel Lampedusa geplant.

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