Warum der Oman jetzt als Sündenbock herhalten muss
Schiffe in der Straße von Hormus
60 Tage sind vorüber, in denen offiziell Waffenstillstand zwischen USA und Israel mit dem Iran geherrscht hat – von gelegentlichen kleineren Angriffen und Gegenangriffen abgesehen. Seit Montag aber ist diese Waffenruhe vorbei, und US-Präsident Donald Trump machte bisher keine Andeutungen, wie es weiter gehen soll. Stattdessen kamen jede Menge Drohungen, dieses Mal aber nicht gegen das Regime in Teheran, sondern gegen den eigentlich mit den USA befreundeten Oman.
„Wenn Oman uns im Weg steht, werden wir sie in Grund und Boden bomben“, fauchte Trump in einem Interview mit Fox News. US-Streitkräfte könnten den Golfstaat angreifen, drohte der US-Präsident weiter, sollte Oman in die Blockade iranischer Schiffe in der Straße von Hormus eingreifen.
Worum geht es?
Iranische Unterhändler haben in den vergangenen Wochen Gespräche mit Oman über eine vorläufige Vereinbarung zur Regelung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus geführt. Diese Gespräche haben bisher noch keine konkreten Ergebnisse gebracht. Das iranische Militär beschießt weiter Schiffe, die die Meerenge ohne seine Erlaubnis passieren, um die Kontrolle über den weitgehend blockierten Handelsverkehr aufrechtzuerhalten.
Doch in Washington wird man zunehmend ungeduldig. Im Umfeld Trumps wurden Vermutungen laut, dass Oman ein abgekartetes Spiel spiele – nämlich eine Vereinbarung zu treffen, durch die künftig sowohl Iran als auch Oman von Schiffen in der Straße von Hormus Abgaben kassieren würden.
Trumps Wut ist jedenfalls groß – auch, weil nach Ende des Waffenstillstandsabkommens keinerlei weitere Einigung in Sicht ist. Und einer, so äußerten es einige Beamte aus dem Umfeld des Präsidenten hinter vorgehaltener Hand zum Wall Street Journal, „und einer muss schließlich der Sündenbock sein“ – und das sei jetzt Oman.
Schlechte Stimmung
Schon seit einigen Monaten haben sich die Beziehungen zwischen Washington und Maskat verschlechtert. Eindringlich hatte die Führung von Sultan Haitham ibn Tariq die USA davor gewarnt, den Iran anzugreifen. Als Vermittler mit dem Iran haben die USA ihren ursprünglichen Gesprächspartner Oman schon seit Längerem durch Katar und Pakistan ersetzt.
Nur einen speziellen Deal zur Öffnung der Straße von Hormus hätte Oman nun mit Teheran aushandeln sollen. Doch nach anhaltender Erfolglosigkeit hat Maskat erst recht den Unmut Trumps auf sich gezogen. Fazit: Die Straße von Hormus, durch die bis Kriegsbeginn ein Fünftel der weltweiten Öllieferungen transportiert wurden, bleibt weitgehend blockiert. Und der Ölpreis steigt wieder – Dienstagnachmittag lag er bei rund 91 Dollar (Brent).
Nahostexperten befürchten, dass der Oman in doppelt misslicher Lage sei: Maskat werde vom Iran genötigt, einem gemeinsamen Plan für künftige Abgaben in Hormus zuzustimmen. Für US-Außenminister Marco Rubio aber wäre das eine „absolut Rote Linie“.
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