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Iran-Krieg: „Die USA sind mit einem tiefblauen Auge davongekommen“

Warum die USA ihren Blick schon während der Verhandlungen mit dem Iran auf andere Regionen lenken und der Krieg ausgerechnet ihrem größten Gegner in die Hände spielte, erklärt Militäranalyst Walter Feichtinger.
Donald Trump spricht vor einer wehenden US-Flagge unter blauem Himmel.

Es wird geschossen, dann wieder halbherzig verhandelt. Was aussieht, als wäre das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran das Papier nicht wert, das in Richtung Frieden führen soll, sei doch eine „klare Willensäußerung“, meint Militäranalyst und Geostratege Walter Feichtinger: „USA und Iran, beide Seiten wollen den Krieg beenden. Wenn auch noch nicht klar ist, wie diese konkrete Vorstellung von Frieden aussehen soll.“

Gelingt es, in den kommenden knapp zwei Monaten ernsthaft zu verhandeln, sei man immer noch erst bei einem „Gerippe“ eines künftigen Friedens. Und der müsse, meint Feichtinger, eine „Formel beinhalten, die Israels Sicherheit garantiert. Ohne Israel wird es keinen Frieden geben.“

Denn auch wenn die Waffen schweigen, hat Israel bisher keines seiner Kriegsziele im Land seiner Erzfeinde erreicht: Weder das Raketen- noch das Nuklearprogramm und auch nicht die Achse des Widerstands von Irans Verbündeten sind nachhaltig zerstört.

Wie also könnten Zugeständnisse der Führung in Teheran aussehen, die Israel zum Einlenken bringen könnten? Unmöglich sei das nicht, meint Feichtinger zum KURER: „Der Iran könnte die Reichweite seiner Raketen verringern – und seine ‚Achse des Widerstandes’ nur noch politisch, aber nicht mehr militärisch unterstützen.“

Und Irans Atomprogramm? „Sie werden wie bisher behaupten, sie bauen ohnehin keine Atomwaffen.“ Dem Einwand, dass dies ja stets eine Lüge gewesen sei, entgegnet Feichtinger unaufgeregt: „Und sie werden weiter lügen.“

Verbündete verloren

Was bleibt geostrategisch unter dem Strich nach einem Krieg der USA und Israels, der dem Iran unzählige Tote und massive Zerstörung sowie der Welt eine Energiekrise beschert hat? Auf Bezeichnungen wie „Sieger“ oder „Verlierer“ will sich Brigadier Feichtinger nicht einlassen. Sicher aber sei: „Die USA haben strategisch verloren. In der Golfregion haben sie nun nicht mehr das große Sagen.“

Neuer Player Türkei

„Die angegriffenen Golfstaaten sind erschreckt aufgewacht und haben gesehen, dass sie sich auf ihren Verbündeten USA nicht mehr vollends verlassen können“, sagt Feichtinger – und so beginnen sie, sich neu zu orientieren: „Dabei ist die Türkei ein ganz wesentlicher Akteur.“ Und das nicht nur, weil sich die Türkei zu einem „unverzichtbaren“ Rüstungsproduzenten entwickelt habe, meint Feichtinger.

Unübersehbar ist: Der Krieg gegen den Iran zeichnet Konturen einer neuen Ordnung im Nahen Osten. „Trumps Iran-Krieg war ein Katalysator für den geopolitischen Umbruch“, ist der Militäranalyst überzeugt.

Die westliche Hemisphäre

Ein Umbruch, der den Einfluss der USA in der Region schwächt. Der in Washington aber auch in Erinnerung rief, dass man im Nahen Osten auch gar nicht Player Nr. 1 sein müsse. Ihr Hauptinteresse gelte schließlich, wie schon in der Nationalen US-Sicherheitsstrategie dargelegt, einer anderen Region, sagt Feichtinger: „Der westlichen Hemisphäre und damit dem Indopazifik.“ Anders gesagt: dem Kontrahenten China.

Die Notbremse gezogen

Daheim massiv unter Druck, mit dramatisch abgestürzten Popularitätswerten und ohne klare Kriegsziele, war für US-Präsident Trump im Iran nichts mehr zu holen: Ein gesichtswahrender Ausstieg war dringend angesagt.

Die Friedenssuche der USA sei deshalb jetzt nichts anderes als „eine geostrategische Notbremse“, meint Feichtinger. Und letztlich seien die USA „mit einem tiefblauen Auge davongekommen.“

Wer hingegen gestärkt aus dem Krieg hervorgeht, bei dem er nicht einmal mitgekämpft hat, ist China. Die Volksrepublik musste nichts tun außer zuzusehen, wie die USA militärische Kapazitäten aus anderen Regionen – etwa Patriots aus der Ukraine und Südkorea – abzog und es dennoch zu Engpässen bei kritischer Munition und Ausstattungsgütern kam. „Das war eine Nabelschau der militärstrategischen Kapazitäten der USA“, hat auch Feichtinger beobachtet, „und die USA haben sich hier eine Blöße gegeben.“

Walter Feichtinger

Geostratege, Brigadier Walter Feichtinger

Unverhoffter Einfluss

Die Führung Pekings beobachtete, analysierte und genießt seither ohne lautes Triumphgeheul die Tatsache, dass ausgerechnet ihr größter Gegner ihr unverhofft zu mehr Einfluss verhalf. Denn während sich die reichen Golfstaaten von ihrem bisherigen Verbündeten USA im Stich gelassen fühlen, baut China seine Bindungen weltweit aus. „China sieht sich als Soft-Power-Alternative zu den USA, das Verhalten der USA spielt der Volksrepublik dabei nur in die Hände.“

Was sowohl der Iran-Krieg als auch der Krieg gegen die Ukraine gestärkt hätten, meint Feichtinger, sei, wie er es nennt, CRINK: „China, Russland, Iran und Nordkorea – die Achse der Autokraten.“

Und Europa? Sollte Europa bei den Verhandlungen mit dem Iran nicht mit am Tisch sitzen? „Wir müssen in dieser Nachkriegsphase nicht vorne dabei sein, als Verhandler, als Wichtigmacher, sondern wir sollten abwarten, was herauskommt und parallel dazu überlegen, was man daraus machen kann. Das wäre die europäische Position. Die strategischen Potenziale identifizieren und sofort dann auch entsprechende Ziele verfolgen.“

Doch die Ukraine „ist etwas anderes. Da muss Europa mit am Tisch sitzen.“

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