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Die Straße von Hormus wird zur Goldgrube für den Iran

Die Straße von Hormus ist wieder frei, doch der Iran demonstriert seine Macht: Wer nicht zahlt, wird beschossen. Das macht die Schifffahrt durch die Meeresenge unkalkulierbar teuer – und verschafft dem Iran ein Ass im Ärmel.
FILE PHOTO: Ships and boats in the Strait of Hormuz, Musandam

„Schiffe dieser Welt, startet die Maschinen: Lasst das Öl fließen!“, postete Donald Trump, nachdem er seine Unterschrift unter das „Memorandum of Understanding“ mit dem Iran gesetzt hatte. Die Weltwirtschaft könne endlich aufatmen, so seine Botschaft: Die Straße von Hormus sei wieder offen.

Zehn Tage später ist von der Euphorie wenig übrig. Zwar ließ Teheran mehrere Dutzend Schiffe passieren, was auch den Ölpreis senkte (siehe rechts), doch seit Ende der Woche halten die Mullahs die Meeresenge wieder als Geisel – sie lassen sich die Durchfahrt teuer bezahlen.

Schutzgeld an Teheran

Schon am Sonntag, ein paar Tage nach Unterzeichnung des Trump-Deals, verkündete der Iran, „man habe eine Versicherungsgesellschaft“ gegründet, die sich ab sofort um die sichere Durchfahrt der Frachter kümmere. Damit erfüllten die Mullahs jenen Passus, der in Trumps in puncto Hormus stand: Man werde sich bemühen, Schiffen die Durchfahrt „gebührenfrei“ zu ermöglichen. Eine „Versicherung“ schließt das freilich nicht aus.

Wie das in der Realität aussieht, zeigten die Mullahs dann am Donnerstag. Die Revolutionsgarden beschossen ein Schiff unter der Flagge Singapurs, das die Meeresenge nahe der omanischen Küste hatte passieren wollen. Der Frachter hatte sich zuvor nicht in Teheran angemeldet – er hatte also kein Schutzgeld für die Durchfahrt bezahlt. Die Antwort waren Bomben.

Für Experten weltweit ist das der Beweis dafür, dass die USA dem Iran mit dem Deal ein teures Geschenk gemacht haben. Kurz nach Unterzeichnung hatte Donald Trump nämlich verkündet, dass die Mullahs ihr Öl nun wieder auf dem Weltmarkt verkaufen dürften; erstmals seit Jahrzehnten in Dollar. Das wird Milliarden in die leeren Kassen des Regimes spülen, das der US-Präsident mit seinem Krieg eigentlich in die Knie hatte zwingen wollen.

Routen durch die Straße von Hormus

Die Kontrolle über die Straße von Hormus hatte Teheran aber nicht abgegeben, ebenso wenig wie Trump eine Einigung auf den konkreten Umgang mit dem iranischen Nuklearmaterial abgewartet hatte. Die neu etablierte Hormus-Behörde der Revolutionsgarden wird dem Regime daher zu weiteren Einnahmen verhelfen, mit denen Teheran auch seine Wiederaufrüstung finanzieren kann.

Globale Kosten

Auch der Weltwirtschaft entstehen damit unkalkulierbare Kosten. Eigentlich hat die International Maritime Organisation (IMO), eine UNO-Behörde, die Evakuierung und Wiederaufnahme der Schifffahrt durch das Nadelöhr koordinieren wollen; sie hat in den letzten Tagen auch 47 Schiffe durch die südliche Passage nahe der omanischen Küste dirigiert. Teheran war das von Anfang an ein Dorn im Auge: Man erlaubte nur Durchfahrten auf der nördlichen Passage, also nahe dem iranischen Staatsgebiet, hieß es – und drohte Konsequenzen an. Die zogen die Revolutionsgarden dann auch.

Reedereien bringt all das in eine verzwickte Lage. Will man gefahrlos passieren, muss man zahlen. Doch die Gebühren, wie Teheran sie erheben will, sind laut internationalem Seerecht nicht erlaubt; der Iran hat bei der UNO auch nicht um Genehmigung seiner Behörde angesucht. Die Konsequenz wären Strafen: Wer Teheran Geld überweist, riskiert Sanktionen seitens der USA als auch der EU.

Wer kann sich das leisten?

Dazu kommt die Frage, ob sich Schifffahrtsunternehmen derart teure Durchfahrten überhaupt leisten können. Schon im Mai kursierten Beträge von bis zu zwei Millionen Dollar pro Transit; selbst wenn die Gebühren geringer wären, würde das den Handel und die wirtschaftliche Situation der Golfstaaten nachhaltig verändern.

Dort versucht man, diesem Dilemma im Eiltempo zu entkommen. Die Vereinigten Arabischen Emirate etwa bauen an einer neuen Pipeline, die bereits im nächsten Jahr in Betrieb genommen werden soll und die jetzige Lieferkapazität verdoppelt. Auch die saudische Ost-West-Pipeline, die Ölexporte zum Roten Meer umleitet und während der Blockade Rettungsanker für die Region war, wird ausgebaut.

Auch in Washington wälzt man Ideen, wie die Blockade überwunden werden kann. Derzeit hoch im Kurs: VIP-Schutz für Schiffe, die passieren wollen. Das klingt überraschend ähnlich wie Teherans Mautmodell.

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