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Politik Ausland
11/14/2020

Obama rechnet in Memoiren mit Trump und Republikanern ab

„Ein verheißenes Land“: Ex-Präsident sieht verschärfte Polarisierung in den USA seit seiner Wahl

von Andreas Schwarz

Niemand hat die Polarisierung der Gesellschaft in den Vereinigten Staaten so vorangetrieben wie Donald Trump in den vier Jahren seiner Präsidentschaft – darüber waren sich viele Kommentatoren vor und nach der Wahl Anfang November einig. Aber dass diese Polarisierung schon früher da war, bestätigt auch Barack Obama. Er datiert sie mit dem Jahr 2008 und seiner Wahl zum ersten schwarzen Präsidenten der USA: „Es war, als ob allein meine Anwesenheit im Weißen Haus eine tief sitzende Panik ausgelöst hätte, eine Vorstellung, dass die natürliche Ordnung gestört worden sei“, schreibt der Vorgänger von Donald Trump im ersten Band seine zweiteiligen Memoiren, die am Dienstag erscheinen („A Promised Land“, zeitgleich in deutscher Übersetzung „Ein verheißenes Land“).

Deshalb habe Trump mit Unterstellungen begonnen, dass er, Obama, nicht in den USA geboren und kein legitimer Präsident gewesen sei. „Millionen von Amerikanern, die über einen Schwarzen im Weißen Haus erschrocken waren, versprach er ein Heilmittel für ihre rassistischen Ängste.“

Das Buch erscheint zu einem Zeitpunkt, da wenig „verheißen“ scheint, solange der Amtsinhaber im Weißen Haus das Ergebnis der Präsidentschaftswahl nicht anerkennt. In einem Interview für CBS, das am Sonntag zur amerikanischen Primetime ausgestrahlt wird, legt Obama noch nach. Mehr als Trumps haltlose Wahlbetrugsbehauptungen beunruhige ihn, dass andere Republikaner wider besseres Wissen mitzögen – „es ist ein weiterer Schritt, nicht nur der neuen Biden-Regierung, sondern auch der Demokratie insgesamt ihre Legitimation abzusprechen. Und das ist ein gefährlicher Pfad“, sagt Obama.

Spaltpilz Sarah Palin

In seinem 768 Seiten starken Memoiren-Band macht Obama die Personalentscheidung seines Gegners im Präsidentschaftsrennen 2008, John McCain, für den Polarisierungsschub in der amerikanischen Gesellschaft verantwortlich: Mit der erzkonservativen Sarah Palin als Vizepräsidentschaftskandidatin „schien es, als würden die dunklen Geister, die schon lange am Rand der modernen Republikanischen Partei lauerten – Fremdenfeindlichkeit, Anti-Intellektualismus, paranoide Verschwörungstheorien, eine Antipathie gegenüber Schwarzen und Braunen – ihren Weg auf die Hauptbühne finden“.

In einer Rezension in der New York Times huldigt die nigerianische Schriftstellering Chimamanda Ngozi Adichie („Americanah“) dem Autor: Das Buch sei in „herrlicher Prosa“ geschrieben, „Satz für Satz eine Freude zu lesen“, vor allem auch dort, wo es um die Familie gehe. Adichie hebt die Nachdenklichkeit und wiederholte Selbstinfragestellung Obamas hervor, etwa wenn es um die Frage geht, ob seine Entscheidung zur Präsidentschaftskandidatur eine für den Dienst am Land oder das eigene Ego gewesen sei; oder als er den Nobelpreis erhielt, noch ehe er Präsident war – „wofür?“, fragt Obama.

Ein Höhepunkt des Buches seien Tratsch und Klatsch-Passagen und die Bewertungen, die Obama etwa über Wladimir Putin abgibt (wie einer der Chikago-Bosse, „körperlich war er unauffällig“) oder über Frankreichs Ex-Präsidenten Nicholas Sarkozy (opportunistisch, „er streckte seine Brust raus wie ein Zwerghahn“).

 

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