Politik | Ausland
25.02.2016

Nur jeder Dritte über 60 arbeitet noch

SPÖ hält Regierungsziel beim Antrittsalter für erfüllt, ÖVP spricht von "geschönter Statistik".

Nicht einmal jeder dritte Mann über 60 arbeitet (29 Prozent), obwohl das gesetzliche Pensionsantrittsalter 65 beträgt. Diese und andere Probleme sollten am Montag bei einem Regierungsgipfel debattiert werden. Doch die Fronten sind verhärtet, die Erwartungen extrem gedämpft.

Daran ändern auch neue Zahlen aus dem Sozialministerium zum Antrittsalter nichts, sie verstärken die Frontstellung sogar. Neuerlich wurden die Bezieher von Reha-Geld (die frühere Invaliditätspension) nicht berücksichtigt. Durch diesen Statistik-Kniff stieg das durchschnittliche Antrittsalter im Vorjahr um mehr als sechs Monate auf 60 Jahre und zwei Monate. Sozialminister Alois Stöger zeigt sich sehr zufrieden, das Regierungsziel sei erreicht. Die SPÖ will nun mehr über die Beschäftigungssituation Älterer sprechen, die Pensionen hält sie für langfristig gesichert.

Die ÖVP sieht das diametral anders. "Diese Statistik ist nur die halbe Wahrheit, es braucht auch die Einrechnung von Reha-Geld-Beziehern. Die Österreicher verdienen Zahlenwahrheit, keine geschönten Statistiken", heißt es im Finanzministerium.

Auch August Wöginger, der an der Seite von Finanzminister Hans Jörg Schelling das Pensionsthema für die Volkspartei verhandelt, sagte zum KURIER: "Die Stöger-Zahlen haben wenig Aussagekraft. Hier würde mehr Transparenz enorm helfen. Uns geht es darum, die langfristige Finanzierung der Pensionen sicherzustellen."

Was kann also am Montag beim Pensionsgipfel herauskommen?

Pensionsexperte Ulrich Schuh sagte zum KURIER: "Man wird sich auf eine Kleinigkeit verständigen, die weit in der Zukunft wirksam wird. Oder Arbeitsgruppen bilden, die Modelle ausarbeiten, um das Pensionsthema aus dem Hofburg-Wahlkampf herauszuhalten. Meine Hoffnung ist, dass vergangene Reformen nicht zum Vorbild genommen werden. Das waren Reformen im Blindflug und reine Geldbeschaffungsaktionen, die die vielen Ungerechtigkeiten im System nicht beseitigt haben."

Wie steht es um die Finanzierbarkeit des Pensionssystems?

Momentan überraschend gut. Unter anderem durch die gestiegene Beschäftigung lagen die Pensionsausgaben 2015 um 300 Millionen unter dem Budgetrahmen. Schuh: "Aktuell brennt der Hut nicht. Aber langfristig gibt es ein Nachhaltigkeitsproblem. Das Pensionssystem muss an die steigende Lebenserwartung und die demografische Entwicklung angepasst werden."

Was wurde aus den bisherigen Ideen und Vorschlägen?

Vieles wurde schubladisiert, etwa die Anhebung des Antrittsalters parallel zur steigenden Lebenserwartung ("Automatismus"); detto die raschere Anhebung des Frauenpensionsalters und ein neuer Aufwertungsfaktor auf dem Pensionskonto. Der Aufschrei war zu laut.

Was läuft grundsätzlich schief? Seit Jahrzehnten steigen die Zeiten in Ausbildung und Pension zulasten der Zeit im Berufsleben. Das bedeutet tendenziell weniger Einzahler im System. Derzeit steigt die Beschäftigung Älterer jedoch (noch), allerdings liegt ihr Anteil nur in drei Branchen über 20 Prozent. In sehr vielen sehr großen Branchen macht die Altersgruppe 55+ weniger als acht Prozent der Belegschaften aus.