North Korean leader Kim Jong Un attends a national memorial service on the eve of the anniversary of Kim Jong Il's death in Pyongyang, North Korea, Sunday, Dec. 16, 2012. (Foto:Kyodo News/AP/dapd) JAPAN OUT, MANDATORY CREDIT, NO LICENSING IN CHINA, HONG KONG, JAPAN, SOUTH KOREA AND FRANCE

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Drohgebärden
03/29/2013

Nordkoreas Jung-Diktator spielt mit dem Feuer

Kim Jong Un bringt Raketen gegen die USA in Stellung - dort reagiert man gelassen.

von Ingrid Steiner-Gashi

Die Zeit ist gekommen, um Rechnungen mit den amerikanischen Imperialisten zu begleichen“, ließ Nordkoreas Diktator Kim Jong Un nach einer nächtlichen Dringlichkeitssitzung ausrichten und drohte: Die Raketeneinheiten des Landes seien in Alarmbereitschaft versetzt. Mögliche Angriffsziele: US-Stützpunkte auf den beiden Inseln Hawaii und Guam.

Martin Dempsey, Generalstabschef des US-Militärs, brachte diese jüngste Drohung aus Pjöngjang allerdings nicht aus der Ruhe. Mit weiterem militärischen Säbelrasseln hatte der oberste US-Militär gerechnet, nachdem er tags zuvor zwei gewaltige Tarnkappenbomber zu Übungszwecken über Südkorea hatte fliegen lassen. „Die Reaktionen aus Nordkorea beunruhigen uns nicht. Wichtig war uns nur, unseren Verbündeten in der Region zu zeigen, dass sie sich auf uns verlassen können.“

Polternder Diktator

Südkorea und Japan, beide enge militärische Alliierte der USA, sind die ständigen Drohungen aus Nordkorea gewohnt. Doch Ausmaß, Tonlage und Häufigkeit des Gepolters des jungen Diktators schüren vor allem in Südkoreas Hauptstadt Seoul die Besorgnis. Schulkinder in den Grenzregionen zum Norden trainieren bereits Evakuierungsmaßnahmen für den Fall eines nordkoreanischen Raketenangriffs. Schutzräume, Bunker und Notunterkünfte werden für den Ernstfall hergerichtet und mit Lebensmitteln versorgt.

„Ein unmittelbarer Krieg steht sicher nicht bevor“, heißt es aus südkoreanischen Regierungskreisen. Befürchtet wird jedoch vielmehr, dass Nordkoreas junger, noch unerfahrener Diktator Kim Jong Un das „Kriegspielen“ schwer unterschätzt.

Missverständnisse und falsch kalkulierte Provokationen könnten letztlich verhängnisvolle Prozesse auslösen, die sich auch das kommunistische Regime in Pjöngjang nicht wünschen könne. Denn selbst bei kleineren militärischen Angriffen auf Südkorea wären die USA verpflichtet, ihren Alliierten beizustehen. Knapp 30.000 US-Soldaten sind ständig in Südkorea stationiert. Angesichts der steigenden Spannungen wird übernächste Woche US-Außenminister John Kerry nach Seoul, Tokio und Peking reisen.

Guter Wind

Gegenüber China, dem wichtigsten Verbündeten des weltweit isolierten Nordkoreas, versucht Pjöngjang indes, möglichst guten Wind zu machen. „Machen Sie sich keine Sorgen, es wird auf der koreanischen Halbinsel keinen Krieg geben“, versicherte in der Vorwoche Nordkoreas Tourismus-Chef besorgten chinesischen Reisebüroagenten. „Schicken Sie uns möglichst viele Touristen.“ Die Zahl der Direktflüge zwischen Peking und Pjöngjang wird ab April um ein Viertel erhöht.

Auch an der Grenze zu Südkorea blieb die Lage trotz aller Kriegsrhetorik ruhig: Pendler aus dem Süden durften einreisen. Sie konnten wie gewohnt im Industriekomplex in der Grenzstadt Kaesong arbeiten.

Nord- und Südkorea: Welten voneinander entfernt

Seit fast siebzig Jahren leben die Menschen auf der koreanischen Halbinsel strikt voneinander getrennt. Den Traum von einer Wiedervereinigung zwischen Norden und Süden lebt man heute nur noch im kommunistischen Nordkorea – unter Führung des eigenen Regimes, versteht sich.

In Seoul hingegen hat vor allem die jüngere Generation mit der Idee einer Wiedervereinigung wenig am Hut. „Wir denken, das sind verschiedene Leute in einem verschiedenen Land. Wir haben mit denen wirklich gar nichts mehr gemeinsam“, schilderte jüngst eine Gruppe Studenten dem amerikanischen magazin Foreign Policy.

Von Seiten der Politik fürchtet man vor allem die enormen Kosten, die eine Zusammenführung der beiden Landesteile verschlingen würde: Grobe Schätzungen ergaben, dass die Aufwendungen mindestens das Zwanzigfache dessen betragen würde, was einst Deutschland für die Eingliederung der ehemaligen DDR benötigte.

Die bis heute unüberwindliche Grenze des 38. Breitengrades zwischen Nord- und Südkorea zogen nach Ende des Zweiten Weltkrieges die UdSSR und die USA. Fünf Jahre später marschierten nordkoreanische Truppen unter der Führung von Diktator Kim Il Sung in den Süden ein und entfachten einen verheerenden, dreijährigen Krieg, in dem amerikanische und chinesische Truppen mitfochten.

Am Ende waren beide Landesteile verwüstet. Der Norden aber mit großzügiger Hilfe aus der UdSSR und seinen Industrieanlagen kam zunächst schneller wieder auf die Beine. Erst in den 60er-Jahren wandelte sich das Bild: Südkorea holte dramatisch auf, schaffte 1988 auch dem Umstieg in die Demokratie und gehört heute zu den erfolgreichsten Industrienationen der Welt. Das BIP-pro Kopf im Süden ist heute 18 Mal höher als jenes im Norden.

Nordkorea verschärft Kriegsdrohungen

Wer hat die Bombe?

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