Politik | Ausland
22.07.2017

Neuer Kommunikationschef will Trump "aggressiver" vermarkten

Sean Spicer nahm offenbar wegen Anthony Scaramuccis Ernennung den Hut. Mit dem neuen Kommunikationsdirektor hofft der wegen der Russland-Affäre schwer in Bedrängnis geratene Präsident, wieder in die Offensive zu kommen.

Der neue Kommunikationsdirektor von US-Präsident Donald Trump will dessen Politik "aggressiver" kommunizieren. Trump leiste einen "phänomenalen Job", das müsse "aggressiver" als bisher an die Öffentlichkeit getragen werden, sagte der Finanzinvestor Anthony Scaramucci am Freitag vor Journalisten in Washington.

Offenbar aus Protest gegen Scaramuccis Ernennung warf der bisherige Pressesprecher Sean Spicer das Handtuch. An Spicers Stelle tritt seine bisherige Stellvertreterin Sarah Huckabee Sanders (mehr zu der 34-Jährigen erfahren Sie im unteren Abschnitt).

Mit Scaramucci als Kommunikationsdirektor hofft der wegen der Russland-Affäre schwer in Bedrängnis geratene Präsident, wieder in die Offensive zu kommen. Laut Medienberichten ist er schwer angetan davon, wie sich der New Yorker Investor regelmäßig in den Nachrichtensendern für ihn ins Zeug geworfen hat. Mit Spicer war Trump hingegen offenkundig unzufrieden. In den vergangenen Wochen wurde Spicer bei den Pressekonferenzen im Weißen Haus immer häufiger durch Huckabee Sanders vertreten.
Der Pressesprecher scheidet nach eigenen Angaben im August aus dem Amt. Im Kurzbotschaftendienst Twitter erklärte Spicer, es sei ihm "eine Ehre und ein Privileg" gewesen, dem Präsidenten zu dienen. In einem Gespräch mit dem TV-Sender Fox deutete der 45-Jährige an, dass Scaramuccis Ernennung ihn zum Rücktritt bewog.

Er verabschiede sich aus Trumps Team, damit es "nicht zu viele Köche" gebe, sagte Spicer. Zugleich teilte er gegen die Medien aus, denen er vorwarf, nicht an "Fakten und der Wahrheitsfindung" interessiert zu sein.

Trump dankte Spicer in einem kurzen Statement, ließ aber auch durchblicken, dass er Defizite in der Öffentlichkeitsarbeit sieht. Seine Regierung habe bereits "so viel" erreicht, bekomme dafür aber "so wenig Anerkennung", beklagte Trump. Spicer habe "gewaltige Beschimpfungen der Fake-News-Medien" ertragen müssen, schrieb Trump im Kurzbotschaftendienst Twitter. "Aber er hat eine glänzende Zukunft vor sich."

Gegen die Ernennung Scaramuccis soll sich Berichten zufolge auch der Stabschef im Weißen Haus, Reince Priebus, gesperrt haben. Scaramucci bestritt jedoch in seinem ersten Auftritt vor dem Pressekorps im Weißen Haus interne Konflikte: "Ich denke, das Weiße Haus ist in der Spur." Im Team des Weißen Hauses "mögen wir uns alle aufrichtig".

Trumps früherer Kommunikationsdirektor Michael Dubke war im Mai zurückgetreten. Wegen der Affäre um Russland-Kontakte während des Wahlkampfs steht die Trump-Regierung seit ihrem Antritt vor sechs Monaten massiv unter Druck.

US-Justizminister Jeff Sessions geriet am Freitag durch neue Enthüllungen über seine Russland-Kontakte noch stärker in Bedrängnis. Entgegen seiner bisherigen Darstellung habe Sessions vor der Präsidentschaftswahl 2016 doch mit dem russischen Botschafter in Washington über wahlkampfrelevante politische Themen gesprochen, berichtete die Washington Post unter Berufung auf US-Behördenquellen, die sich unter anderem auf abgehörte Telefonate stützen. Trump hatte seinen Justizminister am Mittwoch in beispielloser Weise abgekanzelt und ihm vorgeworfen, sein Vertrauen missbraucht zu haben.

Sarah Huckabee: Junge Frau mit einem der härtesten Washingtoner Jobs

Sarah Huckabee Sanders blickt mit ihren 34 Jahren auf eine lange Karriere im US-Politikbetrieb zurück. Bereits als Jugendliche konnte die Tochter des Republikaners Mike Huckabee hautnah miterleben, wie ihr Vater erfolgreich als Gouverneur seines Heimstaates Arkansas kandidierte.

Nun rückt die 34-Jährige selbst ins Rampenlicht und übernimmt einen der härtesten Jobs in Washington: Sanders wird neue Pressesprecherin von Präsident Donald Trump.

Als Stellvertreterin von Präsidentensprecher Sean Spicer hatte Sanders bereits in den vergangenen Wochen Presse-Briefings im Weißen Haus geleitet. Als Spicer am Freitag seinen Rücktritt verkündete, ernannte Trump die groß gewachsene Mutter dreier Kinder zu dessen Nachfolgerin.

Sanders ist bekannt für ihre trockene Art und ihren bissigen Humor. Als sie am Freitag auf das mutmaßliche "Chaos" im Weißen Haus angesprochen wurde, antwortete sie, dass es in der Früh bei ihr Zuhause mit ihren drei Kindern turbulenter zugehe.

Trotz ihrer demonstrativen Gelassenheit steht die 34-Jährige vor gewaltigen Herausforderungen: Sie muss nicht nur die Politik ihres oftmals impulsiven und unvorhersehbaren Chefs vertreten, der seine Mitarbeiter mit seinen Tweets immer wieder ins Schwitzen bringt.

Huckabee Sanders muss auch ihre Rolle in dem neuen Medienstab finden und sich auf eine Arbeitsteilung mit dem neuen Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci einigen. Bei ihrer Vorstellung am Freitag stahl ihr der Investor und TV-Kommentator die Show: Er betonte seine engen Beziehungen zum Präsidenten und beantwortete dutzende Fragen, obwohl es eigentliche seine Aufgabe sein sollte, hinter den Kulissen die Fäden zu ziehen.

Sanders stammt aus Hope, der Heimatstadt des früheren US-Präsidenten Bill Clinton. Bereits vor zehn Jahren unterstützte sie die Präsidentschaftskandidatur ihres Vaters, der sich trotz eines Siegs bei der Vorwahl der Republikaner in Iowa schließlich nicht gegen seine parteiinternen Konkurrenten durchsetzen konnte. In den folgenden Jahren war sie als Beraterin für ihren Vater und andere republikanische Politiker tätig.

Ihr Vater Mike sei ihr "politischer Held", sagte sie 2010 dem Magazin "Time", das sie zu einer der 40 einflussreichsten Persönlichkeiten unter 40 Jahren wählte. Im Präsidentschaftswahlkampf 2016 leitete sie erneut dessen Kampagne. Nach dem Rückzug Huckabees schloss sie sich dann Trumps Team an und zog mit ihm ins Weiße Haus ein.

Zu ihrer Ernennung als Sprecherin im Weißen Haus erhielt sie Glückwünsche auch aus dem gegnerischen Lager. "Wir mögen politisch uneins sein, aber es ist immer großartig zu sehen, wenn eine hart arbeitende Frau zum Gesicht des Weißen Hauses wird", schrieb die frühere Kommunikationsdirektorin von Ex-Präsident Barack Obama, Jen Psaki, im Onlinedienst Twitter. Doch die Schonfrist kann schnell vorüber sein. Ihr Vorgänger Spicer, der sich nur sechs Monate im Amt hielt, kann ein Lied davon singen.

Von Andrew Beatty/AFP