Politik | Ausland
22.07.2017

Spicer geht: Die Pannenserie des Trump-Sprechers

Trumps Sprecher Sean Spicer sah sich immer wieder mit Rücktrittsaufforderungen konfrontiert. Jetzt zog er einen Schlussstrich.

Schon seit Monaten ging unter US-Reportern das Gerücht um, dass Trump von seinem Pressesprecher Sean Spicer genug habe. Jetzt aber hat der US-Präsident ihn einfach ausgebootet. Er ernannte den Investor und Trump-Großspender Anthony Scaramucci zum Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses, und damit zum direkten Vorgesetzten Spicers. Der soll die Nerven verloren haben und nach einem Streit seinen Job hingeschmissen haben. Via Twitter ließ Spicer wissen, dass er noch bis Ende August bleiben werde. Dann übernimmt seine Stellvertreterin Sarah Sanders, Tochter von Mike Huckabee, der als republikanischer Präsidentschaftskandidat gegen Trump verloren hatte.

Auf Twitter erklärte Spicer, es sei ihm "eine Ehre und ein Privileg" gewesen, dem Präsidenten zu dienen. Er verabschiede sich aus Trumps Team, damit es "nicht zu viele Köche" gebe, sagte Spicer. Zugleich teilte er gegen die Medien aus, denen er vorwarf, nicht an "Fakten und der Wahrheitsfindung" interessiert zu sein.

Seine Auftritte machten den 45-Jährigen rasch zum Liebling der US-TV-Komiker. Sendungen wie "Saturday Night Live" hatten Spicer-Parodien im Programm (siehe unten). Die "Daily Show mit Trevor Noah" hat bereits einen Video-Nachruf auf Spicers tägliche Pressekonferenzen gestaltet:

Gewagter Hitler-Vergleich

Mehr als ein Mal wackelte sein Job. Spicer war etwa mit massiver Kritik konfrontiert, nachdem er sich zu einem mehr als gewagten Vergleich zwischen Hitler und Assad hinreißen ließ: "Nicht einmal jemand so verabscheuungswürdiges wie Hitler ist so weit gesunken, chemische Waffen einzusetzen", sagte er während des täglichen Press-Briefings. Als eine Reporterin ihn wenig später bat, die Äußerung zu erklären, geriet Spicer ins Straucheln. Er sagte: "Er (Hitler) hat Gas nicht auf dieselbe Art und Weise gegen sein eigenes Volk eingesetzt, wie es Assad tut. (...) Er hat es in die Holocaust-Zentren gebracht, das ist mir klar. Aber was ich zum Ausdruck bringen will, ist die Art, wie Assad es eingesetzt hat, indem er in die Städte geht und es über den Stadtzentren abwirft." Wenig später entschuldigte er sich auf CNN für seinen Vergleich.

Es war bei weitem nicht der erste Patzer von Spicer als Sprecher von Donald Trump. Als der Präsident behauptete, sein Vorgänger Barack Obama hätte ihn im Trump Tower abhören lassen, rechtfertigte Spicer das so: „Wire tapping“ habe Trump in Anführungszeichen geschrieben, deshalb meint er es gar nicht so.

Der britische Telegraph zum Beispiel fasste in einem einminütigen Clip seine diversen Hoppalas zusammen, unter anderem seine Probleme mit den Namen fremder Staatschefs:

"Es war die größte Angelobungsfeier, und Punkt."

Gleich an seinem ersten echten Arbeitstag im Jänner musste Spicer sich der Lüge überführen lassen, verlor die Nerven und beschimpfte zuletzt die Journalisten ausführlich.
Spicer hatte versucht, der Presse weis zu machen, dass Donald Trumps Angelobung mehr Menschen angezogen hatte, als jede andere zuvor. Erst gab er sich stur ("Es war die größte Angelobungsfeier, und Punkt."), nur um zuletzt noch unabsichtlich mit entwaffnender Ehrlichkeit aufzufahren: „Manchmal stimmen wir eben den Fakten nicht zu."

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Dann hatte er auch noch Probleme mit Twitter, beispielsweise twitterte er etwas, das sehr nach (s)einem Passwort aussah:

Und Donald Trump erklärte er zu seinem eigenen Wohnbauminister:

Die Pannen gingen aber auch vor der Kamera weiter, neulich trug er seine angeheftete USA-Flagge verkehrt herum:


Und seine Erklärung, warum der von den Republikanern ausgearbeitete Gesetzesentwurf zur Krankenversicherung besser sei als Obamacare, fällt unter die Kategorie „zu blöd, um genial zu sein“: Weil er viel weniger Seiten hat.

Es ist also nicht leicht, Sean Spicer zu sein. Und weil zum Spott auch stets die Häme kommt, ist zum Beispiel Late-Night-Host Jimmy Kimmel aufgefallen, dass Spicer wie ein Betrunkener klingt, wenn man ihn mit halber Geschwindigkeit abspielt.

Und Melissa McCarthys Spicer-Parodie ist sowieso längst legendär: