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Politik Ausland
04/25/2019

Navy Seals: Skandal bei der US-Eliteeinheit

Ein ranghoher Elitesoldat soll beim Einsatz 2017 im Irak Zivilisten absichtlich getötet haben. Die Armee soll ihn gedeckt haben.

von Karoline Krause-Sandner

"Hört auf, davon zu sprechen!" Mehrere Mitglieder der Teileinheit von Special Operations Chief Edward Gallagher hatten ihn bei seinem Vorgesetzten gemeldet. Die Vorwürfe waren abscheulich. Der hochdekorierte amerikanische Elitesoldat soll in Mossul/Irak wahllos Zivilisten getötet haben. Darunter ein junges Mädchen, das am Tigris spaziert ist, sowie ein alter Mann, der Wasser holte - beide soll Gallagher von Weitem mit dem Scharfschützengewehr einfach anvisiert und abgeschossen haben. Einen Teenager, der sich in US-Gefangenschaft befunden hatte, soll er erstochen haben, berichtet die New York Times.

Seine Kameraden schwiegen nicht. Sie brachten die Vorwürfe mehrmals zum Ausdruck und forderten Ermittlungen. Doch monatelang passierte nichts. Der Truppenkommandant, der lange mit Gallagher gedient hatte, hatte eine andere Botschaft für die sieben Kameraden: Wer so etwas publik macht, setze seine Karriere aufs Spiel.

Vorbild

"Eddie" Gallagher war eine Vorbildfigur für viele junge Soldaten, die nach Irak kamen. Er war Scharfschütze und Bombenspezialist, bildete Seal-Kämpfer aus. Es war nicht sein erster Einsatz im Irak. Auch in Afghanistan hatte er schon gedient.

Als Anführer des Alpha Platoons, einer Teileinheit im Seal-Team 7, soll er 2017 in Mossul wiederholt auf Zivilisten geschossen haben. Dort waren die US-Truppen eigentlich damit beschäftigt, gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" zu kämpfen. Über Gallagher war indes bekannt, dass er als Scharfschütze bis zu viermal mehr Schüsse abgegeben hatte als andere Sniper.

Doch anstatt Ermittlungen gegen ihn einzuleiten - zeichneten ihn seine Vorgesetzten im März 2018 auch noch aus. Sie nannten ihn eine vorbildliche Führungspersönlichkeit und verliehen ihm den Bronze Star.

Trump schaltete sich ein

Mittlerweile ist der Fall vor Gericht. Denn die Soldaten gaben nicht auf und meldeten Edward Gallagher an Stellen außerhalb der Seals und drohten, an die Medien zu gehen. Er sitzt seit September in Untersuchungshaft. Auf Geheiß von Präsident Donald Trump wurde er vor Kurzem von der Einzelhaft in eine "angenehmere" Zelle verlegt, um seinen "früheren Verdiensten" Tribut zu zollen.

Im Mai soll der Prozess beginnen. Ihm und seinen Vorgesetzten, die ihn decken wollten, drohen lange Haftstrafen, möglicherweise lebenslänglich. Doch er bekennt sich nicht schuldig. Nicht nur Verwandte von Gallagher kämpfen um seine Freilassung. Angeblich sollen auch andere Seals als Zeugen der Verteidigung die hochrangigen Militärs entlasten. Rückendeckung bekommt die Familie Gallaghers von konservativen Medien wie Fox News.

Stolz der US-Armee

Die Navy Seals sind der Stolz der US-Armee. Nur wenige top-ausgebildete Soldaten schaffen es in die Eliteeinheit, die vor allem weltweit Bekanntheit erlangte, als Al-Kaida-Chef Osama bin Laden nach langer Suche in Pakistan gefunden und ausgeschaltet werden konnte. Dass nun einer der Elitesoldaten wegen solcher grausamen Vergehen vor Gericht steht, kratzt an ihrem Image. Für viele Amerikaner eine Herzensangelegenheit.

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