Politik | Ausland
04.01.2018

Nach Beschuss aus Gazastreifen: Israel fliegt Luftangriff

Israelische Armee ermittelt nach Tod von behindertem Palästinenser. Unterdessen empfängt amerikanische UN-Botschafterin Jerusalem-Unterstützer.

Israel hat nach mehrmaligem Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen einen Luftangriff gegen militante Palästinenser geflogen. Kampfflugzeuge hätten eine "signifikante Terrorinfrastruktur" angegriffen, teilte die israelische Armee in der Nacht zum Donnerstag mit.

Nach Aussagen der radikalislamischen Hamas landeten sechs Raketen auf offenem Gelände im Süden des Küstengebietes. Zuvor waren nach israelischen Angaben drei Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert worden. Es gab keine Verletzten.

Israelische Militärpolizei ermittelt nach Tod von Palästinenser

Die israelische Militärpolizei nahm zudem Ermittlungen auf wegen der Tötung eines behinderten Palästinensers aus dem Gazastreifen. Der 29-Jährige war Mitte Dezember bei Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Soldaten getötet worden. Es gehe darum, den Fall weiter zu untersuchen und auch Informationen aus dem Gazastreifen auszuwerten, teilte die Armee mit. Nach palästinensischen Berichten starb Ibrahim Abu Thurayeh durch einen Kopfschuss. Die UNO hatte anschließend Israels Armee kritisiert.

Die Armee hatte bereits kurz nach dem Tod von Abu Thurayeh mitgeteilt, eine erste Untersuchung des Vorfalls habe kein Fehlverhalten seitens der Soldaten ergeben. Der Tod des Aktivisten hatte bei Palästinensern große Empörung ausgelöst. Abu Thurayeh hatte nach Medienberichten während des Gaza-Kriegs 2008 beide Beine und ein Auge verloren.

Bei Bethlehem wurden bei Zusammenstößen mit israelischen Soldaten nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums am Donnerstag sieben Palästinenser durch scharfe Munition verletzt. Die Armee habe einen Palästinenser festnehmen wollen, dabei sei es zu Unruhen gekommen. Eine Armeesprecherin sagte, Soldaten hätten auf Anführer der Konfrontation geschossen.

USA empfangen Jerusalem-Unterstützer

Die amerikanische UN-Botschafterin Nikki Haley gab unterdessen einen Empfang für Vertreter jener Staaten, die die USA bei ihrem Schritt zur Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt unterstützt haben. "Freunde können in guten Zeiten leicht zu dir stehen, aber nie vergessen werden diejenigen Freunde, die dich in schwierigen Zeiten unterstützen", twitterte die US-Vertretung nach dem Empfang vom Mittwochabend (Ortszeit) in New York.

US-Präsident Donald Trump hatte Jerusalem Anfang Dezember als Hauptstadt Israels anerkannt und den Umzug der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem angekündigt. Die UN-Vollversammlung wies diesen Schritt am 21. Dezember mit großer Mehrheit zurück: 128 der 193 Länder stimmten für die völkerrechtlich nicht-bindendende Resolution. Darunter waren auch alte US-Verbündete wie Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Japan.

Sieben Staaten unterstützen Jerusalem-Plan

Sieben Länder schlossen sich hingegen den USA und Israel an und stimmten für die Resolution, darunter vier Inselstaaten sowie das westafrikanische Togo und das mittelamerikanische Guatemala. Dessen Präsident Jimmy Morales kündigte Weihnachten an, auch sein Land werde seine Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen. 35 Länder enthielten sich bei der Abstimmung im UN-Plenum, darunter auch Kanada und Australien, 21 stimmten gar nicht ab. Trump hatte vorher gedroht, den Befürwortern des Papiers die Hilfszahlungen zu streichen.

Israel hat 1967 während des Sechstagekrieges unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Das Jerusalemgesetz von 1980 fasste beide Stadtteile zusammen und erklärte Jerusalem zur untrennbaren Hauptstadt Israels. Der UN-Sicherheitsrat erklärte die Annexion für nichtig. Die Palästinenser wollen im Westjordanland und im Gazastreifen unabhängigen Staat Palästina mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt einrichten.