Politik | Ausland
13.01.2013

Paris fürchtet Racheakte durch Islamisten

Frankreich geht weiter gegen Extremisten in Nord-Mali vor und erhöht in der Heimat die Sicherheitsvorkehrungen massiv.

Nach dem Eingreifen der französischen Armee in Mali befasst sich am Montag der UN-Sicherheitsrat mit dem Konflikt. Frankreich habe das Treffen zur Information und für einen Meinungsaustausch einberufen, sagte ein Sprecher der französischen UN-Mission am Sonntag. Das Treffen des UN-Sicherheitsrats ist für 15.00 Uhr Ortszeit (21.00 Uhr MEZ) angesetzt. Paris möchte die Entsendung von 3300 Soldaten der Westafrikanischen Staatengemeinschaft ECOWAS beschleunigen. Der Sicherheitsrat hatte ihre Entsendung im Dezember grundsätzlich gebilligt, ein Einsatz wurde aber zunächst erst für September erwartet.

In Frankreich herrscht unterdessen Alarmstufe „Rot“, die zweithöchste. Das heißt: Schulen, Verwaltungsgebäude, religiöse sowie kulturelle Einrichtungen und Kaufhäuser werden verstärkt überwacht, aber auch Flughäfen, Bahnhöfe und Metro-Stationen und auch der Pariser Eiffelturm. Großveranstaltungen droht die Absage. Auf Anfrage des KURIER bestätigte ein Sprecher des Innenministeriums, dass in Österreich von keiner erhöhten Gefahr auszugehen ist. In Deutschland sieht man das genauso.

Der Grund für die französischen Vorkehrungen: Nach dem Militär-Einsatz Frankreichs in Mali, um den dortigen Islamisten Einhalt zu gebieten, haben diese zu Anschlägen auf französische Staatsbürger aufgerufen. Wörtlich: „Stoppt eure Angriffe gegen uns, oder ihr werdet das Grab eurer eigenen Kinder graben.“ Auch bei einer Demonstration radikaler Muslime in London wurden eindeutige Drohungen ausgestoßen.

Ungeachtet dessen wurde die „ Operation Serval“ (benannt nach einer afrikanischen Wildkatze) mit unverminderter Intensität fortgesetzt. „Luftangriffe gibt es laufend. Es gibt sie jetzt, es gab sie in dieser Nacht, es wird sie morgen geben“, sagte Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Sonntag, am Tag drei der Intervention.

Aus dem Tschad starteten Mirage-Kampfjets sowie Rafaele-Helikopter, um Stellungen der Islamisten zu bombardieren, die im April des Vorjahres den gesamten Norden Malis unter ihre Kontrolle gebracht hatten und jetzt knapp davor standen, das ganze Land zu überrennen. Insgesamt sind mehrere Hundert französische Soldaten im Einsatz – auch in der Hauptstadt Bamako. Dort sollen sie für die Sicherheit der rund 6000 Landsleute sorgen.

Spezialeinheiten

Zudem stehen Spezialeinheiten auch direkt an der Front. Gemeinsam mit malischen und vermutlich nigerianischen sowie senegalesischen Streitkräften konnten sie am Wochenende die von den Extremisten erobert Stadt Konna wieder zurückgewinnen. Am Montag sollen zudem 3300 Soldaten der „ Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft“ (ECOWAS) die Phalanx verstärken. Auch NATO-Staaten wollen sie unterstützen: Großbritannien hat angekündigt, Flugzeuge für Truppen- und Ausrüstungstransporte zur Verfügung zu stellen, die USA wollen Aufklärungsdrohnen beisteuern. Die EU wird 200 Militärexperten und -ausbildner nach Mali entsenden.

Die Islamisten waren dabei, eine ganze Region in ein zweites Afghanistan zu verwandeln. In den Gebieten, die sie kontrollieren, haben sie eine Schreckensherrschaft etabliert und die Scharia eingeführt. Dschihadisten aus aller Welt sind angereist, und Ausbildungscamps für Terroristen wurden eingerichtet. Die Extremisten-Enklave stellt nicht nur eine Bedrohung für die Stabilität der Region dar, sondern auch für Europa.