Angela Merkel hat sich gut auf das heikle Treffen mit Präsident Trump vorbereitet

© APA/AFP/JOHN THYS

Kanzlerin reist in USA
03/11/2017

Merkel trifft erstmals Trump

Beide Politiker wollen einen guten Draht zueinander finden, heißt es in Berlin und Washington.

von Dirk Hautkapp, Ulrike Botzenhart

Als Kandidat warf Donald Trump Angela Merkel vor, sie habe mit ihrer "wahnsinnigen" Flüchtlingspolitik Deutschland "ruiniert". Das Land seiner Vorfahren sei "völlig destabilisiert", sagte er damals und beklagte pauschal eine "sprunghaft angestiegene Kriminalität", die es so nie gab. Seinen Anhängern trichterte er ein, dass seine demokratische Rivalin Hillary Clinton "die Angela Merkel Amerikas" werden wolle.

Ähnliche Verbalwatschen sind vom gewählten US-Präsidenten nicht zu erwarten, wenn er am Dienstag zum ersten Mal die deutsche Kanzlerin im Weißen Haus begrüßen wird: "Das wird eine warmherzige und sehr positive Begegnung", versicherten drei hochrangige Regierungsoffizielle Journalisten. Trump sei vor dem ersten persönlichen Treffen "beeindruckt von Merkels Führungsstärke". Auch darum werde er "sehr interessiert zuhören", um von der großen Erfahrung der deutschen Regierungschefin mit Russlands Präsident Wladimir Putin zu profitieren. Und um aus erster Hand zu hören, welche Rolle sich die Kanzlerin als europäische Führungsfigur im weiter schwelenden Ukraine-Konflikt von Amerika wünscht.

Schwierigstes Treffen der Kanzlerin

Merkel ist im Umgang mit heiklen Regierungschef wahrlich geübt – dennoch schätzt der Spiegel ihre erste Begegnung mit Trump als das womöglich schwierigste Treffen ein, das sie je absolvieren musste. Trump habe bereits gezeigt, "dass ihm die Spielregeln westlicher Politik herzlich egal sind. Seine Pläne könnten die Europäische Union zerreißen und Deutschland wirtschaftlich schwer schaden", schreibt der Spiegel.

Oberstes Ziel für Merkels Treffen mit Trump sei der Aufbau von Vertrauen, den Boden für ein gutes Miteinander zu bereiten, sagt Jürgen Hardt, transatlantischer Koordinator der Regierung. "Das Wichtigste ist, dass sie es schafft, klarzumachen, dass auf der Basis von Partnerschaft über Unstimmigkeiten geredet werden kann, aber nicht aus einer Konfrontation heraus." Als Beispiele nennt er die Behauptung eines Trump-Beraters, Deutschland manipuliere die Euro-Währung oder bringe Amerikaner um ihre Job-Chancen.

Konzernchefs flankieren Merkel

Was den Handel angeht – Trumps Leib- und Magenthema samt der damit verbundenen Facetten wie Strafzölle und Euro-Stärke – wollen Trumps Leute gegenüber Journalisten nichts vorwegnehmen. "Wir erwarten eine offene und robuste Diskussion." Aber: "Wir sehen natürlich den Handelsüberschuss Deutschlands." Ein Thema, bei dem Merkel auch mithilfe der mitreisenden Konzernbosse von Siemens und BMW dagegenhalten will. Die beiden Geschäftsleute sollen Trump vorrechnen, wie viele Jobs und Ausbildungsplätze ihre Konzerne in den USA schaffen können.

Die Sorge Berlins, dem politischen Seiteneinsteiger die innere Mechanik der EU mit seiner ganz auf die EU-Kommission zugeschnittenen Verhandlungsautorität noch genauer erläutern zu müssen, scheint nicht mehr berechtigt. "Wir können keine bilateralen Handelsabkommen mit Deutschland haben", sagt ein Trump-Offizieller, "wir müssen es mit der EU machen."

Ob Donald Trump die Kanzlerin vor dem ersten Mal ähnlich intensiv studiert hat wie sie ihn, wollten seine Vertrauten nicht sagen. Nur so viel: Es gehe darum, eine "persönliche Beziehung aufzubauen". Ausgang offenbar noch offen.

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