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Politik Ausland

Medien: Russische Geheimagenten vergifteten Kremlkritiker Nawalny

Laut Recherchen des "Spiegel" und anderer Medien wurden acht FSB-Mitarbeiter identifiziert, die in die Tat verwickelt sein sollen.

12/14/2020, 03:16 PM

Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny ist nach einer Recherche mehrerer Medien mutmaßlich im Rahmen einer komplexen Operation durch Agenten des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB vergiftet worden. Mindestens acht FSB-Mitarbeiter seien identifiziert worden, berichtete der Spiegel am Montag, der gemeinsam mit den Investigativplattformen Bellingcat und The Insider sowie dem US-Nachrichtensender CNN recherchiert hat.

Bei den Identifizierten handle es sich um sechs ausfĂŒhrende Agenten und zwei mutmaßliche FĂŒhrungskrĂ€fte. Vor allem durch Auswertung der Mobilfunkverbindungen, GPS- und Standortdaten von mehr als einem Dutzend mutmaßlicher FSB-Agenten und Analysen zahlreicher Passagierlisten russischer LinienflĂŒge lasse sich nachvollziehen, dass Nawalny bereits seit 2017 im Visier des FSB-Teams stand, schrieb der Spiegel.

So seien die FSB-Agenten mehr als 30 Mal zu Nawalnys Reisezielen vorausgeflogen und kurz nach ihm nach Moskau zurĂŒckgekehrt. Demnach ist es wenig wahrscheinlich, dass es sich bei dem FSB-Team um Agenten handelte, die Nawalny nur beobachteten.

Nowitschok-Programm

Die beiden mutmaßlichen FĂŒhrungskrĂ€fte gehören dem Spiegel und seinen Partnern zufolge zwei FSB-Einheiten an, die in der Vergangenheit bereits mit Giftmorden in Verbindung gebracht wurden: das "Institut fĂŒr Kriminalistik" und das ihm ĂŒbergeordnete "Zentrum fĂŒr Spezialtechniken". Eine der beiden FĂŒhrungskrĂ€fte kommunizierte den Recherchen zufolge regelmĂ€ĂŸig mit Chemielaboren, die mit dem Nowitschok-Programm Russlands in Verbindung stehen. Alle acht identifizierten FSB-MĂ€nner haben demnach entweder eine Vorgeschichte in medizinischen oder chemischen Bereichen oder haben fĂŒr russische SpezialkrĂ€fte gearbeitet.

Nawalny war am 20. August auf einem Flug vom sibirischen Tomsk nach Moskau zusammengebrochen. Zwei Tage spĂ€ter wurde der 44-JĂ€hrige, noch im Koma liegend, zur Behandlung in die Berliner UniversitĂ€tsklinik CharitĂ© gebracht. Nach Angaben von drei europĂ€ischen Laboren, deren Ergebnisse von der Organisation fĂŒr das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) bestĂ€tigt wurden, wurde Nawalny mit einem chemischen Nervenkampfstoff aus der Nowitschok-Gruppe vergiftet. Moskau bestreitet jede Beteiligung. Nawalny befindet sich immer noch in Deutschland, wo er sich von dem Anschlag erholt.

Laut der Spiegel-Recherche konnte im Vorfeld von Nawalnys Reise nach Tomsk ĂŒber Nowosibirsk reger Telefonverkehr zwischen den insgesamt acht FSB-Agenten festgestellt werden. Außerdem wurde einer der FSB-MĂ€nner, Alexej Alexandrow, in Nowosibirsk vor dem Hotel einer Vertrauten Nawalnys geortet.

Nawalny berichtete dem Spiegel von einer auffĂ€lligen Begebenheit am Vorabend seines Zusammenbruchs: Hinter dem Tresen der Hotelbar hĂ€tten sich viel mehr Menschen aufgehalten als sonst. Der Barkeeper habe ihm eine Bloody Mary verwehrt, seinem Wunsch nach einem Negroni aber entsprochen.

Nachdem Nawalny die Bar verlassen hatte, kommunizierten die FSB-Leute intensiv miteinander, bis Alexandrows Telefon letztmalig kurz nach Mitternacht des 20. Augusts nahe dem Hotel geortet wurde. Am nĂ€chsten Morgen verließ Nawalny frĂŒh das Hotel in Tomsk. Zeitgleich setzte eine Telefonstafette zwischen einem mutmaßlich vor Ort anwesenden FSB-Mitarbeiter mit den in Moskau sitzenden FĂŒhrungskrĂ€ften ein.

Nachdem offensichtlich war, dass Nawalny den Anschlag ĂŒberlebt hatte, begaben sich eine der FĂŒhrungskrĂ€fte und drei Mitarbeiter des FSB-Teams den Recherchen zufolge in die sibirische Stadt Gorno-Altajsk. Dort befindet sich das "Institut fĂŒr Probleme chemischer und energetischer Technologien", das Mitarbeiter beschĂ€ftigt, die darauf spezialisiert sind, Orte und GegenstĂ€nde nach dem Einsatz von chemischen Kampfstoffen zu reinigen.

Möglicherweise handelte es sich bei dem Tötungsversuch im August nicht um den ersten Anschlag auf Nawalny. Dem Spiegel berichtete Nawalny von zwei ZwischenfĂ€llen, darunter einem im Juli 2020. WĂ€hrend einer Privatreise mit seiner Ehefrau nach Kaliningrad habe diese Symptome ganz Ă€hnlich der seinigen im August gezeigt. Sie habe sich aber kurz darauf wieder besser gefĂŒhlt. Mitglieder des identifizierten FSB-Teams hielten sich zeitgleich zum Ehepaar Nawalny in Kaliningrad auf.

Auf Fragen des Spiegel hĂ€tten bisher weder der FSB noch die verdĂ€chtigen Agenten geantwortet, schrieb das Nachrichtenmagazin.

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