Angst um zwei in Wien vermisste Israelinnen: „Uns gehen alle Szenarien durch den Kopf“
Es sollte ein Kurztrip nach Prag werden, ein Geburtstagsgeschenk. Mit einem kurzen Abstecher an die schöne blaue Donau. Doch in Wien verliert sich am Freitag jede Spur von Mali und Liel Yahalomi – Mutter und Tochter aus Israel verschwinden, sind wie vom Erdboden verschluckt.
Bis dahin erhielten ihre Angehörigen in Israel regelmäßig SMS-Meldungen und Bilder über WhatsApp. Täglich meldeten sich die Vermissten telefonisch bei ihren Verwandten. Ab Freitag kommt nichts mehr. In ihrer letzten Textnachricht freuen sie sich über ihre nette Unterkunft in Wien. Sie liegt nicht weit vom jüdischen Gemeindezentrum Beit Chabad. Dort wollen Mutter und Tochter am Sabbat-Mahl teilnehmen und den jüdischen Ruhetag verbringen. „Sie sind bei uns aber nicht angekommen, niemand hat sie gesehen“, teilte ein Sprecher mit.
Keine Nachricht mehr seit Freitag
Zunächst wunderte sich die Familie über den abrupten Abbruch des Kontakts. „Wir dachten aber zuerst, es kann mit dem Sabbat zusammenhängen, an dem fromme Juden keine elektronischen Geräte benutzen“, erzählt Elinor Rudnik, die Schwester und Tochter. Aber auch am Samstagabend kommt kein Anruf, kein Selfie, keine Nachricht. Nichts. Die Familie alarmiert das Außenministerium. Die Botschaft in Wien wendet sich an die Wiener Polizei. Vermutungen, dass ein Verschwinden mit persönlichen oder familiären Schwierigkeiten zu tun haben könnte, erweisen sich als unhaltbar. Aber Europas Straßen sind gegenwärtig nicht mehr so sicher wie einst – für Juden, die als solche erkennbar sind. Für Israelis, die öffentlich Hebräisch sprechen.
„Uns gehen alle möglichen Szenarien durch den Kopf, von den schlimmsten bis zur Hoffnung, dass sie wohlbehalten zurückkehren“, sagt Sohn Ronen. Als seine Mutter und Schwester am Dienstag nicht zum Rückflug am Prager Flughafen erscheinen, verliert er die Geduld. Er nimmt den nächsten Flieger nach Wien. Dort hat die Polizei die Fahndung aufgenommen. Das Zimmer der Vermissten wird untersucht, aber es gibt keine konkreten Hinweise. Von der Polizei heißt es nur, es lägen „derzeit keine Hinweise auf Fremdverschulden vor“, man fahnde weiter.
Die israelische Botschaft in Wien nimmt eine eigene Suche auf und richtet eine Hotline ein (0676/3672304). In Israel werden die Medien aufmerksam. Stündlich berichten die Nachrichten im Radio und Fernsehen vom Stand der Suche.
Politisches Motiv?
Wenn israelische Touristen spurlos verschwinden, kommt Verdacht auf. Terroranschläge auf Touristen gab es in der Vergangenheit mehrfach. Doch waren es Reisegruppen wie im bulgarischen Burgas. Können auch zwei alleinreisende Frauen, Mutter und Tochter, zum Ziel von Terroristen werden?
Israelische Suchexperten machen sich jedenfalls auf den Weg nach Wien. Sonst stöbern sie vermisste Rucksackreisende im Amazonas oder im Himalaya auf. Jetzt suchen sie in Europas Mitte. Nach zwei Kofferreisenden mit Reiseerfahrung. Gemeinsam verbrachten sie bereits mehrfach ihren Urlaub an allen möglichen Orten. Sollte Wien ihr letztes Reiseziel gewesen sein?
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