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Vorfall auf jüdischem Sommercamp: Auch Österreicher betroffen

Jugendliche hatten vor einem Hotel in Bulgarien antisemitische Parolen skandiert, den Hitlergruß gezeigt und versucht, in das Gebäude einzudringen.
Oskar Deutsch

Von einem mutmaßlich antisemitischen Vorfall auf einem jüdischen Sommercamp in Bulgarien waren laut Israelitischer Kultusgemeinde Wien auch Kinder und Jugendliche aus Österreich betroffen.

Junge Männer sollen nach Medienberichten antisemitische Parolen gerufen, den Hitlergruß gezeigt und den Zugang zum Gebäude blockiert haben. Bulgarische Behörden sprachen von „Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen“, die Regierung in Sofia verurteilte indes antisemitische Übergriffe.

Mehrere junge Männer tauchten demnach in der Nacht auf Montag vor dem Hotel im rund 100 Kilometer südlich von Sofia gelegenen Kurort Bansko auf. In dem Hotel waren „rund 200 jüdische Kinder aus mehreren europäischen Staaten, aus Israel und den USA“ untergebracht, so IKG-Wien-Präsident Oskar Deutsch in einer Mitteilung auf Facebook am Donnerstag.

Darunter seien auch zwölf Personen aus Österreich gewesen. Das Sommercamp wurde demnach vom internationalen jüdischen Jugendverband Bnei Akiva veranstaltet.

Bulgarische Jugendliche skandierten antisemitische Parolen

Eine Gruppe bulgarischer Jugendlicher skandierte laut Medienberichten vor dem Hotel rechtsextreme Parolen, zeigte den Hitlergruß und versuchte, in das Gebäude einzudringen. Nach dem Einschreiten der Polizei verschwand sie zunächst.

Später kehrten die jungen Männer zurück und blockierten erneut die Eingänge des Hotels. Dabei seien die jüdischen Jugendlichen laut Medien bedroht und angeschrien worden. Laut Angaben der bulgarischen Polizei kam es im Zuge des Vorfalls nicht zu tätlichen Auseinandersetzungen. Am nächsten Morgen reisten die jüdischen Jugendlichen unter Polizeischutz ab.

Während Teilnehmer des Camps und jüdische Organisationen den Vorfall als eindeutig antisemitisch charakterisierten, sprachen manche bulgarische Behörden von „Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen“.

Der Hotelbetreiber und örtliche Bewohner berichteten gegenüber Medien davon, die Teilnehmer des Sommercamps hätten sich während ihres zweiwöchigen Aufenthalts öfter ungebührlich benommen, in der Nacht Lärm gemacht oder Gegenstände von den Balkonen geworfen.

Der italienische Außenminister Antonio Tajani sprach den betroffenen jüdischen Jugendlichen seine Solidarität aus. „Ich verurteile diesen weiteren antisemitischen Vorfall“, schrieb Tajani im Onlinedienst X. IKG-Wien-Präsident Deutsch verurteilte den Vorfall ebenfalls mit scharfen Worten: „Wir sind mit der jüdischen Gemeinde in Bulgarien sowie mit der jüdischen Gemeinde in Rom in Kontakt, um gemeinsam mit Behördenvertretern eine Aufarbeitung des Vorfalls zu erwirken. Unsere Kinder werden weiter auf Sommercamps fahren. Sie werden dort spielen, sporteln und beten. Aber wir erwarten von der EU und jedem europäischen Staat, in dem so etwas passiert, dass er seine Arbeit macht.“

Staatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) bezeichnete die Berichte aus Bansko am Donnerstag als „zutiefst besorgniserregend. Wenn jüdische Kinder und Jugendliche in Europa antisemitischen Parolen, Hitlergrüßen und Einschüchterungen ausgesetzt sind, ist das inakzeptabel. Wir erwarten eine lückenlose Aufklärung der Vorfälle und konsequente Maßnahmen gegen jede Form des Antisemitismus. Jüdisches Leben muss überall in Europa sicher und selbstverständlich möglich sein“, betonte Pröll in einer Mitteilung.

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