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Lueger-Platz: Kunst-Uni fordert Umbenennung, Stadt winkt ab

Universität für angewandte Kunst erneuert nach antisemitischen Vorfällen Wunsch nach Umbenennung des Platzes.
Das Denkmal für Karl Lueger steht vor einem historischen Gebäude in Wien.

Die Universität für angewandte Kunst Wien hat ihre Forderung nach der Umbenennung des Dr.-Karl-Lueger-Platzes erneuert. Grund für den neuerlichen Vorstoß seien antisemitische Übergriffe auf einen Studenten der Angewandten vor wenigen Tagen, wie in einer Presseaussendung erklärt wurde.

Der jüdische Künstler Alon Ishay hatte, der KURIER berichtete, im Rahmen eines Angewandte-Festivals auf dem Denkmal „Schande“-Kleber und mit wasserlöslicher Sprühkreide Fußabdrücke auf dem Boden angebracht. Rund 15 Polizeibeamte hätten laut einem Bericht des Standard die Aktion beendet und gegen Ishay Anzeigen wegen des Verdachts der Störung der öffentlichen Ordnung erstattet. Nach dem Einsatz sei es zudem zu antisemitischen Beleidigungen durch Passanten gekommen.

„Während Kunstaktionen also Polizeieinsätze auslösen, dient der Platz weiterhin Rechtsextremen und Neonazis als beliebtes Fotomotiv und als Versammlungsort“, heißt es nun bei der Angewandten. „Die Lesart des schiefgestellten Denkmals als Mahnmal beeindruckt sie wenig.“ Die Statue wurde unter dem Titel „Schieflage (Karl Lueger 3,5°)“ gekippt.

Die Kunst-Uni drängt nun aber auf eine Umbenennung des Platzes in „Friedl-Dicker-Brandeis-Platz“ zu Ehren der von den Nazis ermordeten Künstlerin und Designerin.

Aufwand für Anrainer

In der zuständigen Geschäftsgruppe Kultur und Wissenschaft der Stadt Wien winkt man auf Anfrage ab: Die Stadt habe schon vor längerer Zeit entschieden, historisch problematische Straßennamen nicht umzubenennen, sondern zu kontextualisieren.

Umbenennungen seien vor allem für Anrainer mit erheblichem Aufwand verbunden, da sämtliche Dokumente, Verträge und sonstigen Unterlagen mit der bisherigen Adresse angepasst werden müssen. „Die Universität für angewandte Kunst hat Kenntnis über alle Abläufe“, heißt es weiter. Die Einbeziehung aller relevanter Stakeholder (Bezirk, Anrainer, Unternehmen) sei in so einem Prozess entscheidend. „Eine Umbenennung gegen den Willen der lokalen Stakeholder ist zwar rechtlich möglich, demokratiepolitisch aber höchst problematisch.“

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