Meldestelle: Antisemitische Vorfälle auf Rekord-Hoch

Kultusgemeinde registrierte im Vorjahr 1.532 antisemitische Vorfälle. Geld, das in Sicherheit investiert wird, fehlt an anderen Stellen.
Meldestelle: Antisemitische Vorfälle auf Rekord-Hoch

Die Antisemitismus-Meldestelle der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) hat im Vorjahr 1.532 antisemitische Vorfälle registriert. Das entspricht einer nicht signifikanten Zunahme im Vergleich zu 2024, stellt aber die höchste jemals registrierte Zahl dar.

„Wir dürfen uns nicht an den Antisemitismus gewöhnen!“, sagt IKG-Präsident Oskar Deutsch. Die IKG investiert mittlerweile allein in Wien fünf Millionen Euro pro Jahr in Sicherheitsmaßnahmen. „Das ist doch absurd. Wir sind eine Religionsgemeinschaft, und dieses Geld fehlt bei Maßnahmen für Bildung, Kultur und viele andere Bereichen.“

Zivilcourage

Der zusätzliche Schutz durch Polizei und Bundesheer sind laut Deutsch zwar enorm hilfreich. „Aber die Lösung kann doch nicht sein, mehr Einschränkungen zu akzeptieren“, sagt der IKG-Präsident, der alle Bürger bittet, Zivilcourage zu zeigen, wenn antisemitische Pöbeleien im öffentlichen Raum passieren. Die IKG alleine könne die Herausforderung nicht lösen. 

Im Jahreschnitt hat die IKG 4,2 antisemitische Vorfälle am Tag verzeichnet. Das Gros der Übergriffe (842) betrifft verletzendes Verhalten, in 205 Fällen musste eine Sachbeschädigung registriert werden. Tätliche Angriffe (19) und Bedrohungen (27) sind die Minderzahl. 

Sehr häufig, nämlich 439 Mal, wurden „Massenzuschriften“ registriert. So war der Mai nach öffentlichen Aussagen von Alt-Bundespräsident Heinz Fischer von einer „regelrechten eMail-Flut“ an die IKG und Einzelpersonen charakterisiert: Die Kultusgemeinde spricht von einer dreistelligen Zahl an eMails von denen 78 als antisemitisch waren und aufgrund des extremistischen Inhalt an die Behörden gemeldet wurden. Dieser Wert, also 78, ist laut IKG der „mit Abstand höchste historische Wert in dieser Unterkategorie“. 

Bei den physischen An- und Übergriffen ist die überwiegende Mehrzahl laut IKG  klar einem „muslimischen Hintergrund“ zuzuordnen. 

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