Politik | Ausland
29.05.2017

Macron setzte Putin mit Coolness unter Druck

Bei ihrem Treffen in Versailles trieb Frankreichs Präsident Emmanuel Macron seinen russischen Amtskollegen mit sachlichen Lösungsansätzen in die Enge.

Je länger die Pressekonferenz im Schloss von Versailles am Montag dauerte, desto deutlicher wurde die Kluft zwischen einem souverän agierenden Gastgeber, Emmanuel Macron, und einem noch verhärmter also sonst wirkenden Wladimir Putin. Der französische Staatschef berichtete sachlich über pragmatische Lösungsansätze ohne Differenzen zu leugnen, sein russischer Amtskollege grantelte ziemlich nebulos einher.

So erfuhr man von Macron, dass zwecks Deeskalation in der Ukraine eine Konferenz, wie schon 2014, mit Russland, der Ukraine, Deutschland und Frankreich angedacht sei. Für den Syrien-Konflikt entwarf Macron eine Position, die Russland entgegenkommt aber gleichzeitig Grenzen zieht: Priorität habe der Kampf gegen die IS-Terroristen, eine politische Lösung müsse auf die Bewahrung eines syrischen Staatswesen bedacht sein, auch die Vertreter des Assad-Regimes müssten beteiligt werden. Sollten aber chemische Waffen zum Einsatz kommen, würde es eine „unverzügliche“ militärische Reaktion Frankreichs geben, warnte Macron mit Blick auf das Assad-Regime.

Putin schien diese Warnung geflissentlich zu überhören, so wie er auch die Ankündigung von Macron kommentarlos quittierte, wonach sich die beiden Staatsmänner auf „gemeinsame Initiativen zum Schutz der LGBT“ (Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen) namentlich in Tschetschenien geeinigt hätten. Vor allem letztes ist für Putin zurzeit an der Heimatfront heikel. Hatten doch Kreml-treue Medien während des französischen Wahlkampfs und auch noch knapp danach Macron als Innbegriff des westlichen Sittenverfalls dargestellt.

Sieg des „Sodomiten“

Noch knapp vor der Stichwahl hatte eine Sprecherin von „Tsargrad TV“ ihre Zuseher auf das Unvermeidliche mit den Worten vorbereitet: Der Sieg „des sodomitischen Kandidaten ist nicht ausgeschlossen“. Mit dem aus der Bibel herrührenden Begriff „Sodomiten“ beflegeln religiöse Eiferer aller monotheistischen Konfessionen die Homosexuellen.

Auch die Nachrichtenagentur „Sputnik“ hatte Macron als heimlichen Homosexuellen entlarvt. Was die „Komsomolskaia Prawda“ nicht daran hinderte, die Frau von Macron, Brigitte, wiederum, als „pädophil“ zu bezeichnen (weil sich Macron noch als Gymnasiast in die 24 Jahre ältere Literatur-Professorin verliebt hatte).

Inzwischen haben die Kreml-treuen Medien zwar ihre Aggressivität gegen Macron heruntergefahren. Aber an der Niederlage, die der Wahlsieg von Macron für den Putin-Klan zumindest vorläufig darstellt, hat Moskau noch zu laborieren. So hatte der Kreml Macron als den Fortsetzer der Linie von Francois Hollande identifiziert – im Gegensatz zum konservativen Kandidaten Francois Fillon (den Putin anfänglich besonders gelobt hatte), dem Linkstribun Jean-Luc Melenchon und der Nationalistin Marine Le Pen (die eigens im Kreml empfangen wurde), und die allesamt für die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland warben.

Hollande ließ in Folge der Annektierung der Krim die Lieferung von Militärfregatten an Russland 2015 annullieren. Im Oktober 2016 musste Putin einen Paris-Besuch stornieren, weil ihn Hollande nicht empfangen wollte – als Reaktion auf die Bombardierung der syrischen Stadt Aleppo.

Grand Seigneur

Macron hat jetzt, im Vergleich mit Hollande, den Vorteil, die Wahlen mit klaren Pro-EU- Ansagen gewonnen zu haben. Kraft dieser Position kann er gegenüber Putin als eine Art „Grand Seigneur“ auftreten, der in der Sache, wie er es ausdrückt, „konzessionslos“ aber in der Form respektvoll handelt. Das hatte Macron schon auf dem G7-Gipfel gegenüber Donald Trump vorexerziert: Nach seinem Gespräch mit dem US-Präsidenten bezüglich des Klimawandels gab sich Macron, anders als Merkel, nicht zu hart: „Trump ist offener, als man annimmt. und imstande seine Haltung zu ändern“. Es schaut ganz nach einer Arbeitsteilung aus, wie man sie aus Krimi-Serien kennt: hier der „gute Polizist“ (Macron), dort der „böse“ (Merkel). Die beiden Beamten haben aber bekanntlich dasselbe Ziel.