© REUTERS/PAUL CHILDS

Reportage
03/31/2021

Lockerungen in England und Hitzewelle treiben die Massen ins Freie

Strände und Parks sind nach dem Lockdown voll. Abstandhalten ist oft unmöglich. „Vergeigen wir es jetzt nicht“, warnt Gesundheitsminister Hancock

von Georg Szalai

Bei Rekordtemperaturen zieht es derzeit viele Briten, manche mit Alkohol im Gepäck, an die frische Luft, um ihre neu gewonnene Freiheit von den strengsten Corona-Maßnahmen zu genießen. Der britische Premier Boris Johnson hatte seinen Landsleuten und ihren Ausflugsplänen am Montag keinen Strich durch die Rechnung machen wollen, sie sogar aufgefordert, „Spaß“ zu haben nach den Lockerungen, die nun Treffen von bis zu sechs Leuten oder zwei Haushalten im Freien ermöglichen. Zugleich gab es Warnungen vor Regelbrüchen, die weitere Öffnungsschritte gefährden könnten.

Nach dem heißesten März-Tag seit 53 Jahren – „heißer als in Ibiza“ wie eine Schlagzeile verriet – waren britische Medien am Mittwoch voll von Fotos massenhaft besuchter Meeres- und Grün-Oasen. Abstandhalten schien oft gar nicht mehr möglich; Sonnenanbeter freuten sich über das eine oder andere Sechserpack Bier. Kein Wunder, dass Bilder mit Müll bedeckte Gras- und Sand-Flächen zeigen.

„Spontane Feuershow“

Sally Everton von der Tourismusbehörde in Devon bemerkte den Ansturm auf die Strände der Region sofort: „Ich sah nur Autos mit Surfbrettern auf dem Dach.“ In Brighton tanzten laut BBC „Tausende Nachtschwärmer am Strand bis in die Nacht“, auch angezogen von einer spontanen Feuershow. In Birmingham sagte ein Parkbesucher dem Sender, die Stimmung dort „wirkte wie ein Festival“.

In Nottingham zeigten Fotos und Videos dicht aneinander gedrängte Jugendliche in einem Park und auch Raufereien. Die Polizei hat jetzt in der Stadt ein Alkoholverbot für Parks verhängt; der Chef des Stadtrats drohte, Parks zu sperren, wenn sich die Szenen wiederholen sollten.

„Reisewege minimieren“

Die britische Regierung bemüht sich, die positive Entwicklung in der Corona-Statistik zu bewahren, damit ihr Fahrplan für schrittweise Corona-Lockerungen, der ein Ende aller Restriktionen frühestens am 21. Juni vorsieht, nicht gefährdet wird. „Lasst uns die Sonne genießen, aber lasst es uns sicher tun“, twitterte Gesundheitsminister Matt Hancock: „Wir sind so weit gekommen, vergeigen wir es jetzt nicht“. Der Daily Mirror warnt aber bereits vor dem Schlimmsten: „Lockdown-Verlängerung befürchtet, da Briten an Strände und Parks strömen.“

Ein Problem: Die seit Montag gelockerten Corona-Richtlinien für England, wonach Leute „Reisewege minimieren“ sollen, sind offen für Interpretation. Die Tourismus-Chefs in Devon, Cornwall und Cumbria bitten Besucher mit längeren Anfahrtswegen, vorerst fernzubleiben.

„Wir würden nicht erwarten, dass jemand mehr als etwa eine Stunde reist“, sagt ein Cornwall-Touristiker. Sally Everton aus Devon glaubt hingegen, ein „Regierungsbescheid, dass Leute nur lokal unterwegs sein dürfen“, sei nötig, um die Regeln klarer zu machen.

Schnee zu Ostern

Premier Johnson scheint allerdings nicht den Spielverderber geben zu wollen. Ein Regierungsvertreter sagte: „Wir verlassen uns auf den gesunden Menschenverstand der Briten.“

Das Wetter könnte da bald zu Hilfe kommen. Denn laut Vorhersagen soll es in Teilen Englands ab Ostersonntag schneien.

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