Unterstützer der Regierungstruppen feiern die Rückeroberung Bengasis

© APA/AFP/ABDULLAH DOMA

Libyen
02/24/2016

Erfolgsbotschaft aus Bengasi

Regierungstruppen nehmen ostlibysche Stadt ein

von Karoline Krause-Sandner

Wenige Stunden, nachdem Bengasi von den Truppen der international anerkannten Regierung eingenommen worden war, fuhren die ersten Bewohner mit ihren Autos in die Heimat. Seit 2014 war die Stadt von Extremisten besetzt. Viele von ihnen haben sich unter dem Titel "Bengasi Schura Rat" zu einer militärischen Vereinigung zusammengeschlossen, darunter die El-Kaida-nahe Miliz Ansar al Scharia. Auch der IS hatte um die 200 Kämpfer in der Hafenstadt, in der 2011 die Proteste gegen Gaddafi begonnen hatten.

Libyen ringt seit dem Sturz des Langzeitherrschers um Frieden. Hunderte Milizen kämpfen um Einflussgebiete, in dem Machtvakuum hat sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" vor allem im Bereich Sirte und Sabratha festgesetzt (siehe Grafik). Derzeit versucht die UN, zwei rivalisierende Parlamente – ein international anerkanntes und ein selbst ernanntes islamistisches – dazu zu bringen, eine Einheitsregierung zu bilden. Eine Abstimmung am Dienstag brachte keine Einigung.

Schwache Armee

Die Armee unter General Khalifa Haftar, die am Dienstag Bengasi zurückerobert hat, unterstützt die international anerkannte Regierung. Sie kämpfte bisher an zwei Fronten – einerseits gegen die Extremisten in Bengasi, andererseits gegen den IS bei Sirte. Jetzt kann sie ihre gesammelten Kräfte – die ohnehin nicht besonders stark sind – auf den Anti-IS-Kampf konzentrieren, erklärt Sicherheitsexperte Wolfgang Pusztai.

Allerdings ist auf der anderen Seite eine Einigung auf eine Einheitsregierung in weitere Ferne gerückt. In einer Einheitsregierung hätten die Islamisten weniger Macht. Jetzt präsentieren sie sich als Partner des Westens im Kampf gegen den IS.

Dieser wird die nähere Zukunft bestimmen. Die Terrormiliz hat sich mit rund 3000 Kämpfern im Raum Sirte festgesetzt. In den vergangenen Wochen sind weitere 2000 dazugekommen. Pusztai vermutet, dass der IS nun seine Offensive in Richtung Osten vorantreibt.

Die Zeit drängt. Die internationale Gemeinschaft, allen voran Frankreich, die USA, Großbritannien und Italien, wollen alles daran setzen, den Anti-IS-Kampf zu unterstützen. Italien will nur mit Einladung der Einheitsregierung tätig werden. Die anderen sind bereits mit Sondereinsatzkräften in Libyen aktiv. Die US-Luftwaffe attackierte zudem am Freitag IS-Ziele in Sabratha in der Nähe der tunesischen Grenze. Dabei starben rund 40 IS-Kämpfer und zwei serbische Geiseln. Am Mittwoch schlug der IS zurück. Die Stadt ist weiter umkämpft.

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